Nachwuchsförderung

Richtig akzeptiert ist die Technik noch nicht

Zehntausende von Mädchen nahmen bundesweit am zweiten deutschen „Girl“s Day“, dem Schnuppertag in der Arbeitswelt ihrer Eltern, teil. 1200 Betriebe und Institutionen beteiligten sich an der Gemeinschaftsaktion.

Es klappt doch!“, schreit Meryem voll begeistert. Ihr Jubel durchschneidet selbst den Lärmpegel, den eine Mädchenschar macht, die sich kichernd und stöhnend, lachend und fluchend in eine knifflige Bastelarbeit vertieft. Meryems dunkle Augen blitzen triumphierend aus der riesigen braunen Wuschelmähne. Diesen Erfolg hat sie sich offenbar nicht zugetraut: Nach einer Zeichnung mit Arbeitsanweisung aus einem Kupferdraht ein witziges Geduldsspiel zu basteln. Dass ihr dabei ein Azubi hilfreich zur Seite gestanden hat, schmälert ihren Erfolg keineswegs.
Und die Azubis haben einiges zu tun an diesem Donnerstag in der vergangenen Woche: Immerhin 70 Mädchen besuchen am „Girl“s Day“ die Siemens Zweigniederlassung in Hannover.
Meryem und ihre vier Freundinnen von der Werner-von-Siemens-Realschule in Hannover jedenfalls geben beim Basteln in der Siemens-Ausbildungswerkstatt ihr Bestes, „wenn auch unter Schweiß und Tränen“, wie Tamara ironisch lacht.
Tamara hat nichts gegen Technik, wenn sie nur nicht so fummelig wie diese Bastelarbeit wäre! Genau das aber liegt der 14-jährigen Gymnasiastin Daniela. Sie biegt den Draht direkt auf der Zeichnung, prüft zwischendurch die Maße nach die Arbeitsanweisung braucht sie kaum. „Das mache ich auch beim Zeichnen so.“ Sie möchte Trickzeichnerin werden. Und an diesem Ziel arbeitet sie hartnäckig. „Ich zeichne Trickfiguren so lange nach, bis ich sie auswendig kann.“ Eine Comic-Geschichte hat sie auch schon erfunden. „In dem Beruf braucht man sicher technisches Geschick und Computer“, schätzt sie.
Entsprechend ist ihre Einstellung: Ohne Technik geht nichts mehr, das weiß sie, aber mehr als nötig muss nicht sein.
Ein unter den Schülerinnen offenbar verbreiteter Pragmatismus. Beim Rundgang durch die Werkshallen von Siemens achten sie stets auf respektvollen Abstand, besonders zu den „starken Maschinen“ wie jene, mit der – „ratzfatz“ – dicke Kupferplatten in die richtigen Winkel gebogen werden. „Da möchte ich doch lieber in einem Labor arbeiten“, überlegt Tamara, die Chemie mag und Chemikantinnen cool findet. Erst als zwei junge Praktikanten ihren selbst gefertigten Schaltschrank vorführen, rücken die Mädchen näher an das munter blinkende Objekt heran. Aber nur die 13-jährige Gymnasiastin Ann-Katrin bekennt, dass sie vielleicht später Schaltanlagen entwerfen werde.
Auch die beiden Schwestern Janine und Carolin, deren Vater Sachbearbeiter bei Siemens ist, verfolgen die Führung von Teamleiter Michael Franz durch die Elektronikfertigung aufmerksam. Beim lockeren Basteln am Nachmittag gesteht die 14-jährige Carolin jedoch, dass sie doch lieber einen mehr künstlerischen Beruf möchte, vielleicht „Computerdesign oder so“.
Zu Computer und Informatik haben die Mädchen ein völlig entspanntes Verhältnis. Computer gehören zu ihrer Welt und zu IT fallen ihnen Assoziationen wie „sauber“, „interessant“, „spaßig“, „gute Bezahlung“ oder auch „Zukunft“ ein. „Ich würde später gerne programmieren,“ meldet sich Meryem kichernd, „am liebsten Computer-Spiele“.
Meryems Freundin Nicole will nach der Realschule noch unbedingt das Abi machen. „Dann stehen mir viel mehr Türen offen,“ weiß sie, „zum Beispiel bei Siemens der Bachelor of Business Administration.“
