Hochschule 24.01.2003, 18:23 Uhr

Produktion bleibt vorne

Rund 15 300 Schüler entschieden sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Wintersemester 2001/2002 für ein Maschinenbaustudium – im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von fast 7 %. Die meisten Anfänger zieht es noch immer in die Produktionstechnik.

Die Produktionstechnik gehört nach wie vor zu den gefragtesten Studienrichtungen im Maschinenbau, daneben scheinen Kraftfahrwesen und Kunststofftechnik an dem inzwischen wieder festzustellenden Zuwachs an Studierenden etwas stärker zu partizipieren, schildert Prof. Manfred Zeller als Prodekan für das Studium der Fakultät für Maschinenbau die Situation an der RWTH Aachen.
„Einen regelrechten Trend kann ich nicht erkennen, allerdings ist mir aufgefallen, dass ein Rückgang in der Energietechnik zu verzeichnen ist. Insgesamt gibt es bei den Anfängerzahlen eine deutliche Tendenz nach oben, aber wir haben unsere Ausbildungskapazität noch nicht wieder erreicht“, ergänzt Zeller.
Anders sieht es an den Fachhochschulen aus. Die FH für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden beispielsweise kann wegen fehlender personeller Ressourcen schon lange nicht alle Bewerber aufnehmen, erklärt Prof. Oltwig Pigors (Fertigungsmittel/Tribotechnik), der auch Vorstandsmitglied des Fachbereichstages Maschinenbau ist. „Wir, als große Hochschule einer Landeshauptstadt, sind in den Kernbereichen des Maschinenbaus tätig: Konstruktion, Produktion, Kraftfahrzeugtechnik. Und das sind ja auch die Fächer, die dringend gebraucht werden“, berichtet Pigors.
Immer dann, wenn die Medien durch ihre Berichterstattung die Aufmerksamkeit der Schüler auf neue wissenschaftliche Themen mit Bezug zum Maschinenbau lenken, haben entsprechende neue Studiengänge gute Startchancen, erläutert Prof. Wolfgang Marquardt, Lehrstuhl für Prozesstechnik der RWTH Aachen und Vorsitzender des bundesweiten Fakultätentages Maschinenbau und Verfahrenstechnik.
Absolute Renner sind dabei biologieverwandte Studiengänge mit Schnittstellen zu den Ingenieuren. Die Universitäten Karlsruhe, Dortmund und Aachen haben beispielsweise solche Studiengänge unter Maschinenbaubeteiligung eingerichtet und aus dem Stand 100 bis 130 Bewerber gehabt, berichtet Marquardt, allerdings konnten wegen fehlender Praktikumplätze jeweils nur 30 bis 40 angenommen werden.
Bereits ein Klassiker unter den interdisziplinären Fächern sind die ebenfalls kontinuierlich gut nachgefragten Wirtschaftsingenieurwissenschaften. Weiterhin hat die Mechatronik, die Kombination von Mechanik, Elektrotechnik und Informatik, großen Zulauf, erklärt Wolfgang Marquardt. Alles, was mit Informatik zusammenhängt, habe in den letzten Jahren ebenfalls großes Interesse gefunden, wie die von einigen Hochschulen neu eingerichteten Studiengänge Computational Engineering mit dem Informatikschwerpunkt Simulation und Modellbildung.
Ein klares eigenständiges Profil erkennt Marquardt zudem in den Materialwissenschaften sowie im Bereich der Stoffumwandlung, wo sich die Ausbildung traditionell am Herstellungsprozess orientiert. „Die Verfahrenstechnik ist ein alter Studiengang, aber durch Bio- oder Nanotechnologien verschiebt sich das Ganze mehr in Richtung Produkt, wie beispielsweise pharmazeutische Wirkstoffe, und damit ein bisschen mehr zu den Naturwissenschaften“, erläutert Marquardt, der auch an der Schnittstelle des Maschinenbaus zu den optischen Techniken und in der Verkehrstechnik wichtige Entwicklungen sieht, die bald zu neuen grundständigen Studienangeboten führen könnten.
Wie Prof. Marquardt warnt jedoch auch Tobias Quosdorf vom Fachverband Maschinenbau e.V. – dem Zusammenschluss der Maschinenbaufachschaften – davor, vorschnell Studiengänge mit neuen Etiketten ins Leben zu rufen. „Man sollte nicht jedem Trend nachlaufen und sich dabei verzetteln, wie das Beispiel Informatik in den 90er Jahren mit den vielen damals entstandenen Studiengängen gezeigt hat“. Eine Möglichkeit wäre ja auch, das Studium unter dem gemeinsam Dach Maschinenbau zu beginnen und die jeweilige Spezialisierung nach dem Grundstudium im Diplom-Titel explizit anzugeben.
Die Bezeichnung der neuen Studiengänge ist auch für Wolfgang Marquardt eine schwierige Sache. Einerseits brauche man natürlich gut vermarktbare Namen, weil sich die Schüler unter den alten Begriffen Maschinenbau und Verfahrenstechnik nichts oder etwas Falsches vorstellen, andererseits gebe es nun Bezeichnungen, bei denen selbst Fachleute rätseln, was denn inhaltlich dahinter steht. „Die Frage ist, ob die Abiturienten im Rahmen ihrer Berufswahl den Überblick bewahren können. Das Profil der neuen Studiengänge ist einfach häufig nicht mehr transparent. Auch gibt es wohlklingende neue Namen und wenn man dahinter blickt, erkennt man auch nur die altbekannten Inhalte“, erklärt Marquardt.
Ebenfalls ein „heißes Eisen“ sind die gestuften Bachelor/Master-Studiengänge. „Wir sind ja teilweise erzkonservativ eingestellt“, bekennt Tobias Quosdorf und erklärt damit leicht ironisch die zurückhaltende Nachfrage der deutschen Studierenden. „Warum das Diplom aufgeben? Das hat sich doch bewährt. Sinnvoll wäre es, eine Äquivalenzbescheinigung darüber auszustellen, dass Diplom- und Masterabschluss gleichwertig sind“, konstatiert der Maschinenbaustudent der TU Darmstadt. M. BURAZEROVIC

Ein Beitrag von:

  • Dr. Manfred Bergheim

    Der Autor und Karriereexperte gibt in seinen Artikeln Tipps wie Ingenieure und Ingenieurinnen Ihre Karrierechancen richtig nutzen.

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