Bundesfinale

Solar-Mobil-Wettbewerb für Kinder und Jugendliche

Strahlender Sonnenschein beim Bundesfinale des Solar-Mobil Wettbewerbs. Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland sind mit selbst gebastelten Solarflitzern auf den stillgelegten Flughafen Berlin Tempelhof gekommen – und liefern sich echte Kopf- an Kopfrennen. Der Qualitätssprung der Fahrzeuge trifft die Veranstalter VDE und BMBF unvorbereitet

Autsch. Bis jetzt hat die Startnummer 5 gut mitgehalten. Sogar einen der Vorläufe hat das „rasende Bettgestell“ gewonnen. Doch jetzt sind alle Chancen dahin. Gleich mehrere der hauchdünnen, polykristallinen Solarzellen auf dem Flitzer sind beim Wendeanschlag zu Bruch gegangen. Für die 13-jährigen Konstrukteure Louis Ryll und Jonas Hempe endet das Bundesfinale des Wettbewerbs SolarMobil im Hoffnungslauf der Ultraleichtklasse A.

Wie den jungen Frankfurtern ergeht es einer ganzen Reihe der insgesamt 26 Teams, die sich vor dem gewaltigen Hangar 2 des stillgelegten Flughafens Berlin Tempelhof auf der 5 m langen, blendend weißen Rennbahn messen. Drinnen stellen Aussteller einer Messe alle erdenklichen Elektrofahrzeuge aus. Hier draußen feuert der Nachwuchs seine Version der Elektromobilität an: kleine, maximal 40 cm lange, 20 cm breite und 30 cm hohe Solarflitzer Marke Eigenbau.

Solar-Mobil-Wettbewerb: 26 Teams gehen mit ihren Solarflitzern an den Start

Neun Teams ringen um die Krone der Ultraleichtklasse A für Schüler von der vierten bis zur achten Klasse. Die Größeren treten in Ultraleichtklasse B an, wo ein Teil der Strecke von einem Tunnel überdacht ist. Dafür dürfen sie kleine Kondensatoren, kaum größer als eine Erbse, als Zwischenspeicher für den Solarstrom verwenden.

Die Kleinen starten ohne Energiespeicher und Tunnel. Ohne die bremsende Abdeckung ist es jetzt, in der heißen Mittagssonne fast noch schwieriger für die Teams. Besonders heikel: die Wendemanöver. Dabei prallen die Modellflitzer am Ende der Rennbahn an eine Bande. Die Aufprallenergie übertragen Gestänge an den Fahrzeugen auf Schalter oder Taster und verändern so die Laufrichtung der Elektromotoren. Doch es ist knifflig, das richtige Maß zu finden. Manche Teams federn den Anschlag mit Schwammstücken oder Schaumstoff an der Fahrzeugfront ab. Andere nutzen Federn. Doch immer wieder hebt es Fahrzeuge beim Anprall aus ihrer Führungsschiene. Und das, obwohl die jungen Tüftler rund um die Bahn postiert stehen und ihre Flitzer mit Argusaugen verfolgen.

Das tun jetzt auch Oliver Pienkny (12) aus Chemnitz und die beiden Frankfurter Shawn Belzer (14) und Oliver Georg (15). Beide Teams setzten auf Minimalismus: Bodenplatte mit Solarzellen drauf und vier Räder. Sonst nichts. Pienknys Auto setzt sich nach dem Start ab. Doch Meter für Meter holt Frankfurt auf. Die Menge johlt. Die Wende gelingt beiden. Mitte der Rückfahrt liegen sie gleichauf. Erst Zentimeter vor dem Ziel holt das etwas flachere Modell von Belzer und Georg den Sieg. Ein Fotofinish.

