Hochschule

„Studienabbruch beginnt oft vor dem Studium“  

VDI nachrichten, München, 11. 12. 09, ws

Hochschule: Ein Jahr, nachdem das bayerische Wissenschaftsministerium und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ein Projekt starteten, um die Zunahme der Studienabbrecher in den technischen Disziplinen zu stoppen, zog man nun Bilanz.

Es gibt kein Allheilmittel zur Reduzierung der Studienabbrecher-Quote“, lautet das Fazit von Hans-Ulrich Küpper, Leiter des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF). Sein Team begleitet die aus zehn Projekten bestehende bayerische Initiative „Wege zu mehr MINT-Absolventen“ (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik).

Die Auswertungen des IHF ergaben, dass die Zeit vor dem Studium und die Studieneingangsphase für den späteren Erfolg ausschlaggebend sind. „Der Studienabbruch beginnt oft schon vor dem Studium“, konstatiert Küpper. Ursache seien mangelnde Informationen über die Studieninhalte und die Belastung während des Studiums.

Die Ansätze der zehn Hochschulen waren vielfältig: Sie führten Infoveranstaltungen an Schulen durch, Online-Studierfähigkeitstest oder Vorpraktika ein. Außerdem gab es in der Studieneingangsphase Probeklausuren, damit die Studenten Wissenslücken erkennen und diese über Tutorien schließen können.

An der Hochschule Aschaffenburg richteten die Verantwortlichen ein offenes Lernzentrum mit Betreuung ein. Wiederholungsprüfungen wurden an den Anfang des Semesters vorverlegt. Darüber hinaus gab es Frühwarnsysteme für abbruchgefährdete Studenten, Tutorien oder Mentoring-Programme.

Professorin Eva-Maria Beck-Meuth, die in Aschaffenburg den Studiengang Elektro- und Informationstechnik betreut, zog ein positives Fazit: „Bei uns suchten 86 % der Studenten das Gespräch mit ihren Mentoren. 50 % nutzten das offene Lernzentrum, 34 % intensiv. Die Leistungsnachweise hilfreich fanden 54 % der Befragten.“ Ob eine spürbare Senkung der Abbruchquoten erreicht wird, lasse sich erst nach Ablauf des Projekts im Herbst 2011 beurteilen.

Eine von der vbw in Auftrag gegebene Studie zeigt folgende Trends: Bis 2030 fehlen deutschlandweit bis zu 5,5 Mio. Arbeitskräfte, in Bayern sind es 1,5 Mio. 26 % der Jobs für Naturwissenschaftler und Mathematiker werden bis 2030 nicht besetzt werden können, bei Ingenieuren sind es 24 %. E. TSAKIRIDOU

Von E. Tsakiridou

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