Fred Prinz hat eine Passion

Prinz Riesling

Wein. Seine Ausbildung zum Dipl.-Ingenieur für Weinbau und Önologie hat der Vollblutwinzer vor fast 20 Jahren vor der Haustür gemacht.

Eigentlich ist es in Deutschland zu kalt und zu nass, um wirklich guten Wein anzubauen, heißt es immer so schön in der internationalen Literatur. Doch auf dem Steinberg – wo vor über 850 Jahren Zisterziensermönche erstmals Wein anbauten, schließlich wollten sie ja die heilige Messe feiern – brennt die Sonne wie zum Hohn und Fred Prinz wünscht sich sehnlichst Regen für die alten Rieslingrebstöcke des so genannten Zehntstückes, weil der Önologe der Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach an den aktuellen Jahrgang denken muss.
„Ich bin hier nie weggegangen“, sagt der 42-Jährige später bei einem Glas Mineralwasser im Schatten ohne die geringste Spur von Bedauern – und beim herrlichen Blick auf das Rheingaugebirge und die sich anschließende Flussebene erübrigt sich eigentlich die Frage nach dem Warum. Auch seine Ausbildung zum Dipl.-Ingenieur für Weinbau und Önologie konnte der Vollblutwinzer vor fast 20 Jahren quasi direkt vor der Haustür in Geisenheim absolvieren. Dort werden in der heutigen Zweigstelle der Fachhochschule Wiesbaden seit 1870 Winzer ausgebildet und seit den 1970er Jahren Ingenieure diplomiert.
„In den ersten Jahren nach dem Abschluss habe ich mich noch bewusster als Ingenieur gesehen. Aus heutiger Sicht war das einfach eine gute Ausbildung, die mir eine solide Basis für den Beruf mitgegeben hat. Aber danach fängt das eigentliche Lernen ja erst an“, erklärt der Hallgartener, dessen Familie traditionell, wie im Rheingau üblich, immer etwas mit Wein zu tun gehabt hatte. Aber nur einer der Großväter nannte sich noch Winzer, danach wurden die Trauben aus den eigenen Parzellen im Nebenerwerb an die Genossenschaft geliefert.
Das machte auch der Enkel so, bis ihn vor wenigen Jahren der Ehrgeiz packte und er seinen Hallgartener Schönhell und Jungfer selbst ausbaute und verkaufte: „Ich wollte meine Kenntnisse nicht einfach so versanden lassen, sondern umsetzen, was ich im Laufe der Jahre über Wein gehört und gelernt hatte.“ Die Arbeit im eigenen Betrieb – vor allem im Weinberg – sei zudem keine Belastung, sondern mehr Erholung. Eine Interessenkollision mit der Aufgabe im Kloster Eberbach, dem größten Weinbaubetrieb Deutschlands, sei zwar theoretisch denkbar, aber trotz des Erfolges mit den eigenen Weinen einfach nicht vorhanden. „Ich kann das ganz gut trennen“, bemerkt der „absolute Rheingauer“ lakonisch.
Förster oder Winzer, etwas in und mit der Natur, und als Alternative Architektur hießen die Berufsziele in der Abi-Phase, „wenn man sich orientieren muss“. Der Vater seiner damaligen Freundin wurde dann zu einer Art Vorbild. Wie dieser Gutsverwalter von seinem Produkt, seinem Wein, schwärmte, „das gab den letzten Kick“, selbst Winzer zu werden. „Wer kann denn schon sagen, dass er in seinem Beruf ein Produkt von Anfang bis Ende beeinflussen und begleiten kann, bei uns also vom Austrieb der Rebe, über die Ernte, die Arbeit im Keller bis zum Vertrieb“.
