Bildung

Studium im Dreiklang

Studenten aus drei Nationen machen ihren Ingenieurabschluss, und das gleichzeitig in ihrem Heimatland und an zwei Nachbaruniversitäten.

Wer kann schon von sich behaupten, in drei Ländern gleichzeitig die Universität zu besuchen? Für die Studierenden der trinationalen Ingenieurssausbildung im Dreiländereck Deutschland, Schweiz und Frankreich hat gerade das dritte Jahr begonnen. Seit Herbst 1997 werden im Rahmen des EU-Förderungsprogramms Interregio II Studierende aus den drei Ländern an der Université de Haute-Alsace im elsässischen Mülhouse, an den zwei Fachhochschulen in Basel und an der Berufsakademie Lörrach unterrichtet.
Das Projekt hat Erfolg, wie ein trinationales externes Evaluierungsteam in einem Zwischengutachten jetzt bescheinigt. In dem Gutachten heißt es unter anderem: „Die von den Unternehmen als besonders wichtig eingestuften Anforderungen Sozialkompetenz im internationalen Umfeld und Flexibilität werden erfüllt“. Und weiter: „Nahezu alle Studienanfänger haben die daraus resultierende Herausforderung durch eine hohe Stundenzahl und anspruchsvolle Inhalte gemeistert“.
„Ursprünglich war daran gedacht, eine eigene Einrichtung zu gründen. Doch das scheiterte an den finanziellen Gegebenheiten“, so Prof. Dr. Jörg Thietke, Fachleiter an der Berufsakademie in Lörrach und einer der Betreuer des trinationalen Studiengangs. Dass diese Idee damals nicht realisiert werden konnte, erweist sich heute sogar als vorteilhaft. Die Studenten sind einerseits an der jeweiligen Hochschule ihres Heimatlandes immatrikuliert, was der ganzen Sache eine gewisse Bodenständigkeit verleiht. Auf der anderen Seite müssen sie sich über weite Strecken mit den Gegebenheiten der Nachbarländer auseinander setzen, die trotz enger Tuchfühlung nationale und kulturelle Unterschiede aufweisen.
„Aus dieser Konstellation heraus hat die trinationale Ingenieursausbildung zwar als Schlüsselprojekt europäischer Integration seine Eigenständigkeit entwickelt. Das soll aber nicht heißen, dass den Studenten dadurch ein Sonderstatus zugebilligt wird. Ziel ist es vielmehr, Ingenieure heranzuziehen, die offen sind für die Besonderheiten des jeweiligen Landes“, fasst Jörg Thietke die Eckpfeiler der Ausbildungsphilosophie zusammen.
Bei dem trinationalen Projekt handelt es sich somit nicht um einen internationalen Studentenaustausch. Die Studierenden sind vom ersten Tag an über den gesamten Zeitraum von vier Jahren zusammen und werden an den drei Hochschulstandorten jeweils zu einem Drittel der Zeit durch ein mehrsprachiges Dozententeam unterrichtet. Dafür zahlen die Studenten die Studiengebühren, die in ihrem jeweiligen Heimatland üblich sind: in Deutschland 100 DM als einmalige Einschreibgebühr und 90 DM für ein Studienjahr, in der Schweiz 500 Sfr pro Semester und in Frankreich 50 FF.
Jeweils 30 Erstsemester pro Jahr – davon zehn pro Land – werden zu diesem trinationalen Studiengang zugelassen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt im Bereich der Mechatronik, der sich aus den Disziplinen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik zusammensetzt. Großes Gewicht hat auch das technische Projektmanagement, das aus den Fächern Kommunikation, Sprachen, Projektmanagement, Betriebswirtschaft, Recht und Qualitätsmanagement besteht.
