Hochschule

Risikofaktor Mensch  

VDI nachrichten, Berlin, 8. 9. 06, ws – Bedienungsfehler sind häufig daran schuld, dass Technik nicht wie gewünscht funktioniert. Bei der fehlgeschlagenen Programmierung des DVD-Recorders hat das in der Regel keine dramatischen Folgen, im beruflichen Alltag schon eher. Der Studiengang „Human Factor“ an der TU Berlin widmet sich dem sensiblen Mensch-Maschine-Verhältnis.

Mit der steigenden Sicherheit technischer Systeme wird der Mensch zunehmend zum zentralen Risikofaktor.“ Mit dieser These steht Heinrich Kühn, Sicherheits-Experte der Universität Zürich, nicht allein da.

Statistiken zeigen, dass im Bereich Luft- und Raumfahrt in über 60 % der Fälle der „Human Factor“ die entscheidende Unfallursache darstellt. In Kernkraftwerken und hochtechnisierten Operationssälen verhält es sich ähnlich. Und auch wenn der Videorekorder zu Hause die falschen Programme aufzeichnet oder das Navigations-System falsche Richtungen anzeigt, liegt zumeist ein Bedienungsfehler vor, der zu kleineren Katastrophen führen kann.

Obwohl der „Human Factor“ zunehmend in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt, schlägt sich das bisher nicht in entsprechendem Maße auf die Studienangebote an deutschen Universitäten nieder. Dieser Meinung ist zumindest Matthias Rötting, Professor am Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft der TU Berlin.

„Außer einzelnen Veranstaltungen zum Thema haben die meisten Universitäten da nichts im Programm“, so der Mensch-Maschine-Experte. Bisher blieb nur das Ausland: „In Holland gibt es ein paar interessante Angebote, ansonsten sind es vor allem die Kollegen in den USA, die in diesem Bereich universitär lehren.“

Dies soll nun anders werden. Rötting ist Mitgründer des deutschlandweit ersten Studiengangs „Human Factors“, der im kommenden Wintersemester an der TU Berlin startet. „Traditionell gibt es zwei Richtungen, von denen aus man sich der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine nähert“, erklärt Rötting. „Dabei ist die eine eher von einem ingenieurwissenschaftlichen und die andere von einem psychologischen Blickwinkel geprägt.“

Ziel des Studiengangs ist, diese Bereiche zusammenzuführen und „eine sichere, effektive und effiziente Steuerung, Überwachung und Nutzung technischer Systeme durch den Menschen zu ermöglichen“. Rötting: „Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass Human- und Ingenieurwissenschaften hier viel voneinander lernen können.“

Dieser Ansatz schlägt sich im Curriculum des auf zwei Jahre angelegten Masterstudienganges nieder. Im Grundstudium geht es neben der Vermittlung von interdisziplinärem Basiswissen vor allem darum, die Studierenden aus den verschiedenen Fächern auf einen gemeinsamen Stand zu bringen. „In einer Phase des ¿Cross-Teaching“ bekommen Ingenieure Grundlagen der Psychologie und umgekehrt Psychologen Grundlagen der Ingenieurwissenschaften vermittelt“, erklärt Rötting.

Im Hauptstudium steht die Vertiefung einzelner Bereiche auf dem Programm. Den Kern bildet interdisziplinäre Projektarbeit. Arbeitsgruppen von acht bis zwölf Studierenden arbeiten gemeinsam an konkreten Projekten. Dabei geht es um handfeste Praxis: „Die Projekte werden gemeinsam mit Partnern aus der Industrie entwickelt“, berichtet Human Factor-Spezialist Matthias Rötting, „da bekommt man schnell mit, worauf es ankommt.“

Die Industrie ist begeistert: „Das Angebot eines solchen Studienganges war lange überfällig und ist extrem wichtig“, lobt Peter Rößger von Harman/Becker Automotive Systems, Hersteller von Auto-Navigationssystemen. Der Human Factors-Spezialist erinnert sich: „Ich selbst musste noch den unbequemen Gang des Doppelstudiums gehen, um mich für den Bereich Mensch-Maschine fit zu machen“, so Rößger, „da ist ein solcher kombinierter Studiengang natürlich optimal.“

Vor diesem Hintergrund scheint das ehrgeizige Projekt ins Mark der Zeit zu treffen. Um die nötige Praxisnähe zu garantieren, empfiehlt der Experte den Berlinern über den Tellerrand der Universität hinauszugucken: „Die Macher sollten vor allem darauf bedacht sein, dass sie Spezialisten aus der Praxis mit an Bord holen“, rät Rößger. Denn: „Profis wissen einfach am besten, worauf es im Berufsalltag ankommt.“

Zumindest im Vorfeld haben sich die Architekten des neuen Studiengangs diesen Ratschlag zu Herzen genommen. Um die Praxisnähe zu garantieren, wurde in der Planungsphase ein Entwurf des Lehrplans an Vertreter von über 30 Unternehmen verschickt.

„Die Resonanz war sehr gut. Da wurden unsere Themenschwerpunkte durch die Bank unterstützt“, erzählt Rötting. Und nicht nur das. Er weiß, dass die Befragten sich schon jetzt auf die ersten Abgänger freuen: „87 % der Unternehmen äußerten Bedarf an Absolventen unseres Studienganges.“

Wer auf den Geschmack gekommen ist, der sollte sich beeilen: Einschreibeschluss für das kommende Wintersemester ist der 5. Oktober.

CHRISTOPH GABLER

Literaturtipp: Katja Karrer, Boris Gauss, Christiane Steffens (Hrsg.): Mensch-Maschine-Systemtechnik in Forschung und Praxis, Symposion Publishing, Düsseldorf 2005, 397 S., 69 €.

 

Von Christoph Gabler
Von Christoph Gabler

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