Hochschule

Startschuss für das Studium via Web

Zwölf Fachhochschulen in verschiedenen Bundesländern entwickeln Online- Studiengänge und bieten sie länderübergreifend an. Zum Wintersemester starten die ersten Studenten.

Von der guten Stube aus in die weite Welt zu surfen, gehört schon zum Alltag. Sich auf dem gleichen Weg weiterzubilden, ist dagegen noch eine Seltenheit. Immer mehr Hochschulen bieten virtuelle Angebote an. Meist sind es vereinzelte Seminare oder Module, die ins Netz gestellt werden. Komplette Weiterbildungsangebote mit Abschluss sind die Ausnahmen. Einer von vielen Ansätzen ist der Universitätsverbund MultiMedia in NRW, bei dem sich 15 Unis zu einem Kompetenznetzwerk zusammengeschlossen haben, um die Entwicklung neuer Medien in der Hochschullehre zu fördern. Dabei sollen die mediendidaktischen Konzepte einen breiten Einsatz bei den Studenten erreichen. Wie zum Beispiel beim gemeinsamen Projekt der Unis Hagen, Bochum und Dortmund, bei dem Laborversuche am Bildschirm ermöglicht werden sollen.

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt die „Virtuelle Fachhochschule“ (VFH). Die Idee: Zwölf Fachhochschulen aus Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern entwickeln gemeinsam Online-Studiengänge und bieten diese länderübergreifend an. Nach VFH-Angaben ein weltweit einzigartiges Modell. Drei Jahre wurde an der technischen, inhaltlichen und vor allem didaktischen Aufbereitung gearbeitet – jetzt haben sich zum Wintersemester die ersten 160 Studenten für den Bachelor-Studiengang Medieninformatik und Wirtschaftsingenieurwesen als Zusatzqualifikation für Ingenieure eingeschrieben.

Vor allem Berufstätige im Alter zwischen 25 und 35 Jahren hätten das Studium aufgenommen, erklärt Initiator Professor Dr. Rolf Granow von der FH Lübeck. Komplett auf sich allein gestellt sind die virtuellen Studenten am heimischen Computer allerdings nicht. Neben einer vorgeschriebenen 20 %igen Präsenzphase für Klausuren und Laborversuche können die Frauen und Männer ständig per E-Mail und Chat Kontakt untereinander und auch zu den Professoren halten. „Die persönliche Betreuung ist ein wichtiger Aspekt, um die Studenten bei der Stange zu halten“, so Granow. Für den Professor keine unpersönliche Kommunikation. Im Gegenteil: „Aufgrund der individuellen Ansprache baut sich ein sehr persönliches Verhältnis auf.“

Bisher ist das Studium via Web kostenlos. Lediglich die normale Studiengebühr und die Kosten für den Internetzugang fallen für die Online-Lernenden an. Doch dabei wird es nicht bleiben. Bereits im Sommer des kommenden Jahres soll eine Art „Mediengebühr“ von voraussichtlich 65 Euro pro Monat erhoben werden. Anders sei das Online-Studium nicht zu finanzieren, erklärt der Lübecker Professor, der gerade über einem EU-Antrag brütet. Aufgrund enger Kontakte der Lübecker Hochschule in den skandinavischen Raum plant Granow, gemeinsam mit einer schwedischen Hochschule einen Studiengang anzubieten. Dafür benötigt er eine Finanzspritze. Ohne staatliche Gelder ist die virtuelle Bildung an den Hochschulen nicht zu finanzieren. Für den Aufbau erhielt auch das VFH-Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung 42 Mio. DM.

„Beim E-Learning wird mit Kosten von bis zu 60 000 DM pro multimedial aufbereiteter Lernstunde gerechnet“, erklärt Professor Dr. Hans-Dieter Ruge von der FH Westküste (FHW) in Heide, der gerade eine bundesweite Umfrage zum Thema „Virtuelle Bildung“ abgeschlossen hat. Eines seiner Ergebnisse: „Weiterzubildende im Beruf sind die interessanteste Zielgruppe.“ Berufstätige haben nicht nur das größte Interesse an der virtuellen Bildung, sondern sind auch eher bereit, dafür zu bezahlen. Nach der FHW-Umfrage bis zu 500 DM pro Semester. Ruge: „Das geschätzte Marktpotenzial des E-Learnings in Deutschland liegt bei zirka 30 Mrd. DM.“ Der FHW-Professor ist davon überzeugt, dass auch die Hochschulen davon profitieren können, da sie aus seiner Sicht einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Bildungsanbietern haben. „Sie sind staatlich anerkannt und können zertifizierte Abschlüsse anbieten.“

Auch die Virtuelle Universität Schwerin (VirtUS) ist auf öffentliche Gelder angewiesen. Allerdings soll ein Teil der bisher noch nicht bezifferten Investitionskosten über Sponsorengelder aus der Wirtschaft aufgebracht werden. Zur Zeit ist VirtUS in der Planungsphase. Professor Dr. Reinhold S. Jäger, Leiter des Zentrums für empirische pädagogische Forschung der Uni Koblenz-Landau und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates von VirtUS, ist überzeugt, dass bereits Ende nächsten Jahres die erste grundständige virtuelle Universität Deutschlands an den Start geht. Anders als der VFH-Verbund, ist VirtUS keiner Hochschule angeschlossen und soll als Wirtschaftsunternehmen fungieren. Geplant ist eine Elitehochschule, für die 85 % der Studenten Schulgeld bezahlen und der Rest Stipendien erhält. Die Studieninhalte in Fächern wie Electronic Business, IT-Management oder Corporate & Strategic Planing, richten sich in erster Linie nach dem Bedarf der Wirtschaft. Trotz digital aufbereitetem und didaktisch fundiertem Lehrmaterial ist auch beim Schweriner Modell eine Präsenzphase geplant, um interkulturelle Kommunikation, Persönlichkeitsbildung und Managementfähigkeiten zu trainieren. VirtUS soll nicht nur wirtschaftsnah ausbilden, es bietet auch die Chance, die Rahmenbedingungen von Lernenden neu zu gestalten und zu optimieren. Jäger: „Eine Professionalisierung in dieser Hinsicht wird zu einer Weiterentwicklung an den Unis insgesamt führen.“ ANGELA SCHMID

Hintergrund

Immer mehr Studienagebote im Netz

Im vergangenen Jahr startete die Bund-Länder-Kommission (BLK) für Bildungsplanung und Forschungsförderung das Online-Informationssystem „Studieren im Netz“. Es soll als zentrale Anlaufstelle für Studierende, Abiturienten oder Hochschullehrer dienen, die sich einen Überblick über das Online-Angebot von Hochschulen im Web verschaffen wollen. 1520 Bildungsangebote von Universitäten und 375 von Fachhochschulen sind dort zur Zeit aufgelistet. Tendenz steigend. „Die globale Entwicklung gibt das Tempo vor“, so Redaktionsleiter Folker Schröderl. In Ländern wie England, China, Kanada und Skandinavien sei die virtuelle Hochschule weiter vorangeschritten. Neben der Suche im Web gibt die BLK jetzt auch einen kostenlosen Newsletter heraus, der rund um das Online-Studium informiert.

Von Angela Schmid

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