Von diesem kaufmännischen Abschluss ist auch Maxi begeistert. In der Mittagspause hat sie schon alle Unterlagen, die Siemens für die Girls bereitstellte, mit ihren Freundinnen durchgelesen und besprochen. Pittoresk aufgereiht auf dem Kantstein des blank gefegten Eingangs haben sie in der Sonne gesessen und darüber debattiert. Ergebnis: Selbst jene, die Bachelor noch nicht aussprechen können, sind davon beeindruckt. Der Abschluss hat bloß einen Haken, meint Maxi: „Da muss man die Steuer machen und das ist wahnsinnig kompliziert.“ Sie muss es wissen – ihre Mutter arbeitet in der Bilanzbuchhaltung.
Nach und nach taucht hinter den Kindern ein Schattenriss der elterlichen Vorstellungen oder Präferenzen, Probleme oder Erfolge auf. Beeke zum Beispiel, noch nicht ganz 12 Jahre alt, hat mit ihrem Vater schon vor dem Computer gesessen, bevor sie lesen und schreiben konnte. „Sie orientierte sich einfach an den Symbolen“, schmunzelt Vater Joachim Heldberg, Elektroingenieur bei Siemens, der Tochter Beeke abholt, um ihr seinen Arbeitsplatz zu zeigen.
Denn auch das dürfen die Mädchen an „ihrem“ Tag: Zum Abschluss noch Vater oder Mutter bei der Arbeit zuschauen. Für Beeke ist dieser letzte Programmpunkt besonders wichtig, denn sie findet E-Technik toll und liebt Physik.
Damit bestätigt sie, was Bildungsforscher immer wieder ermitteln: Naturwissenschaftlerinnen, und insbesondere Ingenieurinnen, rekrutieren sich überdurchschnittlich häufig aus Elternhäusern, in denen ein Elternteil – meist der Vater – selbst Ingenieur oder Naturwissenschaftler ist.
Isabelle jedoch kann sich für den väterlichen Beruf nicht erwärmen. Vater Uwe Sehm hat Nachrichtentechnik studiert und arbeitet heute im Vertrieb. Seine Tochter möchte „nichts Technisches machen, das ist zu gefährlich, dann schon eher etwas mit Computern“.
Immerhin hat Isabelle einen Eindruck von der Arbeitswelt bei Siemens bekommen, „das hilft schon“. Und wenn auch nur, um eine bessere Idee davon zu bekommen, was man nicht will. Ihr hat der Tag gefallen, vor allem der Nachmittag, das Basteln, Diskutieren, die Abschlussbesprechung mit den vielen am Girl“s Day beteiligten Siemens-Mitarbeitern.
„Ich fand die Stimmung in der Leiterplatten-Abteilung richtig locker“, lobt auch Tamara die anderen nicken. Der eigentliche Hit aber kommt ganz am Ende des Girl“s Day: Das Zertifikat über die Teilnahme mit einem eingescannten Gruppenbild aller 70 Mädchen und einem silbernen Multifunktionsmesser. Alle suchen gleich ihr Konterfei unter den 70 Gesichtern. Und natürlich ist keine damit zufrieden. Schließlich stecken sie in der schwierigen Phase der – weiblichen – Identitätssuche.
Dass sich die Mädchen ausgerechnet in dieser Zeit beruflich orientieren müssen, mindert die Chancen für die – noch immer männlich assoziierten – technischen Berufe. Nur die junge Informatik hat sich zu einem genuin androgynen Beruf gemausert, auch bei den 70 Schülerinnen. Computer sind akzeptiert, werden nicht einmal direkt mit „Technik in Verbindung gebracht, harte Technik „nach dem Girl“s Day auch etwas besser“, wie es Isabelle salomonisch ausdrückt.
Die Auswertung des Feedbackbogens, den Siemens am Schluss von den Mädchen ausfüllen lässt, bestätigt das Bild: 64 haben die Fragen beantwortet, zehn davon interessieren sich für einen technisch-naturwissenschaftlichen Beruf, 46 vielleicht, acht nicht ein technisches Praktikum dagegen ist für 28 Mädchen denkbar, für 20 nicht. An einem Girls“ Day aber würden wohl alle wieder mitmachen – schließlich gab“s schulfrei. R. KUNTZ-BRUNNER

Girls“ Day
Fremde Welt
Rund 40 000 Mädchen haben sich am Donnerstag letzter Woche bei
Aktionen zum so genannten Girls“ Day über mögliche Berufsfelder informiert. Etwa 1 200 Betriebe, Forschungseinrichtungen und Medienanstalten öffneten den Schülerinnen ihre Pforten. Ziel war, das Interesse für frauen-untypische, vor allem technische und naturwissenschaftliche Berufe zu wecken. Der Girl“s Day war eine Aktion von Bundesbildungsministerium, Gewerkschaftsbund, Arbeitgeberverbänden und D21. moc

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