Nachwuchsförderung

RoboKing  

Technikfreude wird durch Bauen und Programmieren mobiler Roboter geweckt, wie in der CeBIT-Halle 27 „digital living“ zu erleben war.

Die 17-jährigen Hamburger Gymnasiasten Julian Bende, Paul Bröker, Daniel Reck und Helge Rhodin haben jetzt gemeinsam mit ihrem Teamleiter Andreas Rhodin Grund zum Feiern: Die Mannschaft des Walddörfer-Gymnasiums siegte am vorigen Wochenende auf der „digital living“ in Hannover im Finale des bundesweiten „RoboKing“-Wettbewerbs. Die TU-Chemnitz hat diesen Wettstreit der Roboter bereits zum dritten Mal ausgerufen. Auf der Sonderschau im Rahmen der CeBIT traten 16 Mannschaften aus elf Bundesländern gegeneinander an.

Auf dem zweiten Platz landete das Team „Gympl5“ vom Gymnasium Plochingen (Baden-Württemberg) und Platz 3 belegte eine Mannschaft aus Nordrhein-Westfalen: Das „Diobot-Team des Gymnasiums Dionysanum aus Rheine hatte die RoboKings des Jahres 2004 und Vizemeister 2005 vom Albert-Schweitzer-Gymnasium in Limbach-Oberfrohna (Sachsen) geschlagen. Ganz besonders freuen sich die Sieger aus Hamburg über den Hauptpreis, den Humanoiden „Robonova I“, der sich fast wie ein Mensch bewegen kann. Gestiftet wurde er von Hitec Robotics, seit 25 Jahren schon Hersteller von Hobby-Elektronik und Bausätzen mit Sitz in Seoul/Südkorea. Weitere Sponsoren des RoboKing 2006 waren die Firmen Bosch, Phoenix Contact, Sick, Siemens, der Technikshop Roboterteile, Krause Robotics sowie der VDE Chemnitz und die TU Chemnitz.

Peter Protzel, TU-Professor für Prozessautomatisierung, ist der geistige Vater der Idee, eher spielerisch technikinteressierte Schüler für ein ingenieurwissenschaftliches Studium zu gewinnen: „Es zeigt sich immer wieder, dass sich das Technikinteresse von Schülern am besten durch das Bauen und Programmieren mobiler Roboter wecken lässt“, so der Chemnitzer.

Dieses Jahr gab es in Anlehnung an Computerspiele folgendes Problem zu lösen: Der König hat beschlossen, sich eine neue Burg bauen zu lassen. Bevor begonnen werden kann, müssen die Baumaterialien von einem Steinbruch geholt werden. Der beschwerliche Weg führt durch einen finsteren Wald, eine tiefe Schlucht und über eine schmale Brücke. Wer am Ende die meisten Steine zum Bauplatz gebracht hat, wird königlicher Baumeister und erhält die Belohnung des Königs.

Praktisch hieß das, einen Roboter zu bauen und so zu programmieren, dass er die auf dem Spielfeld befindliche Ladestation (den Steinbruch) finden und von dort aus die Steine in seine Heimatbasis (den Bauplatz) befördern kann. Auf dem Weg dahin sind zahlreiche Hindernisse zu überwinden.

In einer Spielrunde starten immer zwei Roboter in gegenüberliegenden Ecken des Spielfeldes. Sieger einer Runde ist, wer nach Ablauf der Spielzeit die meisten Steine in seiner Heimatbasis liegen hat. Wer abkürzt und Steine vom gegnerischen Steinbruch in seinen Bauplatz befördert, muss mit Strafpunkten rechnen

Bei dem Turnier des Abschlusswettbewerbs auf der CeBIT gab es wie bei der Fußball-WM Vorrunden mit Gruppen von Teams. Die besten Teams der Vorrunde traten in der Endrunde im K.o.-System gegeneinander an.

Wenn der Roboter nicht mehr weiter kommt und „von Hand“ nachgeholfen werden muss, so kostet dies Strafpunkte. Außerdem darf ein Roboter den anderen auch nicht absichtlich behindern oder beschädigen. Die Roboter werden nicht fertig geliefert, sondern selbst zusammengebaut. Alle Teams, bekommen Einkaufsgutscheine für beliebige Bauteile.

Einer Studie des Verbands Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) zufolge orientieren sich Schüler bei der Studienwahl zunehmend an weichen Faktoren, wie etwa Selbstverwirklichung, Kreativität und Spaß. „Besonders Letzteres wird leider oft nicht mit einem Ingenieurstudium in Verbindung gebracht“, sagt Prof. Protzel. Man müsse also das Funktionieren von Technik nicht nur durch Fakten begreifbar machen. Technische Zusammenhänge und Vorgänge seien im Erleben mit einem Spaßfaktor zu koppeln.

Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für den RoboKing 2007. Vom 1. April bis zum 31. Mai 2006 können sich Schülerteams aus ganz Deutschland bei den Chemnitzer Robotik-Experten bewerben. Die besten stehen dann im März 2007 auf der „digital living“ in Hannover im Finale.

Die Aufgabe steht schon fest, wieder geht es um einen König: Der war in seinem Reich unterwegs. Sein Heimweg führt ihn durch ein Gebirge. Zwielichtige Gestalten sollen hier ihr Unwesen treiben. Plötzlich fallen Felsbrocken herab. Die gilt es aus dem Weg zu räumen – so das Computermärchen.

Jetzt ist technische Intelligenz gefordert, einen Roboter zu bauen und so zu programmieren, dass er die Tischtennisball-Felsbrocken anstoßen und einen „Steinschlag“ auslösen kann. Der Gegner wird das Gleiche versuchen. Jeder Roboter muss seine Spielfeldhälfte von den Bällen befreien. Dazu kann er sie zurück zum Gegner befördern oder in eine Schlucht auf der eigenen Spielfeldhälfte werfen. IDW/KÄM

www.roboking.de

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