Hochschule 16.11.2001, 17:31 Uhr

Studienkonto reizt zum schnellen Abschluss

Mit ihrem Studienkontomodell gehen NRW und Rheinland-Pfalz einen Sonderweg, der das Studieren attraktiver machen und gleichzeitig zum schnellen Abschluss animieren soll.

Die Nachricht kam so schnell wie überraschend. Die Bildungsminister in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wollen nicht in den Chor der Anhänger von Studiengebühren einstimmen. Die Sozialdemokraten Jürgen Zöllner und Gabriele Behler haben ihr eigenes Konzept, mit dem sie Studierwillige an die Hochschulen locken wollen. Das so genannte Studienkonto garantiert ein Erststudium, das nur in Ausnahmefällen Gebühren verlangt. Wer seinen Abschluss hingegen im Eiltempo schafft, soll mit Bonuspunkten belohnt werden. Weitere Studien und Weiterbildungsmaßnahmen, für die normalerweise gezahlt werden müsste, sollen dem emsigen Lerner auf diese Weise erspart bleiben und ihn zur Weiterbildung ermuntern.

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„Deutschland braucht nicht weniger, sondern mehr akademisch ausgebildete Menschen“, betont NRW-Ministerin Behler, mit einem Etat von 30 Mrd. DM die reichste unter den deutschen Bildungsministern. Studiengebühren, wie sie seit vier Jahren in Baden-Württemberg für Langzeitstudenten üblich sind und in Niedersachsen sowie im Saarland bald erhoben werden sollen, wirkten da eher kontraproduktiv. Strafgebühren nähmen keine Rücksicht auf individuelle Lebensumstände wie Erziehungsaufgaben oder die Eigenfinanzierung des Studiums – Begleiterscheinungen, die für das Hinauszögern des Studienabschlusses verantwortlich seien. Statt soziale Hürden einzubauen, müssten Anreize zum zügigen Studieren gesetzt werden. „Ich hoffe, mit diesem Konzept Bewegung in die verhärtete Debatte über die Einführung von Studiengebühren bringen zu können“, sagt Gabriele Behler. „Ich halte unseren Vorschlag für das intelligentere Modell.“ Ein Staatsvertrag zwischen NRW und Rheinland-Pfalz könnte dazu beitragen, dass Studierende ihre Guthaben hier wie dort einlösen können und das, obwohl sich das Modell in beiden Ländern in Details unterscheidet.

Fast zur gleichen Stunde, als die Initiative der beiden Minister publik wurde, debattierten die Teilnehmer der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) über die Einführung von Gebühren im Erststudium. Ein mögliches Konzept sieht vor, dass jede Hochschule selbst über die Höhe der Abgaben entscheidet. Damit seien aber keineswegs alternative Wege ausgeschlossen, heißt es von der HRK. Mit ihrem Vorstoß wollen Behler und Zöllner ihrerseits die Diskussion um Gebühren beenden.

In den eigenen Reihen trifft die Initiative von Zöllner und Behler aber nicht nur auf uneingeschränkten Jubel. Schon vor Wochen hatte Niedersachsens SPD-Bildungsminister Thomas Oppermann angekündigt, Studiengebühren für Langzeitstudenten einführen zu wollen. Das Delikate an der Sache: Zöllner ist zuständig für die Koordinierung der SPD-Länder in Hochschulfragen. Von einem gemeinsamen Vorgehen scheinen die Sozialdemokraten demnach weit entfernt.

Schon im vergangenen Jahr hatte Zöllner sich bemüht, die anderen 14 Kultusminister auf einen möglichst einheitlichen Kurs zu bringen. Das Resultat: Studiengebühren seien in Deutschland zwar nicht opportun, hieß es nachher in der Kultusministerkonferenz (KMK), aber Langzeitgebühren seien nicht verwerflich. Als das Bundesverwaltungsgericht vor einigen Wochen die Langzeitgebühren am Beispiel Baden-Württemberg für rechtens erklärte, warf das den wackeren Sozialdemokraten aber keineswegs aus der Bahn. Zöllner bleibt standfest und fordert nun: „Es reicht nicht aus, die heutige kurze ,Halbwertszeit´ von Wissen zu beklagen. Wir müssen einen Anreiz geben, an die Hochschulen zurückzukehren und sich weiter zu bilden, sowie an den Hochschulen mehr und attraktivere Angebote zu machen.“

Zöllner und Behler widerstehen der Versuchung, ihre Länder und Hochschulen um die beträchtlichen Summen zu bereichern, die im Falle von Studiengebühren wie in Baden-Württemberg (50 Mio. DM seit 1998) anfallen. In Rheinland-Pfalz und NRW sind zwar auch Gebühren geplant, nur greifen diese in weitaus weniger Fällen.

Als einen „richtigen Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnet der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz NRW, Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer, das Studienkontomodell. Er begrüßt vor allem den engen Dialog mit den Hochschulen, den Ministerin Behler angekündigt habe. Was aber tut sich in anderen SPD-regierten Bundesländern? „Mit interessierter Aufmerksamkeit“ beobachtet etwa das Bildungsministerium in Schleswig-Holstein die Umsetzung des Modells. Auch in Brandenburg will man das Vorhaben erst einmal genauer beleuchten. Ebenso wenig wie die Langzeitstudiengebühren ist Zöllners Konzept hingegen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ein Thema.

Die christdemokratisch regierten Sachsen wollen zunächst alles beim Alten belassen, finden den Ansatz aber ähnlich lobenswert wie das baden-württembergische Konzept. Das Saarland hat sich vor wenigen Tagen für Langzeitgebühren entschieden (500 €. pro Semester). In Thüringen überschreiten laut Ministerium nur 5% der Studierenden die Regelstudienzeit, was sowohl an den in den Wendejahren konzipierten Hochschulgesetzen als auch an der Studienberatung läge, die alle in Anspruch nehmen, die drei Semester über die Regelstudienzeit hinaus sind.

Jürgen Zöllner glaubt dennoch, sein Modell sei „als bundeseinheitliche Lösung hervorragend geeignet. Es zeichnet sich durch die notwendige Flexibilität aus, länderspezifische Besonderheiten berücksichtigen zu können“.
  WOLFGANG SCHMITZ

 

Studienkonto am Beispiel NRW

Wer sich beeilt, spart 
bei der Weiterbildung Kosten

Jeder Student erhält ein Studienkonto in der Einheit Semesterwochenstunden (SWS) plus einen Aufschlag von 20 %. Das Konto gilt für die doppelte Regelstudienzeit. Gebühren für Seminare und Vorlesungen müssen erst bezahlt werden, wenn diese Zeit, so etwa beim normalen Bachelor sechs Jahre, überzogen ist. Alle, die innerhalb der Regelstudienzeit abschließen, bekommen die restlichen SWS-Einheiten gut geschrieben und erhalten noch einen Bonus. Das Guthaben kann für ein Zweit- oder Aufbaustudium genutzt werden und/oder für die Weiterbildung bis zum 45. Lebensjahr (Rheinland-Pfalz: 55 Jahre). Wer die Regelstudienzeit plus zwei Semester benötigt, erhält den Rest gut geschrieben, muss aber auf den Bonus verzichten. Die bisher belegten Veranstaltungen werden von einer Konto-Chipkarte abgebucht. Das Modell soll spätestens 2004 eingeführt sein. ws

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Schmitz

    Wolfgang Schmitz

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Bildung, Karriere, Management, Gesellschaft

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