Ausbildung

OECD Bildungsbericht stößt auf Kritik

Ist eine gute Ausbildung auch immer eine akademische? Die Schlussfolgerungen, die der am Dienstag vorgestellte Bildungsbericht der Industrieländer-Organisation OECD zieht, legen dies nahe. Zwischen 1995 und 2010 sei der Anteil derer, die in Deutschland ein Studium beginnen, von 26 % auf 42 % eines Altersjahrgangs geklettert. Der OECD reicht das nicht. 2010 betrug der Durchschnittswert bei den Studienanfängern in den Industrieländern 62 %.

Kritik äußert die Studie auch an der geringen Karrieremotivation der Jugend hierzulande. 22 % der jungen Erwachsenen in Deutschland schlössen ihre Ausbildung mit einem niedrigeren Niveau ab als ihre Eltern. Im OECD-Durchschnitt läge diese „Abwärtsmobilität“ bei 13 %.

Das sind Aussagen, die Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen aus dem Bundesbildungsministerium in Rage bringen: Was sei daran so schlimm, wenn ein Kind aus einem Akademikerhaushalt eine nicht-akademische Karriere wähle? Das als „Abwärtsmobilität“ zu bezeichnen, „finde ich ein Unding in der Bezeichnung…Eine erfolgreiche Ausbildung heißt in Deutschland nicht nur Abitur und Hochschulbildung“.

DIW-Studie betont Wirksamkeit betrieblicher Ausbildung

Die Wirksamkeit betrieblicher Ausbildung betont die Studie „Jugendarbeitslosigkeit in Europa“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). In Deutschland hätten Jugendliche mit einem Berufsabschluss keine schlechteren Jobchancen als ausgebildete Erwachsene in anderen Ländern, die stärker auf schulische und hochschulische Ausbildung setzten, sei dagegen unter den Qualifizierten die Arbeitslosenquote der Jugendlichen bis zu viermal höher als die der Erwachsenen.

DIW-Forscher Karl Brenke hält wenig von einer Klassifizierung, wie sie die OECD mit der Betonung aufs Studium vornimmt. „Die Industrie ist in Deutschland tragende Säule der Wirtschaft. Um diese aufrecht zu erhalten, sind breite Qualifikationen notwendig – vom Facharbeiter bis zum Ingenieur.“ Zwar würden Akademiker meist besser bezahlt, aber ein Facharbeiter bei Daimler brauche sich in dieser Hinsicht nicht hinter einem Bauingenieur zu verstecken.

Für eine Neuausrichtung traditioneller Karrierewege reicht es noch nicht: Dass die handwerklich begabte Arzttochter sich für eine Mechatronikerausbildung entscheidet, der wissenschaftlich interessierte Sohn eines Betonbauers für ein Studium, ist laut OECD in Deutschland seltener der Fall als in anderen Ländern.

Jeder fünfte Facharbeiter ist in einem unterqualifiziertem Job tätig

Die Garantie für das berufliche Glück ist eine solide Ausbildung keineswegs, wie eine Studie der Universität Hohenheim im Auftrag der IG Metall belegt. „Fast ein Fünftel aller Erwerbstätigen in Deutschland mit abgeschlossener Berufsausbildung (Facharbeiter) oder Hochschulstudium sind unterhalb ihrer erworbenen Qualifikation beschäftigt“, heißt es.

Nur 45 % der Hochschulabsolventen mit einem Bachelorabschluss in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern fühlten sich „als voll adäquat zu ihrer Ausbildung“ eingesetzt. Schuld daran sei häufig die Personalpolitik in den Unternehmen, die die Qualifikationen nicht nutze. Ein Beispiel dafür sei der Universitätsingenieur, der durch Routineaufgaben in Verwaltung oder Fertigung gebunden sei.

  • Wolfgang Schmitz

    Wolfgang Schmitz

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Bildung, Karriere, Management, Gesellschaft

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