Hochschule

Qualität der Lehre wird schnell erkannt

Lehre und Studium laufen parallel. Noch aber gibt es Reibungsverluste.

Britta Holm hat einiges auf sich genommen. „Mir gefällt der Wechsel zwischen Theorie und Praxis“, erzählt die 31jährige Ingenieurin Britta Holm. „Und ich will wissen, wozu ich etwas lerne.“
In nur neun Semestern machte sie an der FH Hannover ihr Diplom in Maschinenbau und parallel dazu ihren Abschluss als Kunststoffformgeberin. Zwei Jahre studierte sie jeweils zwei Tage wöchentlich an der Hochschule und arbeitete drei Tage als Lehrling bei der Firma Continental. Danach konzentrierte sich die praktische Arbeit auf die Semesterferien. Jobben lag nicht mehr drin. „Wir mussten halt mit dem Lehrlingslohn irgendwie über die Runden kommen“, lacht Ingenieurin Holm.
Das war Ende der 80er Jahre. Damals entstanden vielerorts duale Studienangebote. Fachhochschulen, staatliche wie private, wollten damit ihr Profil stärken und die Qualifizierungslücke zwischen beruflicher Ausbildung und Studium schliessen. Das Feld sollte nicht allein den Berufsakademien überlassen werden. Manche Betriebe wiederum hofften, auf diesem Wege mit geringem finanziellen Einsatz qualifizierte Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.
Auch im südniedersächsischen „Measurement Valley“ – Region Göttingen – wurde die Chance wahrgenommen. 40 mittelständische Unternehmen beschäftigen dort rund 12 000 Mitarbeiter. Viele dieser Betriebe haben weltweit einen klangvollen Namen auf dem Gebiet der Mess-, Laser- und Feinwerktechnik. Um jedoch mit den immer kürzeren Innovationszyklen Schritt zu halten, benötigt die Branche ständigen personellen „Nachschub“ – etwa 150 bis 200 Ingenieure jährlich, errechnete das Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung (IES) an der Uni Hannover. „Also haben wir in Göttingen einen neuen Standort der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden in Gang gebracht“, schmunzelt Professor Gerd Litfin, Geschäftsführer der Göttinger Linos Holding und der Firma Spindler & Hoyer. „Und gleich die dualen Studiengänge Physik-, Mess- und Feinwerktechnik eingerichtet.“
Seit drei Jahren versorgt die Fachhochschule nun die kooperierenden Unternehmen mit Ingenieuren, die ohne Einarbeitungszeit sofort einsetzbar sind und die Praxis von der Pike auf beherrschen. In manchen Betrieben wurden diese „Azubis der Sonderklasse“ auf speziellen Trimmpfaden durch sämtliche Abteilungen geschleust. Von dieser Allianz profitieren alle Seiten. Auch die FH Hildesheim/Holzminden. Denn die neuen Studiengänge könnten, so prognostizierte das IES, die sinkende Nachfrage nach traditionellen Studienangeboten wie Architektur, Bauingenieur- und Sozialwesen ausgleichen. Den Studierenden wiederum bietet das Kombi-Studium eine relativ sichere Berufsperspektive.
Tatsächlich wählen aber meist nur die Leistungsstarken diese zweigleisige Ausbildung. Die Schwundquote ist deshalb „gering, aber doch nicht zu übersehen“, stellt das Hochschulinformationssystem HIS in seiner Bestandsaufnahme dualer Bildungsangebote fest. Trotzdem beklage sich kein Studienabbrecher über das System, registriert das HIS, obwohl das Angebot (noch) erhebliche Defizite zeige. Zu selten arbeiten die Betriebe an den neuen Studienstrukturen mit. Und noch fehlen jene Synergieeffekte, die sich die Fachhochschulen von der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft erhoffte.
Die eigentliche Crux: Noch nehmen zu wenige Unternehmen das Angebot wahr. Sie sind der „Flaschenhals“ im System, urteilt das HIS. Mittlerweile gibt es immerhin rund 50 praxisintegrierende Studienangebote, vor allem für Betriebswirte. Erst an zweiter Stelle stehen die Angebote für Ingenieure. Und viele dieser Studiengänge sind unübersichtlich und derart individuell aufgebaut, dass jeder eine eigene Kategorie bilden könnte, so das HIS.
Diese Differenzierung erschwert die Vermarktung. Einige Firmen befürchten, dass sie für die Top-Lehrlinge eigene Ausbilder bereit stellen müssen. „Andere meinen, auf dem Markt billiger und schneller an die geeigneten Leute zu kommen“, bedauert Professor Erhart Kunze von der FH Hannover. Für diese Fehleinschätzung macht er besonders die fachfremden Personalmanager verantwortlich, die den einmaligen Charakter des dualen Angebots nicht erkennen würden. Zudem erschwere die schwankende oder unübersichtliche Marktlage eine vorausschauende Personalpolitik. „Betriebe, die einst Studierende übernehmen wollten, haben Pleite gemacht.“ Die Konkjunkturabhängigkeit ist die Achillesferse der dualen Studiengänge.
Duale Studiengänge sind ein Ansporn, die Praxis besser in die Hochschulen zu integrieren. „Wir konnten die Qualität der Lehre relativ gut einschätzen“, meint Ingenieurin Britta Holm. „Jedenfalls erkannten wir, wenn veralteter Stoff geboten wurde.“
RUTH KUNTZ-BRUNNER
Die Verknüpfung von Studium und Berufsausbildung scheitere oft an Unternehmen: Sie würden das Besondere dieses Angebots nicht erkennen, glauben Experten.

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