Nachwuchsförderung; Technikunterricht 02.05.2008, 19:34 Uhr

Schulausflug ins Abenteuer Technik  

„Ich will Ingenieurin werden.“ Die Junior-Ingenieur-Akademie der Deutschen Telekom-Stiftung ermöglicht Schulen und Schülern, tiefer ins Dickicht von Ingenieurausbildung und -beruf vorzudringen. Palak ist Beispiel dafür, dass das Konzept greift.

Wer Jugendliche für den Beruf des Ingenieurs oder Forschers begeistern will, muss sie früh ansprechen. Die Junior-Ingenieur-Akademie der Deutschen Telekom-Stiftung richtet sich deshalb bereits an 15-jährige Jungen und Mädchen. Es ist die Praxisnähe, die das Angebot im Wahlpflichtbereich für die Jugendlichen so spannend macht. Sie bauen Roboter, schmieden Kunstwerke oder planen und bauen ein Solarboot.

Wenn Schulen die Junior-Ingenieur-Akademie in ihre Pläne einbauen wollen, müssen sie ein Konzept erarbeiten und vor allem bereit sein, mit außerschulischen Partnern zu kooperieren. Das können Fachhochschulen wie Universitäten und Firmen sein.

Der Einsatz lohnt sich. Die ersten Absolventen hielten vor einigen Wochen die Abschlusszertifikate in Händen. Sie erhielten noch vor der Oberstufe Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten und erhielten Unterstützung bei der Berufsorientierung. Die Schüler und Schülerinnen lernen sowohl in der Schule als auch themenabhängig an der Fachhochschule oder in Betrieben über zwei Schuljahre hinweg.

Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutschen Telekom-Stiftung, nennt die Angebote der Akademien „Sahnehäubchen“ im schulischen Alltag. So baut eine Gruppe mit rund 20 Schülern des Gymnasiums Nonnenwerth bei Remagen mit ihrem Fachlehrer Guido Müller ein Solarboot. Ein Mammutprojekt. Im normalen Fachunterricht wäre es weder finanziell noch zeitlich zu bewältigen.

Die Akademie führt Guido Müller im Wahlpflichtfach Naturwissenschaften durch. Robotik stand im ersten Halbjahr der 9 c auf dem Stundenplan. Die Schüler lernten die Funktionsweise von Licht-, Temperatur-, Bewegungs- und Ultraschallsensoren. Unterstützung erhalten die „Ingenieure auf Zeit“ von der Remagener Werft.

Die Zeit drängt, weil das Boot beim Solarcup 2008 auf der Mosel präsentiert werden soll. Und der Druck steigt, weil es, wie in anderen Fächern auch, Noten für das Geleistete gibt. Das theoretische Wissen wird über Klausuren abgefragt oder über Ergebnisse aus verschiedenen Wettbewerben dokumentiert.

Wer Palak und Dennis, beide 15 Jahre alt, in der Planungsphase am Zeichentisch in der Werft über die Schulter schaut, bekommt ein Bild davon, was die Jugendlichen verstehen und umsetzen müssen: Wie ist der beste Fahreffekt zu erzielen? Wo finden die Passagiere im Boot Platz? Und wo können die Solarzellen am besten montiert werden?

Werft-Geschäftsführer Rainer Ritzdorf trägt mit seinem Wissen zum Gelingen des Projekt bei. An der Akademie wirken auch die Bonner Solarworld AG sowie Torqueedo, Lieferant von Motoren und Akkus, mit.

Das Gymnasium Nonnenwerth erhält über zwei Schuljahre etwa 30 000 €. Trotz Fördermittel gilt es, auf die Wirtschaftlichkeit des Projektes zu achten und gute Konditionen mit den Lieferanten auszuhandeln.

Wer davon ausgeht, dass sich die Akademie nur an Hochbegabte richtet, liegt falsch. „Die Schülergruppe ist gemischt“, unterstreicht Lehrer Müller. „Die Akademie spricht die breite Masse an, vor allem auch Mädchen.“

Das Gymnasium Nonnenwerth bei Remagen ist die bundesweit fünfte Schule, die eine Akademie der Telekom-Stiftung aufgebaut hat. Zwei weitere entstanden in Bremen und eine in Duisburg. Im Januar 2008 erhielten die ersten Absolventen an der Jugenddorf Christophorusschule in Königswinter bei Bonn Abschlusszertifikate.

Die Initiative wird immer bekannter. Andere Stiftungen übernähmen in modifizierter Form das Modell, berichtet Geschäftsführer Ekkehard Winter.

Mit Personalrekrutierung für Telekom habe das Projekt nichts zu tun, betont Winter. „Das sieht man an den Themen. Wir machen keinerlei Vorgaben. Natürlich könnte es sein, dass sich eine Akademie auch mal der Informations- und Kommunikationstechnologie widmet. Faktisch aber haben wir Themen von Gießereitechnik bis Robotik.“

Für die beiden „Solarboot-Ingenieure“ Palak und Dennis jedenfalls haben sich neue Horizonte eröffnet. Palak will Ingenieurin werden. Dennis hat die Akademie für das interessanteste Angebot im Wahlpflichtbereich gehalten. Das Praktische hat ihn angezogen. Eine Zukunft als Ingenieur ist nicht ausgeschlossen. INES GOLLNICK

 

Ein Beitrag von:

  • Ines Gollnick

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