Hochschule

Ohne Autonomie keine Wettbewerbsreife

VDI nachrichten, Zürich, 5. 11. 04 -In Kontinental-Europa gilt die Eidgenössisch Technische Hochschule (ETH) Zürich als Maß aller Dinge, insbesondere für Universitäten im benachbarten Deutschland. ETH-Rektor Konrad Osterwalder zieht einen Vergleich, bei dem die hiesige Hochschulpolitik wenig befriedigend abschneidet.

VDI nachrichten: Prof. Osterwalder, Sie sind in Deutschland ein gern gehörter Gast, wenn es um Veranstaltungen wie „Qualitätsmanagement an deutschen Hochschulen“ geht. Warum, glauben Sie, ist das so?
Osterwalder: Zum einen ist es sicherlich immer interessant, auf solchen Treffen eine Stimme aus dem Ausland zu hören, zum anderen haben wir ein sehr gut ausgebautes Managementsystem, das vermutlich in einigen Sequenzen für andere Hochschulen Vorbildcharakter hat.
VDI nachrichten: Was ist das Besondere an Ihrem System?
Osterwalder: Ein Kern dieses Systems ist eine Befragung der Studierenden über die Qualität der Lehrveranstaltungen, die Auskunft gibt über die Leistungen einzelner Lehrkräfte und Fachbereiche. Ein weiteres Modul in diesem System ist die Befragung von ehemaligen Studierenden unserer Hochschule. Hierbei geht es darum, Erkenntnisse über deren Karrierewege sowie unsere Leistungen zu sammeln: Haben Sie das Richtige bei uns gelernt? Was sollten wir an unserem Curriculum ändern? Welche Softskills halten Sie für besonders wichtig? Haben Sie gute oder schlechte Erinnerungen an bestimmte Professoren? Und schließlich werden die Departemente (ähnlich deutschen Fakultäten, die Red.) periodisch durch internationale Fachexperten während einer ganzen Woche analysiert und beurteilt.
VDI nachrichten: In einem Ranking der Shanghai-Jiao-Tong-Universität belegt die ETH Zürich als beste kontinental-europäische Hochschule weltweit den 27. Platz. Die beste deutsche Hochschule folgt erst auf Rang 45. Weltweit wollen Sie unter die Top Ten.
Osterwalder: Wir wollen in einigen Bereichen Platz eins inne haben, in anderen müssten wir uns mit den Plätzen vier oder fünf begnügen. Letztlich heißt das Ziel, die ETH Zürich weltweit unter den Besten zu etablieren, um dazu beizutragen, Europa als Forschungsstandort und Zentrum ausgezeichneter Lehre noch attraktiver zu gestalten.
VDI nachrichten: Warum stehen deutsche Hochschulen im internationalen Vergleich nicht weiter vorne?
Osterwalder: Es muss eine grundsätzlich neue Orientierung geben:
1. Die Qualität muss gesteigert werden, indem sich die deutschen Hochschulen vermehrt dem internationalen Wettbewerb stellen.
2. Wettbewerb bedingt Autonomie und diese ist unmöglich, solange eine Universität eine „nachgeordnete Behörde“ eines Ministeriums ist.
3. Nur eine starke und unabhängige Hochschulleitung ist im Stande, ihre Universität im Wettbewerb zu führen.
4. Der Wettbewerb muss dort der Kooperation weichen, wo diese sämtlichen Beteiligten zum Vorteil gereicht. So wäre eine viel engere fachlich-inhaltliche Zusammenarbeit angezeigt, wo auf engstem Raum spezifische Kompetenzen identifizierbar sind: zum Beispiel zwischen den drei Berliner Hochschulen, aber auch zwischen den drei nordbadischen Hochschulen Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim mit ihren jeweils klaren Profilen. Ein gutes Beispiel regionaler, länderübergreifender Zusammenarbeit ist der Evaluationsverbund, dem unter Leitung der ETH Zürich die TU Darmstadt, die TU Kaiserslautern und die TH Karlsruhe angehören. In diesem Verbund werden Benchmarks gesetzt, die immer wieder zu einschneidenden Veränderungen Anlass geben.
VDI nachrichten: Wie stehen Sie zu dem Gedanken der in Deutschland debattierten Elite-Unis?
Osterwalder: Ich finde den von Bundeskanzler Schröder initiierten Elite-Ansatz nicht allein wegen der Begriffswahl sehr fragwürdig. Eine festgelegte Anzahl wäre nicht das logische Produkt eines Wettbewerbs. Um Elite zu fördern, muss man mit kleineren Einheiten anfangen, etwa mit Fachbereichen. So entstehen unter Bereitstellung von Fördergeldern Elite-Institute oder Elitefakultäten, die bundesweit verteilt sind und sich dem „Elite-Wettbewerb“ stellen. Voraussetzung ist, dass eine Hochschule zur Umsetzung ihrer Ziele sowie zur Profil- und Schwerpunktbildung über eine möglichst hohe Autonomie verfügt. Diese Autonomie verschafft der ETH Zürich seit Jahrzehnten einen Wettbewerbsvorteil. An der Modellhochschule TU Darmstadt wird der Prozess der Autonomisierung vorbildhaft initiiert.
VDI nachrichten: Welche Voraussetzungen müssen zu einem solchen „Befreiungsakt“ gegeben sein?
Osterwalder: Das schafft eine Hochschule nicht allein. Ohne die Bereitschaft von Hessens Ministerpräsident Roland Koch und seinem Wissenschaftsminister Udo Corts loszulassen, wäre die Modernisierung einer Uni wie der TU Darmstadt nicht möglich.
VDI nachrichten: Welchen Stellenwert nehmen die Abschlüsse Bachelor und Master an der ETH Zürich ein?
Osterwalder: Unsere Philosophie ist – und damit gehen wir konform mit anderen schweizerischen Universitäten -, dass der Master der Regelabschluss an allen Universitäten ist. Der Bachelor dient entweder als Grundlage für ein Masterstudium, mit der Option, in Firmen Praxiserfahrung zu sammeln, oder er bietet die Möglichkeit, an einen anderen Studienort oder in eine andere Studienrichtung zu wechseln.
VDI nachrichten: Sie haben Hochschulen davor gewarnt, bei der Rekrutierung ausländischer Studierender nicht zum „Überlaufgefäß der USA“ zu werden. Was meinen Sie damit?
Osterwalder: Bislang gehen die besten Studenten und Wissenschaftler in die USA, die Zweitbesten nach Europa. Das müssen wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln ändern. Wir dürfen uns nicht scheuen, ähnliche Anforderungsprofile anzusteuern wie etwa das MIT, Harvard oder Stanford.
VDI nachrichten: In Deutschland herrscht Ingenieurmangel. Die Diskussion darf doch deshalb nicht nur in Richtung Qualität gehen, sie muss auch die Quantität berücksichtigen.
Osterwalder: Die europäische Hochschullandschaft wird sich in den kommenden Jahren weiter differenzieren: Auf der einen Seite wird es eine kleinere Anzahl an Hochschulen geben, die sich im internationalen Wettbewerb misst, andererseits eine größere Zahl meist lokal agierender Hochschulen, die eine breitere Masse angehender Ingenieure gut ausbildet. So können Breite und Spitze bedient werden.W. SCHMITZ

Von Schmitz

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