Technikunterricht

Schulbildung auf neuen Pfaden  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 7. 12. 07, ws – Altbackene Unterrichtskonzepte verhinderten in der Vergangenheit einen spannenden naturwissenschaftlichen Unterricht, meinen Bildungsfachleute. Aber nicht nur Lehren und Lernen stehen in der Kritik, auch die Bildungswege seien von anno dazumal.

Wolfgang Marquardt redet Tacheles: Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Studienanfänger seien unzureichend, ohne zusätzliche Angebote der Hochschule seien die Wissenslücken nicht zu schließen. „Die Vorkenntnisse der Erstsemester sind nicht besser geworden. Es gibt Kollegen, die glauben, dass der Trend eher nach unten geht.“

Der Professor für Verfahrenstechnik an der RWTH Aachen ist jedoch weit davon entfernt, die Schuld etwa bei den Schulen zu suchen. „Ich vermute, das ist ein gesellschaftliches Problem. Ab einer bestimmten Lebensphase, meist während der Pubertät, nimmt das Interesse an Technik und Naturwissenschaften ab.“

Eine These, der Joachim Lerch vom „Förderverein Science und Technologie“ ohne Wenn und Aber zustimmt. Während der Pubertät seien junge Meschen großen Stimmungsschwankungen ausgesetzt. „Weil naturwissenschaftlicher Unterricht früher oft erst hier eingesetzt hat und meist sehr theoretisch war, ging das Interesse wenige Wochen nach Beginn des Physik- oder Chemieunterrichts rapide zurück.“

Junge Frauen distanzieren sich in diesem Alter stärker von der Technik als ihre männlichen Altersgenossen. Schülerinnen, so weiß man im Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit, nehmen den Mangel an Frauen in „männertypischen“ Berufen wahr und schätzen ihre Chancen als unsicher ein. Entsprechend ist das Interesse in der Schule.

Bernardo Wagner, Leiter des Zentrums für Didaktik der Technik an der Uni Hannover, findet ein weiteres Haar in der Suppe: „Für viele junge Menschen sind die Inhalte eines Studiums weniger bedeutend als die Abschlüsse. Dabei ist das entscheidend, was man lernt, und nicht, ob es sich um einen Bachelor oder ein Diplom handelt.“

Auch Lutz-Helmut Schön, Physikdidaktiker an der Humboldt-Uni in Berlin, nimmt die Schulen aus der Schusslinie. Die Aufmerksamkeit der Lehrer für naturwissenschaftliches Forschen steige in den letzten Jahren spürbar.

„Sinus“ und sein Nachfolgeprogramm „Sinus Transfer“ zur Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts sowie die Initiativen „PiKo“, „Bik“ und „Chik“, die ebenfalls Interesse an naturwissenschaftlichen Phänomenen wecken und technische Zusammenhänge verdeutlichen sollen, zeigten jetzt Wirkung. Schön: „Besonders effizient ist die neue Lehr- und Lernkultur, die durch die Sinus-Lehrerfortbildung ins Rollen gebracht wurde. Früher war der Austausch unter Lehrern nahezu tabu, heute gehört das miteinander Reden zum schulischen Alltag.“

Weiterer wichtiger Baustein sei die Förderung der Lesekompetenz, denn die wirke sich auf alle Fächer aus. Wer Sinn und Inhalt einer Mathematikaufgabe nicht verstehe, könne sie nicht in Formeln übertragen. Auch diesem Bereich habe sich die Lehrerausbildung inzwischen erfolgreich angenommen.

Darüber hinaus sei auch ein neues Verständnis des naturwissenschaftlichen Unterrichts vonnöten, fordert Joachim Lerch. Schule müsse den Stoff reduzieren und „ent-mathematisieren“, da sie die heutige Komplexität von Naturwissenschaften und Technologien nicht mehr abbilden könne. Lerch: „Schule sollte sich darauf beschränken, Grundwissen zu vermitteln. Es geht mehr um das ,Wie“ als um das ,Was“.“

Es dreht sich aber – nimmt man etwa die Ergebnisse der Pisa-Studien zum Maßstab – auch um das „Wer“. Denn wie die jüngste Erhebung gezeigt hat, bietet sich in Deutschland bei der sozialen Auslese der Schüler noch immer ein trostloses Bild. Laut Pisa-Auswertung hat ein Kind aus der Oberschicht heute eine 2,2 mal höhere Chance, das Gymnasium zu besuchen, als ein gleichintelligentes Facharbeiterkind. Dank Pisa werde hierzulande nicht nur über Unterrichtsinhalte gesprochen, sondern auch über Strukturen, betont Heike Solga, Leiterin der Forschungsabteilung „Ausbildung und Arbeitsmarkt“ am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) in Berlin, – und erteilt dem dreigliedrigen Schulsystem eine deutliche Absage.

Die Begründung für das dreigliedrige Schulsystem werde nicht nur „begabungstheoretisch“ abgeleitet, sondern auch vom Arbeitsmarkt. Solga: „Für den Facharbeiter ist die Hauptschule da, für den Ingenieur das Gymnasium. Dahinter steht immer der Versuch, eine Balance zu halten zwischen Angebot und Nachfrage.“ Das aber funktioniere nicht mehr. „In anderen Ländern wird Bildung als individueller Prozess verstanden, der zunächst nicht auf die Verwertbarkeit für den Arbeitsmarkt hinterfragt wird.“

In Deutschland entscheide die Geburt über die Karrierewege. „Wenn man sich einmal auf einem Bildungspfad befindet, kommt man von diesem schlecht wieder herunter. Wir sollten aber die Bildungswege so lange wie möglich offen halten. Es muss jederzeit möglich sein, die nächsthöhere Ausbildung anzustreben.“

Wichtigste Aufgabe des Bildungssystems werde sein, das bisher so vorbildliche mittlere Qualifikationsniveau mit der dualen und vollzeitschulischen Ausbildung zu halten, die Bildungskarrieren aber durchlässiger zu machen.

Statt eines Unterrichts, der sich am Durchschnitt orientiere, sei eine „Pädagogik der Vielfalt“ gefragt. „Würden die Lehrer so ausgebildet, dass sie mit Heterogenität umgehen könnten, könnten wir unser System den vielschichtigen Anforderungen anpassen.“ Dabei unterrichte nicht allein der Lehrer, sondern auch der stärkere Schüler den schwächeren. ws

Von Wolfgang Schmitz

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