Gute Mathematik- und Physikkenntnisse sind Zulassungsvoraussetzungen, reichen jedoch nicht aus. Vielmehr wird als Eingangsqualifikation ein Notendurchschnitt von „zwei“ verlangt. Außerdem müssen die angehenden Studenten sprachliche Fähigkeiten, vor allem in Französisch und Deutsch, mitbringen. Persönliche Eigenschaften wie Kontaktfreudigkeit, Neugierde und die Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen, spielen bei der Beurteilung der Bewerber ebenfalls eine große Rolle. „Es ist schon eine besonderer Menschenschlag, der sich in diesem Studiengang trifft“, stellt Jörg Thietke nach den ersten zwei Jahren fest. „Was die Studenten allesamt auszeichnet, ist eine enorme Leistungsbereitschaft“. So überrascht es auch nicht, dass 1998 die Hälfte der Studienanwärter mit einem Notendurchschnitt einer „eins“ vor dem Komma glänzen konnte.
Um die nationale Ingenieursausbildung zu einem trinationalen Paket schnüren zu können, waren recht unkonventionelle Schritte nötig. Eine „Konferenz für trinationale Ingenieursausbildung“, in der jeweils zwei Vertreter aus den drei Ländern sitzen, legt Inhalt und Aufbau des Studienganges fest. Dabei müssen nicht nur die Zugangsvoraussetzungen, die Ausbildungsinhalte und Hochschulabschlüsse berücksichtigt werden, sondern auch die Besonderheiten einer französischen Universität, einer Schweizer Fachhochschule und einer deutschen Berufsakademie. Aus dem normalerweise dreijährigen Studium an der Berufsakademie wurden deshalb vier Jahre, um sich den internationalen Gegebenheiten besser anpassen zu können. Die Studienabläufe weisen zum Teil gravierende Unterschiede auf.
So liegt die Zulassungsentscheidung für Studenten der deutschen Berufsakademie bei den Unternehmen, die mit den angehenden Ingenieure einen Ausbildungsvertrag abschließen, und sie während ihres Studiums auch bezahlen. In Frankreich und der Schweiz dagegen ist dies Sache der jeweiligen Hochschule. Während der praktischen Ausbildung sind alle Studenten in Unternehmen der drei Länder tätig. Als Minimum sind 50 Wochen vorgeschrieben. Auf der deutschen Seite aber wird der betrieblichen Tätigkeit noch mehr Platz eingeräumt, so dass die Studierenden auch die Semesterferien dafür nutzen. Am Ende des Studiums stehen europaweit anerkannte Diplom-Abschlüsse für die Schweiz der „Dipl. Ing. FH“, für Deutschland der „Dipl. Ing. BA“ und für Frankreich der „Ingénieur-Maître.“
Als im Herbst 1997 die trinationale Ingenieursausbildung erstmals angeboten wurde, kamen die Studenten aus einem Einzugsgebiet von rund 50 km. „Mittlerweile bewerben sich hier junge Leute aus allen Teilen Frankreichs. In Deutschland reicht das Einzugsgebiet bis Nordrhein-Westfalen und Bayern“. Jörg Thietke führt diesen Erfolg auf eine „exzellente Mund-zu-Mund-Propaganda“ zurück. Das bestätigen auch Umfragen unter den Studenten. Auf einer Skala mit fünf Stufen – von exzellent bis ungenügend- beurteilte der erste Jahrgang die Ausbildung im Mittel mit deutlich besser als gut, der zweite Jahrgang stufte sie sogar mit sehr gut ein. Solche Ergebnisse spornen an. Deshalb wundert es auch nicht, dass ab dem Jahr 2000 zusätzlich eine trinationale Wirtschaftsausbildung gleichen Modells geplant ist. MONIKA ETSPÜLER
Lehrstoff aus drei Nationen bekommen die Studierenden der trinationalen Ingenieurausbildung in den Vorlesungen zu hören.
Im Dreiländereck Frankreich, Schweiz und Deutschland sind auch mehrsprachige Studien möglich.

Von Monika Etspüler
Von Monika Etspüler

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