Solar-Mobil-Wettbewerb: Belzer und Georg holen den Sieg im Fotofinish

Die Zwei führen ihren Halbfinaleinzug auf strenge Diät zurück. „Nur noch 244 Gramm“, sagt Belzer mit Blick auf sein Minimal-Mobil. Letztes Jahr habe es noch mehr als doppelt soviel gewogen. Es trudelte statt zu flitzen und schied im ersten Vorlauf aus. Nun haben die zwei aufgerüstet. Stolz zeigen sie ihre nagelneuen Flugzeug-Modellbauräder, Carbon-Achsen und sieben maximal 0,5 mm dicke Solarzellen, die sie auf einer durchlöcherten Sperrholzplatte verlötet haben. „Sieben mal 0,5 Volt, macht 3,5 Volt“, berichtet Georg routiniert. Bei Stromstärke und Motorleistung muss er allerdings passen.

Ihre dünnen Solarzellen werden später auch diesem Duo aus Frankfurt zum Verhängnis. Bei einer Wende im Halbfinale zerbrechen vier von ihnen. Die Teams müssen taktieren. Wer zu weich anprallt, verliert unnötig Energie. Wer es auf die harte Tour versucht, setzt wie die Teams aus Frankfurt sein Fahrzeug aufs Spiel. Die Hessen haben allerdings noch ein heißes Eisen im Rennen. Bei den Vorläufen der Älteren ist der 16-Jährige Christian Oesterreich in die Favoritenrolle fürs Finale gefahren. Zwar war es hier und da knapp, doch letztlich konnte ihm kein Gegner das Wasser reichen.

Auch Oesterreich hat im Vorjahr dazu gelernt. Damals war der bekennende Technikfreak mit einer Art rollender Zigarrenkiste am Start. Nun ist er auf Styrodur umgestiegen. „Ist zwar nicht so umweltverträglich wie Holz, aber hier im Rennen wird Schnelligkeit eben höher bewertet als Ökologie“, rechtfertigt er seine Materialwahl. Er hätte lieber mit Holz weiter gearbeitet. Doch der Ehrgeiz hat ihn gepackt. Diesmal rechnet er sich Chancen auf Platz 1 aus, für den immerhin 200 € Preisgeld ausgelobt sind.

Der Solar-Mobil-Wettbewerb weckt den Ehrgeiz der kleinen Konstrukteure

Der junge Konstrukteur hat in seiner Freizeit lange getüftelt und ist nun mit ausgereifter Technik am Start. Keine 140 g wiegt das Styrodurbrett auf Rädern, wobei allein die zwei 3-Volt-Elektromotoren 90 g auf die Waage bringen. „Ich betreibe sie im Peak-Bereich bei 4 Volt“, erklärt er. Auf der kurzen Strecke sei das kein Problem. Ihr Moment übertragen die Motoren direkt auf die Naben der Vorderräder, die keine Achse verbindet. Hinten setzt Oesterreich eine kugelgelagerte Carbonachse ein. Auch der Dorn, der den Flitzer in der Führungsschiene auf Kurs hält, ist kugelgelagert, um die Reibung zu minimieren.

Strom erzeugen acht federleichte Dünnschicht-Solarmodule mit 499 cm² Gesamtfläche. „Erlaubt sind 512 cm²“, sagt Oesterreich. Fast optimale Regelausschöpfung also. Daneben hat er besonders auf die Verkabelung geachtet. Nachdem er letztes Mal mit Wackelkontakten zu kämpfen hatte, setzt er nun auf Steckverbinder. „Das hat zusätzlich den Vorteil, dass ich sämtliche Komponenten zügig austauschen kann. Der Aufbau ist komplett modular“, erklärt er.

Härtester Konkurrent im Finale ist das Team „SunStar“ aus Kassel. Christian Lottis (15) und die 16-jährigen Jannis Umbach und Leonhard Lentz haben im internen Wettbewerb ausgewählt, mit welchem Fahrzeug sie starten. „Wir haben jeder eines gebaut, uns dabei gegenseitig geholfen, und dann geschaut, welches das schnellste ist“, erklärt Lottis. Die Wahl fiel auf seines. Doch am Tag der regionalen Ausscheidung lag er krank im Bett. Er geht nun als freier Starter ins Rennen und hat das Feld von hinten aufgerollt. Während so manches der 17 Teams seiner Altersklasse mit Achsenbrüchen und beschädigten Solarzellen ausschied und reihenweise Fahrzeuge bei der Tunneldurchfahrt schlapp machten, gewann der flinke SunStar einen Vorlauf nach dem anderen.

