Hochschule

Studium in der sozialen Schieflage

Kinder aus einkommensschwachen Familien finden immer seltener den Weg an die Hochschulen. Das geht aus einer Studie des Deutschen Studentenwerkes hervor. Die Neuregelung des Bafög soll die soziale Schieflage beheben.

Allen Bemühungen zum Trotz: Immer noch entscheidet der Geldbeutel wesentlich über den Karriereweg. Von Chancengleichheit kann beim Studienzugang nicht die Rede sein. Das geht aus dem jüngsten Bericht über die soziale Lage der Studierenden hervor, vorgelegt vom Deutschen Studentenwerk (DSW) und dem Bundesbildungsministerium.

Der in den 80er Jahren einsetzende Trend, dass immer mehr Studierende aus akademischen Elternhäusern kommen, hält der Studie zufolge an. DSW-Präsident Prof. Dr. Hans-Dieter Rinkens konstatiert angesichts dieser Entwicklung eine „soziale Selektion“, die bereits auf dem Weg zum Studium einsetzt. Im Zeitraum zwischen 1985 und 2000 ist der Anteil derjenigen, die aus Elternhäusern mit Hauptschulabschluss stammen, von fast zwei Fünftel auf ein Fünftel zurückgegangen. Neben Sozialwissenschaftlern sind es aber auch weiterhin vor allem angehende Ingenieure, die „aus bildungsfernen und finanziell schwächer gestellten“ Elternhäusern kommen, genauer gesagt ist es jeder Vierte. Kinder aus „bildungsnahen“ Elternhäusern entscheiden sich häufig für ein Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie der Medizin.

Im OECD-Vergleich liegt Deutschland in der Hochschulbildung weit hinten. Nur ein Sechstel eines Jahrgangs beginnt ein Studium, im Durchschnitt aller 30 anderen Industriestaaten ist es ein Viertel. Laut DSW-Bericht ist die „Studierquote“ der Abiturienten in den 90er Jahren von 76 % auf 65 % zurückgegangen. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn will daher noch mehr Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen für ein Ingenieur-Studium mobilisieren: „Nur so lässt sich das Niveau der technischen Intelligenz in Deutschland halten“, meint sie. „Wer die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft sichern will, muss Bildungspotenziale erschließen, muss Zugangsschwellen zur Hochschulausbildung abbauen“, fordert im Gleichklang Rinkens, der ausdrücklich vor der Einführung von Studiengebühren als kontraproduktive Maßnahme warnt und die Reform des Bundesausbildungs-Förderungsgesetzes ebenso eindringlich begrüßt. Das neue Bafög soll die soziale Schieflage unter den Studenten ins Gleichgewicht bringen. Damit nicht der Geldbeutel der Eltern die Entscheidung für oder gegen ein Studium bestimmt, stehen seit April jährlich etwa 1,3 Mrd. DM mehr für Jugendliche aus Familien mit geringem oder mittlerem Einkommen zur Verfügung. Das Ziel der Bundesregierung, 60 000 Studierende neu in die Bafög-Förderung einzubeziehen, wird nach DSW-Analysen voraussichtlich erreicht. Das Studentenwerk erwartet, dass die Schallmauer von insgesamt 300 000 Bafög-Empfänger durchbrochen werde. In Deutschland sind derzeit insgesamt 1,76 Mio. Studenten eingeschrieben.

Hilfreich sei, so DSW-Generalsekretär Dieter Schäferbarthold, dass die Verschuldung für den einzelnen Studenten auf maximal 20 000 DM festgelegt wurde, so dass das Risiko überschaubar bleibe. Auch die Möglichkeit, Bafög für Auslandsstudien zu erhalten, sowie die Erhöhung der Elternfreibeträge, seien dringend nötig gewesen.

„Das Bafög ist sicherlich nicht das Allheilmittel. Wir müssen viel früher anfangen für das Studium zu begeistern“, fordert Schäferbarthold. „In der Vorstufe des Studiums, etwa ab Klasse zehn, brauchen wir eine große Informationsoffensive in Zusammenarbeit mit den Schulen. Hier müssen kontinuierliche Beratung und auch eine Rücksprache möglich sein. Wir denken an eine Art Vertrauenslehrer für Studienfinanzierungsfragen. Darüber müsste man mit der Kultusministerkonferenz sprechen.“ Wenn die Finanzierung gesichert sei, wäre die Chance sehr groß, gerade in den technischen Bereichen eine erhebliche Offensive zu starten und mehr Studenten an die Fachhochschulen und Universitäten zu ziehen.

Scharfe Kritik an der Bafög-Reform kommt aus dem Studentenlager. Das Bafög decke auch nach Anhebung des Bedarfssatzes (neuer Förderungshöchstbetrag: 1140 DM, früher: 1030 DM) in der Regel nur zu 10 % das benötigte Einkommen der Studenten ab, heißt es. Für Olaf Bartz vom „Aktionsbündnis gegen Studiengebühren“ (ABS) ist die Neuerung nicht mehr als „Flickwerk“ . Christian Habrecht vom „Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften“ bedauert, „dass Studierende aus der unteren sozialen Herkunftsgruppe weiter aus den Hochschulen herausgedrängt werden“.
mw/sh/ws

DSW-Studie

Aufwendiges Ingenieurstudium

18 % der deutschen Studenten haben sich für das aufwendige Ingenieurstudium entschieden. 39 Stunden pro Woche verbringt der Ingenieurstudent durchschnittlich in Vorlesungen oder beim Lernen. Die Ab- oder Unterbrecherquote ist vergleichsweise niedrig. Nur jeder siebte künftige Ingenieur pausiert während seines Studiums oder gibt es auf. Der am häufigsten genannte Grund sind finanzielle Probleme. Aber auch Zweifel am Sinn des Studiums spielten für fast jeden Dritten der Studienunterbrecher in den Ingenieurwissenschaften eine Rolle. Das Gegenmittel von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn: Schon in der Schulzeit sollten die Berufsperspektiven für die künftigen Studenten aufgezeigt werden. M.W.

Von M.W.

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