Hochschule

Studenten fühlen sich um ihr Geld betrogen  

Studiengebühren sollen die Lehre verbessern. Ein günstigeres Verhältnis von Lehrenden zu Lernenden trüge zur Erreichung dieses Ziels bei, birgt aber etliche Haken. Die heutigen Studenten fühlen sich um ihre Investitionen betrogen, da sie frühestens in anderthalb Jahren vom besseren Betreuungsverhältnis profitieren. An der Hochschule Niederrhein kam es zur offenen Konfrontation. VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 5. 09, ws

Die Empörung der Studierenden an der Hochschule Niederrhein (HN) war landesweit zu hören und durchdrang sogar die Mauern des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums in Düsseldorf.

Die Hochschule mit den Standorten in Krefeld und Mönchengladbach hatte zwischen 2007 und 2008 rund 6 Mio. € aus Studiengebühren zusammengetragen. Statt sie unmittelbar in die Verbesserung der Lehre zu investieren, legte man die Millionen zunächst einmal auf die hohe Kante, um später daraus neue Professoren zu finanzieren.

Die Studierenden fühlen sich um ihr Geld betrogen. Da die Berufung für eine Professur 18 bis 21 Monate dauere, kämen viele Gebührenzahler nicht mehr in den Genuss der neuen Wissenschaftler.

„Studienbeiträge gehören nicht in den Sparstrumpf“, schlug sich NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) auf die Seite der Studenten. „Wir werden als Rechtsaufsicht einen Vermögensaufbau aus Studienbeiträgen nicht akzeptieren.“

Eine Umfrage hatte Ende 2008 ergeben, dass an NRW-Hochschulen den Einnahmen aus Sommer- und Wintersemester in Höhe von 266 Mio. € Ausgaben von 232 Mio. € gegenüberstanden. 34 Mio. € also wurden gehortet. Trotz einiger schwarzer Schafe habe es die Mehrzahl der Hochschulen geschafft, zu schnellen Entscheidungen zu kommen, jubiliert das Ministerium.

Andere senken die Beiträge. Wie die Hochschule Bochum, wo Studierende fortan nur noch 400 € statt wie bislang 500 € zahlen. An der Fachhochschule Bielefeld werden die „auf Eis gelegten“ Studienbeiträge aus dem Sommersemester 2007 in Höhe von 1,6 Mio. € an die Studierenden zurückgezahlt.

Für diese Politik hat Florian Keller Verständnis, auch wenn der Vorstand im freien Zusammenschluss von Studentinnenschaften (fzs) generell nichts von Studiengebühren hält. Nicht nachvollziehen könne er aber, dass die Hochschule Niederrhein mit der Gebührenverteilung überfordert sei und trotzdem die Höchstsumme von 500 € fordere: „Wenn man nicht weiß, wie es geht, sollte man sich mit weniger zufrieden geben, und nicht gleich mit vollen Händen zulangen. Wenn mit dem Geld Professuren geschaffen werden sollen, wird die Umsetzung so lange dauern, dass die ersten Gebührenzahler schon wieder aus der Hochschule heraus sind und nichts davon haben.“ Diese Praxis sei leider bundesweit zu beobachten.

Statt das Geld für eine ungewisse Zukunft zu horten, sollten die Hochschulen die Mittel zeitnah einsetzen, schlägt der Berliner Bildungsökonom Dieter Dohmen vor. „Gebührenzahler haben einen berechtigten Anspruch, dass ihre finanziellen Leistungen mit Gegenleistungen abgegolten werden.“

Grundsätzlich wendet sich Dohmen aber nicht dagegen, Professorenstellen über die Gebühren zu schaffen: „Die Hochschulen müssen sich nur über die Konsequenzen bewusst sein.“ Über die „Kapazitätsverordnung“ würden zusätzliche Professoren zu einer entsprechenden Erhöhung der Studierendenzahl führen. „Damit wäre das Betreuungsverhältnis nicht verbessert und das Ganze würde sich im Kreis drehen.“

Da niemand wisse, wie sich die Hochschulfinanzierung entwickeln werde, bewegten sich die Hochschulen auf dünnem Eis. Die Folge: Einige sorgen vor und legen Speck für harte Winter an. Nicht grundlos, wie Dohmen findet, denn was sei, „wenn die Gerichte Studiengebühren für verfassungswidrig erklären, die Hochschulen aber gegenüber den bereits eingestellten Professoren finanziell in der Pflicht stehen? Oder was passiert, wenn in NRW Rot-Grün regiert und die Gebühren abschafft?“

Auch Andreas Hoffjan spürt die Unsicherheit in den Hochschulen: „Das Beispiel Hessen, wo es inzwischen keine Gebühren mehr gibt, schreckt viele Hochschulen davon ab, in Wissenschaftsstellen zu investieren, die länger als zehn Jahre laufen“, erklärt der Lehrstuhlinhaber für Unternehmensrechnung und Controlling, der vor einem Jahr die Studie „Leuchttürme der Studienbeitragsverwendung“ erstellte.

Während Hochschulleitungen zu selten von der Möglichkeit der Preisdifferenzierung Gebrauch machten, um hier in den Wettbewerb untereinander zu treten, und meist unreflektiert 500 € einforderten, blockierten viele Studierende meist aus politischen Motiven von der Hochschule initiierte Projekte, bedauert Hoffjan.

Das Misstrauen wächst, wenn die Gebühren an den Studierenden vorbei geschleust werden. Hoffjan: „An einigen Hochschulen ist es üblich, Gelder umzuverteilen, so dass sie etwa in Begabtenstipendien fließen.“ Diese Mittel aber sollten von Unternehmen und Stiftungen kommen.

Probleme müssten offensiv kommuniziert werden, fordert daher Student Florian Keller. Die Studierenden müssten an Entscheidungen teilhaben. So wie an der Technischen Universität Braunschweig. „Noch nie haben wir gegen die Stimmen der Studierenden über eine Maßnahme entschieden“, berichtet Heike Faßbender, zuständige Vizepräsidentin für die Lehre. In dem Blog „Sag“s uns“ können Studierende Anregungen und Kritik einbringen. „Mit der Zeit verstehen sowohl die Studierenden als auch die Lehrenden, dass die Mittel aus Studienbeiträgen für sie da sind, und melden ihre Wünsche an. Auf diese Weise können wir hier viel bewegen.“

Was auf keinen Fall passieren dürfe, warnt Bildungsökonom Dieter Dohmen, sei der Rückzug der Länder aus der Hochschulfinanzierung. „Die Studiengebühren sind nicht dazu gedacht, unzureichende öffentliche Mittel aufzufangen. Man muss abwarten, ob die Hochschulen auf Dauer durch die Länder ausreichend grundfinanziert bleiben.“

Hier sei die Politik in der Pflicht, „die Finanzierung der seit Jahrzehnten unterfinanzierten Hochschulen deutlich zu verbessern und langfristig zu sichern“, forderte der Bildungsforscher Klaus Birkelbach gegen Ende letzten Jahres, nachdem er die Verwendung von Studiengebühren in NRW analysiert hatte. Vielleicht könne dann auf Studienbeiträge verzichtet werden. W. SCHMITZ

Von W. Schmitz

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