Hochschule

Rüstzeug für die Globalisierung

Unternehmen verlassen sich bei der Qualifizierung ihrer Führungskräfte nicht mehr auf staatliche oder private Universitäten. Sie gründen firmeninterne Hochschulen, die oft mit Business-Schools zusammenarbeiten.

Konzernchefs deutscher Unternehmen setzen verstärkt auf maßgeschneiderte Qualifizierungs-Programme, die sich streng an den hausinternen Entwicklungszielen und den Anforderungen, die an das Management gestellt werden, orientieren. Dahinter steckt die Überzeugung, daß ein Unternehmen nur dann auf Dauer erfolgreich sein kann, wenn die Führungskräfte das gleiche Grundverständnis über die firmeninternen Strategien mitbringen. Sogenannte Corporate Universities oder Firmen-Universitäten sollen dazu beitragen, diese Ansprüche zu realisieren. Die Ursprünge dieses Konzepts, zu dessen bekanntesten Verfechtern der Chef von General Electric, Jack Welch, gehört, sind in Amerika und England zu suchen. Hierzulande haben Lufthansa, DaimlerChrysler sowie Bertelsmann die Vorreiterrolle übernommen und die Deutsche Bank steht unmittelbar vor der Gründung ihrer Firmen-Universität. Soviel zum Verständnis: Bei einer Corporate University handelt es sich nicht um eine Universität im klassischen Sinne. Sie kommt ohne eigenes Lehrgebäude und eigenen Lehrkörper aus. Die mehrtägigen Kurse werden entweder in hauseigenen Fortbildungseinrichtungen oder an internationalen Business-Schools abgehalten. DaimlerChrysler beispielsweise arbeitet mit Business-Schools in Europa, Amerika und Asien zusammen. Wo die jeweiligen Veranstaltungen angeboten werden, hängt von den Inhalten ab. Geht es um Globalisierung der Märkte und damit verbundenen Strategien, weicht der Konzern gerne ins Ausland aus. Zwei dieser Kurse finden beispielsweise an der Harvard-Business-School in Cambridge (Massachusetts) und in Singapur statt. „Um strategisch planen zu können, sollten die Teilnehmer zumindest einen Eindruck von dem Land bekommen und darüber, wie die Menschen vor Ort denken und handeln. Der Terminplan sieht deshalb auch die Besichtigung eines Betriebes in Singapur vor“, so Stephan Egnolff, bei DaimlerChrysler zuständig für den Bereich Management Development der Corporate University. Von dem umfangreichen Kursprogramm profitieren zunächst einmal die 5000 Führungskräfte, die zum Daimler-Konzern schon vor der Eheschließung mit Chrysler gehörten. Michael Emrich, im Unternehmen zuständig für die Konzernstrategien im asiatischen Raum, belegte im Spätsommer sein erstes Seminar. Thema: Die Wirtschaftsregion Asien. Sein Job ist es normalerweise, Konzepte zur Absatzsteigerung von Nutzfahrzeugen zu entwickeln und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Fertigungsraten vor Ort erhöht werden können. Bis jetzt kann Daimler lediglich auf ein Joint venture in China und die 90 %ige Beteiligung an einem indonesischen Unternehmen verweisen. Für Michael Emrich, der selbst vier Jahre in Japan gelebt hat, ein wichtiger Grund für die Teilnahme an der Veranstaltung. „Ich bekam Informationen aus erster Hand. Von Kollegen aus den Krisenregionen erfuhr ich, wie sie die Situation einschätzen. Kurz gesagt, es kam ein reger Meinungsaustausch zustande.“ 20 Manager aus verschiedenen Ländern und Unternehmensbereichen drückten drei Tage lang die Schulbank, folgten Ausführungen von Experten zur Asienkrise und zur wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents. Workshops boten die Gelegenheit zur Diskussion und Fallbeispiele, wie das eines amerikanischen Nutzfahrzeugherstellers oder eines deutschen Dienstleistungsunternehmens, die beide auf dem asiatischen Markt erfolgreich operieren, gaben genügend Anregungen zur Entwicklung eigener Strategien. „Solche Erfahrungen sind zunächst einmal auf der geistigen `Festplatte` gespeichert und zeigen auch keine sofortige Wirkung“, beobachtet Stephan Egnolff. „Sie fließen aber in Entscheidungsprozesse ein und können sogar richtungweisend werden, wenn konkrete Schritte anstehen.“ Mit einem Kurs oder Seminar allein ist es jedoch nicht getan. Die Corporate University verfolgt weitergehende Ziele, denn die Veranstaltungen sollen nicht End-, sondern Anfangspunkt einer Zusammenarbeit weltweit verstreuter Interessenspartner sein, mit dem Ergebnis, daß ein ständiger Erfahrungs- und Wissensaustausch zustande kommt. Die hervorragende Kundenbetreuung der amerikanischen Tochtergesellschaft Freightliner beispielsweise wird zur Zeit von einer internationalen Arbeitsgruppe untersucht, die daraus ein auf europäische Verhältnisse abgestimmtes Konzept entwickeln soll. „Das Handwerkszeug für ein solches Projekt vermitteln wir in den Seminaren, die weitere Zusammenarbeit geschieht virtuell über unser Intranet.“ Solche Lernprozesse zu initiieren sieht Stephan Egnolff als ein wesentliches Merkmal der Corporate University an. In ihrem Grundkonzept stimmen die Firmen-Unis weitestgehend überein. Erst im Detail ergeben sich einzelne Abweichungen. Nach dem Prinzip „Weniger ist oft mehr“ beschränkt Bertelsmann seine Zusammenarbeit auf der Harvard-Business-School und das International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne. Damit will der Medienkonzern sowohl amerikanische Erfahrungen als auch die speziellen Methoden und Sichtweisen europäischer Schulen in das Programm miteinbeziehen. Dagegen betrachtet die Lufthansa nicht nur die Business-Schools als Partner, sondern arbeitet auch mit weltweit operierenden Firmen wie British Telecom oder ABB zusammen. Über eine weitere Variante denkt die Deutsche Bank derzeit noch nach. Martin Möhrle, Leiter des Bereichs Management Development, hält es für durchaus möglich, daß auch Auszubildende in das Programm der Corporate University integriert werden, um die Qualifikation der Mitarbeiter noch weiter zu verbessern. Abgesehen von solchen unternehmensspezifischen Unterschieden verfolgen die Firmen-Unis im wesentlichen drei Ziele: Sie sollen die Mitarbeiter auf die Übernahme neuer Führungsaufgaben vorbereiten, den Innovations- und Wissenstransfer in einem Unternehmen sichern und den Führungskräften die Möglichkeit bieten, konzernrelevante strategische Themen zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Für das nächste Seminar hat sich Michael Emrich deshalb bereits angemeldet. „Cost and Value Management“ ist das Thema des Kurses. „Da gibt es für mich noch einiges dazuzulernen“, vermerkt er selbstkritisch.
MONIKA ETSPÜLER

Von Monika Etspüler

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