Marketing und Vertrieb – zunächst beim Weingut Georg Breuer und dann im Kloster Eberbach – bildeten neun Jahre den Schwerpunkt für Fred Prinz, der mit soviel Liebe über Wein spricht und so nüchtern und betriebswirtschaftlich geschult über die Schwierigkeiten des Weinverkaufs reden kann. Viele Betriebe im Rheingau und anderswo hätten irgendwann den Anschluss verpasst, denn deren alte Stammkunden, die einige Kisten Wein im Jahr persönlich abholten und den Wein so akzeptierten, wie er eben gemacht wurde, gebe es kaum noch. Heute komme es darauf an, immer wieder neu in Erfahrung zu bringen, welche Art von Wein gewünscht wird und darauf zu reagieren. Das schließe auch ein, über die Grenzen des eigenen Gebietes hinauszublicken, sich in anderen Weinanbaugebieten des In- und Auslandes und auch in Übersee umzuhören, mit Kollegen zu diskutieren und einfach am Puls der Zeit zu sein.
„Irgendwann merkte ich, dass ich immer mehr Zeit in den Weinbergen und im Keller verbrachte, obwohl im Kloster Eberbach nominell der Vertrieb meine Aufgabe war. Aber ich wollte auch dort einfach wieder mehr direkt mit der Produktion zu tun haben.“ Nicht zuletzt die Versuche im eigenen Betrieb gaben Sicherheit und Motivation als Önologe des Staatsweingutes dazu beizutragen, die Rieslinge vom Erbacher Marcobrunn, Rauenthaler Baiken und Steinberg, wie die wohl besten Lagen heißen, in neue Höhen des Genusses zu führen.
„Das Niveau des deutschen Weins wird jedes Jahr besser, weil einfach der Einsatz höher ist und die Verbraucher anspruchsvoller“, das habe auch mit der sich ändernden Esskultur, zumindest in Teilen der Gesellschaft, zu tun. Zu einem leichten Essen gehöre auch ein leichter Wein – wobei leicht nicht heißt: ohne Extrakt, ohne Substanz, sondern eigentlich genau das Gegenteil. Der Riesling, auch wenn er 12 % Alkohol hat, schmecke nicht mehr so kräftig wie noch vor zehn Jahren. Die zum Riesling gehörende Säure sei immer noch da, aber sie unterstütze den Fruchtcharakter, die Frische und Finesse des Weins. Und diese Qualität werde auch wieder stärker international gewürdigt, denn in den USA und in Großbritannien werden deutsche Rieslinge immer häufiger prämiert und von der Presse bejubelt.
Der Riesling habe zwar momentan in Amerika einen Höhenflug, aber Höhen und Tiefen seien beim Wein normal, bleibt Fred Prinz cool. „Wichtig ist eigentlich nur, immer wieder zu versuchen, absolute Qualität zu erzeugen. Und dazu braucht man die Liebe zu diesem Beruf, sonst schafft man das nie, sonst kann man um 7 Uhr zur Arbeit gehen und um 4 Uhr nachmittags nach Hause und zusehen, dass man die Zeit dazwischen irgendwie hinter sich bekommt.“
MANFRED BURAZEROVIC

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Der Fachbereich 13 Weinbau/Getränketechnologie der Fachhochschule Wiesbaden am Standort Geisenheim hat in den vergangenen Jahren steigende Zahlen bei den Studierenden vorzuweisen. Rund 90 bis 100 Erstsemester gibt es jedes Jahr, von denen ca. 80 % das Studium auch beenden. Nur noch gut die Hälfte von ihnen kommt aus Weinbaufamilien. Zur Ausbildung gehören Grundlagen in den Naturwissenschaften und Mathematik sowie Getränketechnologie, Betriebswirtschaft (speziell Marketing), Datenverarbeitung und natürlich alles, was zum Weinbau dazu gehört. Trotz allen Technikeinsatzes werden auch die Sinne der Studierenden geschult, steht das Probieren von Wein, die Organoleptik auf dem Stundenplan. Die Absolventen arbeiten später beispielsweise als klassische Betriebsleiter von Weinbaubetrieben, im Verkauf und Vertrieb großer Handelshäuser oder in der Zuliefererindustrie. In Kooperation mit der Universität Gießen können die Studenten auch ein Aufbaustudium, zukünftig mit Masterabschluss, anschließen, das zur Promotion berechtigt. Dadurch ergeben sich weitere Perspektiven. MB

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