Hochschule

Schreckgespenst des verschulten „Dr.“  

VDI nachrichten, Berlin, 26. 9. 08, ws – Wird die Doktorandenausbildung in Europa vereinheitlicht? Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) gab Entwarnung. Wenn die Deutschen ihre Stärken weiter ausbauen und sich gleichzeitig für andere Ideen öffnen, sei die Angst unbegründet.

Oft werden Ingenieuren Schwächen bei wirtschaftlichen Themen wie dem Marketing nachgesagt. Die Folgen sind auch in der Debatte um die Ingenieurpromotion zu beobachten. Denn hier herrscht bei vielen Hochschulen weniger stolze Außenwerbung als vielmehr die Angst vor, internationale Trends zur Vereinheitlichung der Doktorandenausbildung könnten das bewährte deutsche System des Dr.-Ing. aushöhlen.

Eine Sorge, die die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) für unbegründet hält – vorausgesetzt, der deutsche Weg entwickelt sich weiter. Deshalb hat sie nun zwölf Empfehlungen vorgelegt, wie die bewährte Assistenz-Promotion eine Zukunft hat. So sollen während der Promotionsphase verstärkt außerfachliche Qualifikationen erworben werden.

Sprachkenntnisse und Moderationstechniken zählen genauso dazu wie Übungen zu Projektmanagement und Personalführung. Zudem sollen die immer häufiger anzutreffenden schriftlichen Vereinbarungen zwischen Doktorand und Doktorvater die Regel werden, um schon zu Beginn Vorgaben wie Zeitrahmen oder Vorträge auf Fachtagungen genau festzulegen. Gleichzeitig sollen dissertationsfremde Aufgaben begrenzt und Doktorandenkolloquien eingeführt werden, um die Promotionsdauer von aktuell durchschnittlich 4,8 Jahren weiter zu verkürzen.

Die jüngst vorgestellten Empfehlungen stoßen bei den Beteiligten meist auf Zustimmung. Offensichtlich ist es acatech gelungen, den Druck zu Veränderungen nicht zu forsch zu formulieren. Denn das Aufkommen neuer Promotionswege abseits der Assistenz-Promotionen sorgt bei vielen Professoren für Unruhe.

Eine Unruhe, die der Bologna-Prozess im Zuge der Vereinheitlichung und damit Öffnung der europäischen Hochschulausbildung erreichen will. Internationale Wettbewerbsfähigkeit ist das Stichwort, das z. B. die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit ihren Graduiertenkollegs beweist, die hierzulande als Vorreiter neuer Promotionsmodelle gelten.

Hier werden Doktoranden in die Forschungsarbeit der am Kolleg beteiligten Einrichtungen einbezogen. Die enge Bindung an nur einen Lehrstuhl wird aufgeweicht. Die DFG schätzt, dass rund 10 % aller Promotionen in den Ingenieurwissenschaften in Deutschland in Graduiertenkollegs stattfinden.

Daneben etablieren sich auch Graduate Schools, etwa die „Graduate School für Production and Logistics“ an der Uni Dortmund. Sie ist eine dauerhafte Einrichtung der Hochschule, an der Doktoranden mehrerer Fakultäten interdisziplinär zusammenarbeiten. Ziel ist es, die Promotion für die streng ausgewählten Kandidaten auf drei Jahre zu verkürzen.

Genau hier entsteht die Sorge der Hochschulen, dass der Doktorand als unerlässliche Schnittstelle zwischen Lehrstuhl und Studierenden verloren geht und darunter die Qualität der Lehre leidet. „Stark verschulte Promotionsstudiengänge“ sind das große Schreckgespenst, das etwa der Zusammenschluss von neun Technischen Universitäten (TU9) fürchtet.

Viele sehen sich vielmehr in der jüngsten Befragung von Professoren und Promovierten der Ingenieurwissenschaften und der Informatik im Auftrag von acatech bestätigt. Danach halten die meisten der Befragten die Ausbildung zum Dr.-Ing. made in Germany für „gut bis hervorragend“. „Die Deutschen werden um dieses System im Ausland beneidet“, so Jürgen Enders, Leiter der Befragung vom Center of Higher Education Policy Studies (CHEPS) im niederländischen Enschede und empfiehlt den Hochschulen mit Blick auf ihren promovierten Nachwuchs „mehr Produzentenstolz“. Unübersehbar sei allerdings die Forderung der frisch Promovierten, Bürokratie abzubauen, Forschungsprojekte längerfristig zu finanzieren und mehr Zeit für die Forschung einzuräumen.

Hinzu kommt der Wunsch einer verbesserten Betreuung durch den Doktorvater, so die Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). „Betreuung darf nicht als Verhätscheln abgetan werden, sondern verbessert vor allem Motivation und Effizienz“, meint Carola Feller vom VDMA. Zudem empfiehlt sie Professoren, die Vermittlung der Softskills nicht als „hübsche Add-ons abzutun, sondern als elementare Führungsaufgabe voranzutreiben“.

ANDREAS LEIMBACH

www.acatech.de

Dr.-Ing. made in Germany: „Gut bis hervorragend“

Von Andreas Leimbach

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