Hochschule

Staatsquote wird durch Spin-off gesenkt

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat die TU München und die (Fach-)Hochschule Bremen zu „best practice-Hochschulen 2000“ im Inland gekürt. Sie gelten als Beispiele für marktgerechtes Anpassungsvermögen.

Ein gutes Drittel ihres Jahreshaushaltes von 1,6 Mrd. DM erwirtschaftet die Technische Universität München (TUM) im Wettbewerb um Aufträge, Fördermittel, Spenden und Sponsoren. Das ist unter den deutschen Hochschulen, deren Finanzen traditionell aus der Staatskasse stammen, eine Spitzenleistung. Im europäischen Vergleich wird sie jedoch noch weit überboten: Die englische Universität Warwick etwa, eine der fünf besten auf der Insel, erzielt zwei Drittel ihrer Einnahmen als Anbieter im Markt für Ausbildung, Forschung und Entwicklung – eine nachhaltige Auswirkung der Modernisierungspolitik von Margaret Thatcher, die die staatliche Versorgung der Hochschulen radikal beschnitten hat.
Von Beispielen für die Existenzsicherung durch Eigeninitiative zu lernen, ist heute für alle deutschen Hochschulen überlebenswichtig. Denn die staatlichen Geldzuwendungen stagnieren oder gehen gar, wie beispielsweise in Berlin, zurück. Seit nunmehr fünf Jahren predigt das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), eine Tochter der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz, die notwendige Emanzipation vom „Vater Staat“ vorwiegend anhand ausländischer Musterfälle. Jetzt hat das CHE die TUM und die (Fach-)Hochschule Bremen zu „best practice-Hochschulen“ im Inland gekürt. Die Bremer konnten die Staatsquote an ihrem Haushalt von 100 % auf 79 % senken die restlichen 21 % sind „verdientes Geld“, wie Rektor Ronald Mönch bei der Auszeichnung hervorhob.
Der Erfolg beruht auf einer fortlaufenden Anpassung der Tätigkeitsschwerpunkte an die Nachfrage. Seit 1980 hat die Hochschule Bremen 20 neue Studiengänge eingerichtet und damit die Studentenzahl auf 6500 verdoppeln können. Eine Pensionierungswelle unter den Professoren der ersten Stunde (1979) erlaubte es, bislang rund die Hälfte aller Wissenschaftlerstellen in neue Arbeitsgebiete zu verlagern. Eine jüngere Frucht: Das Institut für Aerospace-Technologie. Seit seiner Gründung 1996 entstanden sechs private Spin-off-Unternehmen. Das Mutter-Institut profitiert davon in gemeinsamen Projekten der Forschung und Vermarktung.
Die TUM gab erst kürzlich ein Musterbeispiel für marktgerechtes Anpassungsvermögen und damit ihre Fitness: Nach nur einem halben Jahr Gremienarbeit widmete sie mit einem Beschluss gleich zehn Lehrstühle um, hauptsächlich zugunsten der Informatik und einer neuartigen wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät für angehende „Diplom-Kaufleute technischer Richtung“.
So rasche und weittragende Entscheidungen über Vor- und Nachrangigkeiten sind nach aller Erfahrung in traditionell geführten Hochschulen kaum möglich. Das von vielen Professoren gern beschworene „Kollegialitätsprinzip“ besagt, dass „Kollegen sich nichts tun“. Überdies besteht für alle Vertretungen in der Gruppen-Universität (die Hochschullehrer, das wissenschaftliche sowie das sonstige Personal) die ideale Problemlösung in der Besitzstandswahrung.
Die TUM hat ihre gesamte Gremienstruktur gründlich reformiert und beispielsweise den „Großen Senat“ abgeschafft. Die neue Hochschulleitung besteht aus dem Präsidenten, seinen Vizes und dem Kanzler. Die Dekane der einzelnen Fachbereiche werden im Einvernehmen mit diesem Führungskreis gewählt und können von Fall zu Fall darin mitberaten. Ein „Verwaltungsrat“ aus neun Hochschulmitgliedern und acht „Hochschulräten“ von außen – darunter etwa der Siemens-Chef Heinrich von Pierer – wachen wie der Aufsichtsrat einer Firma über das operative Geschäft der Hochschulleitung und legen die Entwicklungsziele des Unternehmens Hochschule fest.
Die neue Steuerung der TUM beruht auf einem klaren Überblick über die laufende Geschäftstätigkeit, auf einer EDV-gestützten Kosten- und Leistungsrechnung mit monatlichen Finanzberichten (über Mieten, Heizungs- und Personalkosten und neu eingeworbene Mittel eines Lehrstuhls) und halbjährlichen Leistungsberichten (etwa über Veröffentlichungen, Examina). Für die meisten anderen Hochschulen ist das noch Zukunftsmusik. Die TUM verteilt die Mittel für Forschung und Lehre nach klar definierten Leistungsparametern (Schlüsseln), ohne weitere Diskussion, Ausreden und Kungelei.
Wesentliches Element des Münchener und Bremer Hochschulmanagements sind Zielvereinbarungen nach dem Modell der Privatwirtschaft und moderner öffentlicher Verwaltung. Sie werden wie Verträge zwischen der Leitung und den Fachbereichen, diesen und den Lehrstühlen, Vorgesetzten und Mitarbeitern ausgehandelt. So lassen sich die Aufgaben und Erwartungen von der obersten bis zur untersten Ebene am ehesten aufeinander abstimmen. Die konsensuale Zielbestimmung fördert nicht zuletzt das Arbeitsklima und die Arbeitsmotivation, also die Grundvoraussetzungen des wissenschaftlichen und unternehmerischen Erfolgs.
HERMANN HORSTKOTTE
Transparente Strukturen: Die Technische Universität München (TUM) – hier ein Blick auf die Hochschulstraße in der Fakultät für Maschinenwesen – orientiert sich am Modell der Privatwirtschaft.

Von Hermann Horstkotte

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