Die Konstruktion ähnelt dem Frankfurter Sprinter. Auch der Kasseler Sonnen-Star basiert auf einer Styrodurplatte. „Ein Baustellenrest, den wir aus dem Container gefischt haben“, betont Lottis. Auch hier: Carbon-Achsen und leichte Modellbauräder. Allerdings hat das Trio keine Kugellager und es setzt auf ein Getriebe, welches das Drehmoment des 6-Volt-Motors mit einer Übersetzung von 20 zu 10 auf die Achse überträgt. „Wahlweise können wir auf 30 zu 10 wechseln“, erklärt Umbach, der Maschinenbauer im Team. Wie Lottis, der sich auf die Elektrotechnik spezialisiert hat, besucht er ein Technisches Gymnasium. Experten also. Doch sie haben fast 90 cm² weniger Solarfläche und 40 g mehr Gewicht an Bord als der Frankfurter Konkurrent. Wird das reichen?

Der Showdown beginnt um 15.30 Uhr. Im ersten Lauf hat Oesterreich den besseren Start und setzt sich klar durch. „Frankfurt!…Frankfurt!“, dröhnt es aus der dicht gedrängten Menge. Beim zweiten Start dann ein Missgeschick. Frühstart, bei dem sich zu allem Überfluss eine Radaufhängung am Frankfurter Styrodur-Renner löst. Wie von der Tarantel gestochen flitzt Oesterreich zum Werkzeuglager, um den Schaden zu beheben. Als er nach zwei Minuten nicht zurück ist, wird die Rennleitung ungeduldig. Der Moderator zählt von zehn runter. Bei zwei steht der Gehetzte wieder an der Strecke. Die Fahrzeuge sind in Position, die Startfahne wird geschwenkt, und wieder setzt sich Oesterreichs Wagen ab. Doch an der Wende hat SunStar fast aufgeschlossen. Auf dem Rückweg liegen sie gleich auf – und schlagen nach nicht einmal 10 s gleichzeitig an der Zielwand an. Ratlosigkeit. Die Anfeuerungen sind verstummt. Viele haben Oesterreich einen Wimpernschlag vorn gesehen.

In der Rennleitung ist das Votum unentschieden. Der zweite von drei Finalläufen muss wiederholt werden. Oesterreich, der schon gejubelt hatte, ist sichtlich angegriffen. Er weiß, dass sein Sieg nun auf Messers Schneide steht – die Radaufhängung macht nicht mehr mit. Im Wiederholungslauf löst sich das Rad nach der Wende. Im dritten Lauf ist alle Luft raus. Der Favorit trudelt ins Ziel. Sein Besitzer kann es nicht fassen.

Dagegen brandet im Kasseler Lager Jubel über den unerwarteten Doppelsieg auf. „Was bringt das schnellste Auto, wenn es nach zehn Metern auseinanderfällt“, kommentieren die Sieger süffisant. Sie hätten schwerer aber eben auch stabiler gebaut. Und in der Formel 1 zähle ja auch nicht bloß das Tempo sondern auch die Zuverlässigkeit.

Solar-Mobil-Wettbewerb: Rennleiter des VDI-Technologiezentrums von Qualität überrascht

Rennleiter Jörg von Livonius vom VDI Technologiezentrum, das den Wettbewerb für das Bundesministerium für Bildung und Forschung austrägt, hat das Niveau der Fahrzeuge überrascht. „Das war im Vergleich zum letzten Jahr ein Riesensatz nach vorn“, staunte er. Viele Rennen seien derart knapp verlaufen, dass eine Neuerung fürs nächste Mal schon jetzt beschlossen sei: „Wir müssen uns definitiv um eine Zielkamera kümmern.“ 

Von Peter Trechow

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