Hochschule

SPD-Traum von zehn Elite-Schmieden

VDI nachrichten, Düsseldorf, 9. 1. 04 -Mit einem zögernden „Ja“ reagieren die Leiter führender Technik-Hochschulen auf die Pläne der SPD, zehn Elite- Universitäten einzurichten. Durch finanzielle Unterfütterung des bereits bestehenden Wettbewerbs zwischen den Hochschulen wäre mehr geleistet als mit neuen Konzepten.

Man kann die jüngsten Bildungspläne der SPD-Führung als längst überfällige Offensive bezeichnen, man kann sie auch als „reine Hochstapelei“ oder „Lippenbekenntnis“ abtun, wie es die CDU formuliert. Eines aber haben sie auf jeden Fall bewirkt: Die Debatte um zehn mehr oder minder detailliert geplante deutsche Elite-Universitäten ist aufs Heftigste entbrannt. Und wieder sind die USA das Maß aller Dinge.
Elite-Hochschulen wie Stanford oder Harvard ließen sich nicht über Nacht aus dem Boden stampfen, wenden Kritiker ein. Überhaupt ginge man bei dem Vergleich Deutschland/USA von vollkommen unterschiedlichen Voraussetzungen aus, bemängelt nicht nur Prof. Kurt Kutzler, Präsident der TU Berlin. „Die Stanford University hat einen Etat von 2 Mrd. Dollar. Solche Töpfe kennen wir in Europa nicht.“ Deutschland könne allerdings mit dem Pfund einer weitaus leistungshomogeneren Hochschullandschaft wuchern. Kutzler: „Wenn wir mehr Geld im System hätten, könnte die Qualität in Spitze und Breite noch besser sein.“ Das für Vorzeige-Unis geplante Geld, das auf Wunsch des Bildungsministeriums zu etwa zwei Dritteln aus der Wirtschaft kommen soll, wäre am besten im Wettbewerb der bereits existierenden Hochschulen aufgehoben, „in die jeweils besten Köpfe und Projekte“.
Als „durchaus sinnvoll“ bezeichnet Prof. Burkhard Rauhut die Diskussion um Elite-Universitäten. Der Rektor der RWTH Aachen zählt seine Hochschule bereits zum Kreis der weltbesten Ausbildungsstätten. Diese Position ließe sich angesichts der teuren Ausstattung für die Ingenieurwissenschaften mittelfristig nur über eine intensivere Finanzierung halten. Rauhut darf hoffen. Neben der TU München wird die RWTH als eine der technisch orientierten Hochschulen unter den zehn Elite-Universitäten gehandelt.
Bei welchem Namen man das Kind auch nennen mag – an wissenschaftlichen Leuchttürmen kommt Deutschland nicht vorbei, meint Prof. Hanns H. Seidler, Kanzler der TU Darmstadt. „Bei der Entstehung des europäischen Hochschulraums, der von Lissabon bis Wladiwostok reicht, wird es sich um ein sehr differenziertes Gebilde handeln, in dem nur wenige deutsche Hochschulen tatsächlich international sichtbar sein werden.“ Auch die TU Darmstadt werde nicht auf allen Gebieten zur Spitze zählen können. „Es geht darum, die Stärken zu stärken. Dabei sehe ich die interessantesten wissenschaftlichen Entwicklungen nicht in den Grenzen der herkömmlichen Disziplinen, sondern auf den Grenzgebieten, wie etwa in der Bionik oder Mechatronik.“
Die privaten Universitäten werden in Darmstadt oder Berlin kaum als ernsthafte Konkurrenz betrachtet. Aufwändige Studiengänge wie die Ingenieurwissenschaften könnten sich die Privaten nicht leisten. Dr. Fritz Schaumann sieht dies naturgemäß anders. „Als ich erstmals von der Diskussion um Elite-Unis hörte, dachte ich: Das gibt“s ja schon, und zwar bei uns, bei der International University Bremen.“ Durch ein sehr komplexes Auswahlverfahren der Studenten, die Erhebung von Studiengebühren, an denen Elite-Hochschulen letztlich nicht vorbei kämen, hohe Interdisziplinarität und durch eine gute Betreuungsrelation (auf einen Wissenschaftler kommen acht Studenten) seien die wesentlichen Ansprüche an eine Elite-Uni in Bremen erfüllt, meint der IUB-Präsident. „In 20 Jahren wollen wir zu den besten Hochschulen der Welt gehören“, legt Schaumann die Messlatte hoch.
Aber was ist mit den Fachhochschulen? Werden sie im Schatten der „Großen“ zu Mauerblümchen? Für Prof. Joachim Metzner, Rektor der FH Köln, lauert hinter dem Elite-Gedanken ein „staatliches Sparunternehmen“: „Es käme billiger, wenige Elite-Universitäten ins Leben zu rufen als für angemessene Studienbedingungen an den meisten Hochschulen zu sorgen.“ Das aber müsse das Ziel sein. Wenn schon mit dem Wörtchen „Elite“ jongliert werde, warum dann vor allem im Namen der Forschung und nicht auch im anwendungsbezogenen Sinne? „Man sollte die Politik daran erinnern, dass 80 % der deutschen Ingenieure von den Fachhochschulen kommen.“ Wenn diese von der Elite-Diskussion ausgeklammert würden, wären die Unternehmen letztlich die Verlierer.
Wer sich zur Elite zählen darf, darüber entscheiden nicht zuletzt die Studierendenströme aus dem In- und Ausland, die sich am Ruf der Hochschulen orientieren, sowie der Erfolg bei der Einwerbung von Drittmitteln. Worum es letztlich geht, bringt Christiane Ebel-Gabriel, Generalsekretärin der Hochschulrektorenkonferenz, auf den Punkt: „Deutschland braucht wissenschaftliche Elite, aber nicht unbedingt eine Elite-Universität.“W. SCHMITZ

Von Schmitz

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