Ingenieurausbildung

Ruf nach neuen Studienkonzepten

Die Debatte um die Studienreformen geht in eine neue Runde.Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft wirft den Hochschulen vor, die Bedürfnisse Studierender zu wenig zu berücksichtigen und zu wenige Teilzeitstudiengänge anzubieten. Die Ingenieurwissenschaften wehren sich: Der Schwarze Peter liege bei der Politik. Den Hochschulen fehle schlichtweg das Geld für flexiblere Angebote.

Mit der Bologna-Reform sollte sich alles zum Guten wenden: Die Zeiten der Bummelstudenten seien nun vorüber und die Ära praxisnah ausgebildeter Ingenieure mit dem Gefühl für internationale Märkte begännen. Der europäische Bildungsprozess, der 1999 in Bologna angestoßen wurde, sollte 2010 weitestgehend abgeschlossen sein.

Doch daraus wurde nichts. Auch jene, die sich der Vorteile von Bachelor- und Masterstudiengängen bewusst sind, klagen über oftmals verfehlte Umsetzungen. Wie jüngst der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. „Wir fordern Politik und Hochschulen auf, die heterogene Lebenswirklichkeit der Studierenden ernst zu nehmen und entsprechende Angebote zu formulieren“, erklärt Volker Meyer-Guckel, Mitglied der Geschäftsleitung im Stifterverband. Wer Kinder habe oder die engen Bachelor-Lehrpläne mit dem Beruf in Einklang bringen müsse, für den verlängern sich die Studienzeiten. Auch die Finanzierung sei schwierig, denn Teilzeitstudierende haben keinen Anspruch auf Bafög. Die Folge: Die Abbrecherquoten steigen.

Laut Stifterverband absolviere bereits ein Viertel der 2 Mio. Studierenden in Deutschland faktisch ein Teilzeitstudium. In der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ist zu lesen, dass 27 % aller Studierenden im Erststudium mehr als 17 Stunden pro Woche nebenher jobben. Auch, um die Studiengebühren zusammenzukratzen. „Das Studienangebot der Hochschulen trägt dem aber kaum Rechnung“, mahnt der Stifterverband. „So liegt die Zahl der Teilzeitstudiengänge bei unter 5 %.“

Die Forderung nach mehr Teilzeitstudiengängen im Erststudium kann Heike Schmitt von „4ING“, Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft und Verwaltung in Fragen der universitären Ingenieurausbildung, nachvollziehen. Der Wunsch des Stifterverbandes ziele aber an der Realität vorbei. „Das ist unter den gegebenen Umständen nicht realisierbar. Das Studiensystem hat sich für Teilzeitstudiengänge noch nicht geöffnet.“

Die Situation sei an vielen Universitäten prekär genug, die Kapazitätsgrenzen bei den Räumlichkeiten seien erreicht, teilweise überschritten. An der Universität Kassel etwa würden Studierende in angemieteten Räumen wie einer Kirche oder einem Kinosaal unterrichtet, so die 4ING-Geschäftsführerin. Angesichts des durch den doppelten Abiturjahrgang und die entfallende Wehrpflicht bevorstehenden Anstiegs der Studienanfängerzahlen fragt sie: „Wo sollen da noch die Kapazitäten für Teilzeitstudierende herkommen?“

Wer sein Studium individuell gestalten und auch am Wochenende studieren wolle, brauche entsprechende Betreuung. Aber auch die Professorenschaft sei an die Machbarkeitsgrenze gestoßen, meint Heike Schmitt.

Die Daten des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen, dass sich das Betreuungsverhältnis an deutschen Hochschulen von Professoren zu Studierenden weiter verschlechtert. Auf einen Dozenten kamen 2009 exakt 59 Studierende, zwei Jahre zuvor waren es noch 57.

Die Nachfrage nach Teilzeitstudiengängen werde steigen, prophezeit Schmitt. „Noch aber ist sie gering und schwer abzuschätzen.“ Nur wenn die Politik den Hochschulen mehr Geld für Räumlichkeiten und Wissenschaftler zur Verfügung stelle, könne die akademische Bildung wunschgemäß reagieren, glaubt die 4ING-Geschäftsführerin.

„Der Bedarf an Teilzeitangeboten wächst stetig“, meint hingegen Barbara Michalk von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). „Die Lebensbedingungen der Studierenden sind sehr vielfältig. Es sind nicht mehr nur Abiturienten, die ein Studium beginnen, sondern Menschen mit sehr unterschiedlichen Bildungsbiografien, Berufstätige und Studierende mit familiären Verpflichtungen.“ Dieser Wandel werfe Fragen nach angepassten Regelungen auf. Eine HRK-interne Arbeitsgruppe entwickle derzeit konkrete Vorschläge.

Die akademische Erstausbildung hingegen macht Barbara Michalk wenig Sorgen. Der Druck, den die Studierenden in den ersten Jahren der Studienreform empfunden hätten, nehme ab. „In einigen Fällen wurden in das zeitlich reduzierte Studium zu viele Inhalte gepackt.“ Inzwischen habe sich vieles zum Positiven geändert. Studiengänge seien entschlackt und die zeitlichen Spielräume erweitert worden.
WOLFGANG SCHMITZ /Seite 4

Von Wolfgang Schmitz

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