Nachwuchsförderung

Praktikanten – mehr als nur ein Kostenfaktor  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 2. 11. 07, ws – Die Bedeutung von Hochschul-Praktikanten für mittelständische Unternehmen vor allem im Bereich von Entwicklung und Konstruktion wächst – und auch ihr Nutzen, wenn der Arbeitgeber einige Spielregeln beachtet. Zwei Unternehmer berichten von ihren positiven Erfahrungen.

Kaffee kochen für die Karriere? – Praktika stehen heute nicht selten in schlechtem Ruf. Dabei hat ihre Bedeutung sowohl für die Arbeitgeber als auch für den Nachwuchs selbst zugenommen.

Firmen starten ihr Recruiting immer früher, so eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey & Company. 56 % der Unternehmen bevorzugen ehemalige Praktikanten als Neueinsteiger. Der Mittelstand macht hier keine Ausnahme. Dennoch, so Karl-Heinz Löwenkamp, müsse man genau differenzieren. Der Geschäftsführer der Heinrich Löwenkamp GmbH aus Inden-Pier bei Aachen sucht nicht gezielt nach künftigen Führungskräften. „Dafür sind wir mit rund 60 Mitarbeitern einfach zu klein. Dennoch freuen wir uns, dass seit einiger Zeit regelmäßig angehende Maschinenbauingenieure der TH Aachen ihre Praktika bei uns absolvieren.“

Der Handwerksbetrieb ist ein gefragter Problemlöser im Maschinen- und Anlagenbau – und zwar weltweit. Trotz internationalen Renommees sind künftige Führungspositionen bei dieser Firmengröße natürlich rar.

Die Ideen der künftigen Ingenieure jedoch sind bei Löwenkamp willkommen. Hier arbeiten die Teams an unterschiedlichen technischen Problemlösungen sowohl in der Entwicklung als auch in der unmittelbaren Konstruktion. Hochschulpraktikanten werden sofort integriert und können sich bewähren. „Ihre Akzeptanz in den Teams ist hoch“, so Löwenkamp, denn es ist die Regel, dass durch die Hinweise der Praktikanten immer wieder Fertigungsabläufe verbessert, Schweißfolgen verändert, Richtzeiten an den Maschinen verkürzt und damit in nennenswerter Größe Kosten und Zeit eingespart werden.

Der Arbeitgeber hat es selbst in der Hand, ein Praktikum nicht ausschließlich zum Kostenfaktor werden zu lassen. Das weiß auch Gerd Kaspari aus Reken im Münsterland. Der geschäftsführende Gesellschafter der AS Antriebstechnik & Service GmbH aus dem Münsterland setzt auf Hochschul-Praktikanten und Diplomanden. Mit Erfolg. Die 44 Mitarbeiter sind drauf und dran, zum Marktführer in der innovativen Instandhaltung und Modernisierung der Antriebstechnik zu werden. Intelligente Lösungen rund um Getriebe und Schmierung, so Kaspari, fielen nicht vom Himmel. Immer jedoch müsse abgewogen werden, in welchen Firmenbereichen Praktikanten eingesetzt werden.

Das Heranführen an die Arbeitswelt und das Ermöglichen von ersten Eindrücken steht bei Praktika im Vordergrund. Hier hält sich der praktische Nutzen für den Betrieb meist in engen Grenzen. Geht es allerdings wie im Falle des Unternehmens aus dem Münsterland darum, Marktanalysen für Osteuropa zu erstellen, ein Simulations-Modell für Direktantriebe zu entwerfen oder eine Öl-Umlaufschmierung zu entwickeln, empfiehlt sich der Einsatz älterer Studenten mit beruflicher Vorbildung.

Es gilt die Regel: Je früher das Praktikum im Studium angetreten wird, desto geringer sind die Kosten für den Praktikanten. Umgekehrt gilt: Je weiter der Praktikant im Studium vorangeschritten ist, desto größer ist sein Nutzen, der Mehrwert für das Unternehmen. Die AS Antriebstechnik & Service GmbH zahlt für ihre Praktikanten bis zu 500 € pro Monat, zuzüglich Bonus, und liegt damit am oberen Ende der Vergütungsskala.

Für einen Arbeitgeber ist es schwer, den oder die richtigen Studenten als Praktikanten zu finden. Erfolgsstrategien gibt es viele. Zu den Klassikern gehört die Stellenanzeige. Viele Internet-Anbieter offerieren heute eine Praktikantenbörse. Hochschulen bieten Karrierebörsen an, die örtliche Arbeitsverwaltung druckt entsprechende Informationsblätter.

Weniger orthodox ist die punktgenaue Suche nach möglichen Partnern in benachbarten Hochschulen. Unternehmer nutzen die Möglichkeit, gezielt ihre Anzeigen im Stellenaushang oder einer Vermittlungsbörse der passenden Fakultät unterzubringen. Besonders erfolgreich sei das Networking, weiß Karl-Heinz Löwenkamp: „Die meisten Anfragen bekommen wir von Studenten, die sich auf Empfehlung eines unserer ehemaligen Praktikanten berufen.“

Gerd Kaspari empfiehlt Arbeitgebern auf der Suche nach dem passenden Praktikanten den Kontakt zur örtlichen Kammer. Den Unternehmern stünden hier kompetente und erfahrene Berater mit Rat und Tat zur Seite. Auch die eine oder andere Investition ins Hochschulmarketing könnte sich als lohnenswert erweisen.

Eine Betriebsbesichtigung für potenzielle Praktikanten, eine Einladung ganzer Studiengruppen zu einer Fachmesse oder auf eine Montage-Baustelle wirkten Wunder. Und die Kosten hielten sich in Grenzen. „Wir haben uns mittlerweile ein Image als innovatives Unternehmen aufgebaut und pflegen den Kontakt zu den uns wichtigen Hochschulen“, erläutert der Unternehmer aus dem Münsterland. „Bisher haben wir alle Bewerber durch Initiativ-Bewerbungen bekommen.“

Kaspari weiß aber auch: „Nachteilig bei Diplomarbeiten ist oft der wissenschaftliche Touch. Es interessiert Firmen nicht, wie eine Formel hergeleitet wird. Wir lassen den Studenten die Arbeit präsentieren, und zwar nicht mit Power Point, sondern praxisgerecht am Produkt.“

„Ein Unternehmer fragt immer, welchen Benefit habe ich bei welchem Aufwand“, bringt es Gerd Kaspari auf den Punkt. „Der Nutzen hängt davon ab, wie schnell es gelingt, die Studenten zu integrieren.“ Sie brauchen einen direkten Ansprechpartner, müssen in die Teams eingebunden werden und eine exakt definierte Aufgabe sowie entsprechende Verantwortung bekommen. Nicht empfehlenswert dagegen ist die Übertragung von Aufgaben mit einem engen Terminplan. R. MYRITZ

Von R. Myritz

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