Managementausbildung

Studium appelliert an die Moral

Die Wirtschaftskrise und die Machenschaften ihrer Verursacher sorgen dafür, dass der Ruf nach einer ethisch motivierten Ausbildung von Managern lauter wird. „Weiche Themen“, die lange als wenig karriereförderlich galten, gewinnen an Bedeutung: Die Wirtschaft steht unter Rechtfertigungsdruck.

Nicht zehn Gebote wie in der Bibel, aber immerhin acht Gebote haben sich Teilnehmer des MBA-Programms der amerikanischen Eliteuniversität Harvard auferlegt. Rund 400 von ihnen, etwa die Hälfte der Studierenden, legte im letzten Jahr den ersten MBA-Eid ab.

Nicht, weil die Hochschulleitung es so gewollt hätte, sondern weil die Studierenden Gedanken der Harvard-Professoren Rakesh Khurana und Nitin Nohria aufnehmen wollten. In einem zehnseitigen Artikel für die Zeitschrift „Business Review“ hatten die beiden mehr ethische Standards in der MBA-Ausbildung gefordert. Kein Kanon regle Wissen und Werte der Absolventen am Ende der Ausbildung, kritisierten die Wissenschaftler. Das sei bei Ärzten und Anwälten anders.

Mit dem MBA-Eid wollen die Initiatoren diese Lücke schließen. „Als Manager ist es meine Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen“, bekennen die angehenden Top-Manager nun. Außerdem versprechen sie, ihren Beruf rechtschaffen, nachhaltig und ehrlich auszuüben.

Für das Bekenntnis gibt es einen guten Grund: Verantwortungslose Managementpraktiken gelten als eine der Ursachen für die aktuelle Wirtschaftskrise. Die Öffentlichkeit wirft Top-Führungskräften Gier und die alleinige Orientierung an kurzfristigen Finanzzielen vor.

Dieses Versagen fällt auch auf die Ausbildung der Manager zurück. Viele von ihnen, etwa Richard Fuld, der die Investment-Bank Lehman Brothers in die Pleite führte, tragen einen MBA-Titel. Mehr noch: Unternehmen wie die Pleite-Bank Lehman Brothers oder der Skandal-Konzern Enron galten in den Fallstudien der Business Schools vor ihrem Fall als vorbildlich geführte Unternehmen.

Spötter betiteln die Absolventen der teuren Kurse deshalb neuerdings als „Master of Business Apocalypse“. Auch Personalchefs beäugen den prestigeträchtigen Abschluss zunehmend kritisch. Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger bezeichnet die MBA-Ausbildung sogar als „ziemlich herzlos“.

Sich mit Ethik und Moral auseinanderzusetzen, galt lange als der Karriere wenig förderlich. Das ändert sich nun. „Das gesamte Wirtschaftssystem steht unter starkem Rechtfertigungsdruck. Die Gesellschaft trägt ethische Fragen an die Unternehmen heran. Diese wiederum verlangen, dass Führungskräfte entsprechend ausgebildet werden“, sagt Jörg Althammer, der an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Wirtschafts- und Unternehmensethik unterrichtet. Die dortige wirtschaftswissenschaftliche Fakultät leistet sich gleich zwei derartige Lehrstühle, die auch in das MBA-Programm der Universität einbezogen sind.

Egal, ob ökologische Nachhaltigkeit oder Umgang mit den Mitarbeitern – der Druck, zu Themen jenseits von Geschäftsmodell, Produktpalette und Kennzahlen Stellung zu beziehen, steigt.

„Führungskräfte müssen sich zu normativen Fragen äußern können“, so Ethik-Experte Althammer. „Nur wer sein Fachgebiet beherrscht und über den Tellerrand blickt, kann nachhaltige Strategien entwickeln und den Unternehmenserfolg langfristig sichern.“

Das gilt besonders für Ingenieure. Beispiel Kernenergie: „Ingenieure, die sich traditionell nur mit der statistischen Abschätzung von Risiken befassen, verstehen oft nicht, warum das Thema öffentlich so kontrovers diskutiert wird. Eine entsprechende Ausbildung kann das ändern“, findet der Wissenschaftler.

MBA-Schulen reagieren auf diese Entwicklung mit Ethik-Angeboten. „Fast alle neuen Programme decken den Bereich ab. Viele bestehende Programme nehmen ihn auf“, beobachtet Althammer.

Gut für Manager, die ihr moralisches Profil schärfen wollen und eine Ausbildung mit Herz anstreben: Die Verantwortlichen hiesiger Ausbildungsstätten legen traditionell mehr Wert auf grundsätzliche Fragestellungen als ihre angloamerikanischen Kollegen. Die Chancen, einen MBA-Anbieter zu finden, der das Thema Ethik in den Lernplan aufgenommen hat, stehen also gut.

Ein stimmiges Angebot zu finden, bleibt trotzdem schwierig. „Viele Business Schools decken den Bereich mit zusätzlichen Kursen ab. Oft handelt es dabei aber um Inseln im Curriculum“, meint Ulrich Hommel, Associate Director der European Foundation for Management Development (EFMD) in Brüssel. Er empfiehlt angehenden MBA-Schülern, sich anhand von drei Leitfragen ein Urteil zu bilden: Ist die Ethik-Ausbildung glaubwürdig? Ist sie ganzheitlich angelegt? Welche Arten von Lehrveranstaltungen – nur Vorlesungen oder auch Projekte – stehen auf dem Programm?

„Wenn jemand im Ethik-Kurs zu moralisch gutem Verhalten ermuntert wird, aber im Fach Finanzierung bloß Shareholder Value lernt, ist das nicht zielführend“, findet Hommel. „Wichtig ist ein ganzheitlicher Ansatz, der etwa nach den ethischen Konsequenzen von Finanzierungsstrukturen oder von Marketingmaßnahmen fragt. Den zu finden, ist aber nicht einfach.“

Selbst Business Schools, die Ethik auch in die fachliche Ausbildung integrieren wollen, grübeln derzeit noch, wie sie dieses Ziel erreichen sollen.

MARLIES RIEPE

Von Marlies Riepe

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