Technikunterricht

Schüler philosophieren über Technik

Fünf Tage lang suchten sie in Theorie und Praxis den Zusammenhang zwischen Technik und Philosophie. Mit Experten diskutierten Lehrer und Schüler schließlich unter dem Motto „Die Wirklichkeit reicht uns nicht mehr !?“

Für die Schüler ist es eine Reise durch die Zeit: Sie haben sich mit der Urproduktion beschäftigt, die Umbrüche durch die industrielle Revolution kennengelernt, und schließlich sind sie bei der rasenden Entwicklung der Informationstechnologien angelangt. An traditionsreicher Stelle, umgeben von früher technischer Produktion, sind vier Lehrer und rund 50 Schüler im Rheinischen Industriemuseum dem Verhältnis zwischen Mensch und Technik auf der Spur. Auf großen Stellwänden schreiben sie Eindrücke und Ergebnisse nieder: „Wer wird wen beherrschen?“, fragen sie und plazieren die Begriffe „Mensch“ und „Technik“ in zwei Waagschalen. „Wir sind nicht allein, die Technik ist unter uns: In der Disko, im Kino, auf der Straße…“, stellt eine weitere Äußerung fest. Neugierde habe man wecken, vermeintlich komplizierte Zusammenhänge anschaulich darstellen wollen, sagt Lehrer Thomas Möllers und bilanziert: „Wir konnten den Eindruck aufbrechen, daß Technik eine reine Expertenwelt ist.“ In einem Fragebogen hat er die Meinung der Schüler eingeholt: Die Praxisarbeit am Computer heben die meisten Schüler als besonders spannend hervor, dann folgen die Betriebsbesichtigung und der kreative außerschulische Lernort. Einige aber sind doch enttäuscht: „Mehr Philosophie“ hätte sich Sylvia DeRosa (20) gewünscht und hofft auf die abschließende Podiumsdiskussion mit dem Philosophie-Professor Heiner Hastedt, mit Friedrich Rapp, emeritierter Professor für Technikphilosophie, und mit dem Psychologen Wolfgang Loth.
Philosophielehrer Stefan Maeger hat Fragen gesammelt, die auch die Schüler eindringlich beschäftigen: Digitale Bildbearbeitung, Reality-TV, virtuelle Welten im Internet – das sei technischer Fortschritt, der es immer schwieriger mache, zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden: „Worauf können wir noch vertrauen“?, fragt er den Technikphilosophen Friedrich Rapp. Der argumentiert gleich gegen die Technikskepsis: „Die Übergänge werden unschärfer, sind aber nicht verschwunden, die Unterscheidung ist möglich. Jeder hat ein spontanes Wissen, um beurteilen zu können, was richtig ist.“ Philosophie-Professor Hastedt betont, in Zeiten virtueller Welten, zunehmender Information und zunehmender Informationsquellen müsse das verbessert werden, was Kant die „Urteilskraft“ genannt habe. Er warnt davor, die neuen Entwicklungen gleich als Paradigmenwechsel zu bewerten oder pauschal zu verurteilen. Rapp stimmt zu: „Die Welt verändert sich, aber der Realitätsbegriff muß nicht neu definiert werden.“ Wandel bedeute zunächst einmal die Pflicht zum Hinzulernen. Psychologe Loth meint, man müsse aufpassen, nicht als früh Altgewordener lediglich die Werte der alten Generation zu vertreten. Schließlich verändere Technik die Lebensstile in der Abfolge der Generationen, aber das sei zunächst einmal völlig wertfrei. Ihn interessiere, was die Veränderungen für die Lebensqualität des einzelnen bedeuteten. In diesem Punkt treffen sich Philosophie und Technik in der Ethikdiskussion: Menschenwürde, Nutzen, Ästhetik und Respekt, das alles müsse bei der technischen Entwicklung und Anwendung in ausgewogenem Maße berücksichtigt werden, meint Wolfgang Loth.
Niemand auf dem Podium möchte als strikt technikfeindlich, als „Miesmacher“ gelten, alle versuchen zu differenzieren, heben die Chancen besonders hervor, fragen, ob sich denn wirklich so viel verändert habe. Das Publikum fragt kritisch nach, bringt Bedenken ein, einige fühlen sich vom technischen Fortschritt überrollt, betonen die Möglichkeiten, mit Technik zu täuschen, sie zu mißbrauchen. „Den technischen Fortschritt kann man nirgendwo aufhalten, selbst wenn man es wollte“, sagt schließlich Technikphilosoph Friedrich Rapp und kommt auf das Motto der Diskussion zurück: „Es gibt kein Patentrezept, um Manipulation zu erkennen: Man muß sich vielfach orientieren.“
Die anwesenden Pädagogen fühlen sich in die Pflicht genommen, sinnieren über die Urteilskraft nach, schließlich sei es ganz entscheidend Aufgabe der Schule, diese zu schärfen. Was aber, wenn die Lehrer sich für die technischen Entwicklungen, die die Urteilskraft so sehr beeinflussen, gar nicht interessieren und Chancen und Risiken nicht aus eigener Erfahrung einzuschätzen wissen? Die Diskussion habe ihm eindrucksvoll klar gemacht, sagt ein Pädagoge nach Ende der Veranstaltung, welche Rolle Technik mittlerweile im täglichen Leben spiele. Das müsse die Schule noch viel stärker als bisher aufnehmen.
FRANK SCHULTE
Erlebte Technik im Rheinschen Industriemuseum Solingen: Schüler erfahren vor dem Schwungrad einer Dampfmaschine, daß technologische Prozesse schon immer den Alltag prägten.

Von Frank Schulte

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