Hochschule

Nicht jeder eignet sich zum Master

VDI nachrichten – Welchen Rahmen die Politik in Nordrhein-Westfalen den dortigen Hochschulen vorgibt, um die neuen Studiengänge Bachelor und Master praxisorientiert und international übertragbar zu machen, verriet Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft unseren Lesern per Telefon und Internet-Chat. Die Befürchtung vieler Kritiker, die Reform werde der Qualität von Diplom-Studiengängen nicht gerecht, kann Hannelore Kraft nicht teilen.

Welche Intentionen verfolgt die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge? Ist es nur die Umetikettierung traditioneller Abschlüsse oder handelt es sich um eine Studienstrukturreform, die neue Studien- und Abschlussmöglichkeiten eröffnet?

Hannelore Kraft: Mit der Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge ist eine durchgreifende Reform der Studieninhalte verbunden. Die Curricula werden „entrümpelt“, modernisiert und damit aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasst. Damit wird nicht alter Wein in neuen Schläuchen angeboten, sondern es handelt sich um eine echte Studienstrukturreform.

Hannelore Kraft
Die Sozialdemokratin ist seit November 2002 in Nordrhein-Westfalen Ministerin für Wissenschaft und Forschung. Die Wirtschaftswissenschaftlerin war zuvor Ministerin für Bundes- und Europa-Angelegenheiten.

Wie steht es mit der Vergleichbarkeit der Abschlüsse innerhalb Deutschlands, Europas und den USA?

Hannelore Kraft: 40 europäische Staaten haben sich im Rahmen des Bologna-Prozesses darauf verständigt, das gestufte Studiensystem mit den Abschlüssen Bachelor und Master einzuführen. Verbunden damit ist die grundsätzliche Anerkennung der gegenseitigen Abschlüsse. Die Qualität des Studiums wird durch die Akkreditierung bei einer unabhängigen Akkreditierungsagentur sichergestellt. Dort überzeugen sich unabhängige Experten von der Qualität des Studienangebotes. Die Akkreditierung wird nur erteilt, wenn die Qualität festgestellt wird.

Ich bin diplomierter Wirtschaftsingenieur und bewerbe mich zurzeit in der Wirtschaft um meine erste Position. Welchen Stellenwert hat mein Diplom im Vergleich zu den neuen Abschlüssen Bachelor und Master?

Hannelore Kraft: Bachelor- und Masterstudiengänge sind anders strukturiert als herkömmliche Diplomstudiengänge deswegen ist ein unmittelbarer Vergleich nicht ohne weiteres möglich. Es kommt auf die Studieninhalte an.

Wie werden die Abschlüsse der Berufsakademien bei der Diskussion im Bachelor und Master berücksichtigt? Mutieren die BA-Diplome zu Abschlüssen dritter Klasse ?

Hannelore Kraft: Mit dieser Frage hat sich auch die Kultusministerkonferenz vor kurzem befasst. Danach dürfen auch die Berufsakademien Bachelor- und Master-Studiengänge anbieten, wenn der Wissenschaftsrat sich von der Qualität überzeugt hat. Er wird entsprechende Untersuchungen bei den Berufsakademien vornehmen. Eine Einstufung der BA-Diplome lässt sich pauschal nicht vornehmen. Entscheidend sind sicher die individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen der Absolventen.

Der Bachelor ist minderwertig. Die USA und Kanada haben verlauten lassen, solche „Ingenieure“ nicht anzuerkennen. Nur der Master wird also ein echter Ingenieur werden.

Hannelore Kraft: Die internationale Akzeptanz der Bachelor- und Masterstudiengänge bezieht sich nicht nur auf die europäischen Länder. Es wurden bereits Gespräche mit den amerikanischen Akkreditierungsagenturen aufgenommen, die die breite gegenseitige Anerkennung sicherstellen werden.

Ich habe vor, in Aachen Maschinenbau zu studieren. Bei einem Vorbereitungsgespräch teilte mir ein Professor mit, ich sollte mir keine Sorgen machen, Bachelor und Master wird es nie geben, der Dipl.-Ing. bliebe weiterbestehen. Nun bin ich stark verunsichert.

Hannelore Kraft: In Nordrhein-Westfalen werden spätestens ab dem Wintersemester 2007/2008 alle Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt sein. Das gilt auch für den Maschinenbau in Aachen. Das ist in der Zielvereinbarung, die wir jüngst mit der RWTH Aachen beschlossen haben, geregelt. Es gibt keinen Grund, verunsichert zu sein.

Ich studiere an einer Fachhochschule Elektrotechnik. Bei der aktuellen Diskussion verwirrt mich, mit welchen Abschlüssen wir Studenten künftig Hochschulen und Fachhochschulen verlassen werden. Wird es Bachelor/Master FH und Bachelor/Master TU geben?

Hannelore Kraft: Es wird Bachelor und Master an Fachhochschulen und Universitäten geben. An den Unis wird es sicherlich Master geben, die primär wissenschaftsorientiert sind, d. h. auf eine wissenschaftliche Laufbahn hinauslaufen. Aber auch dort wird es berufsorientierte Master geben, während an den Fachhochschulen fast ausschließlich berufsorientierte Master entstehen werden. Grundsätzlich gibt es aber eine Durchlässigkeit von Bachelor an Fachhochschulen zu Universitäts-Master. Allerdings ist zum Master immer eine Qualitätshürde zu überwinden (Zugangsprüfung, Einzelgespräche etc.).

Die TU 9-Rektoren (die größten Technischen Universitäten in Deutschland haben sich zum Verbund „TU 9“ zusammengefunden, die Red.) haben den Master als Regelabschluss für ihre Universitäten vereinbart. Dies würde einen durchgehenden 5-jährigen Masterstudiengang voraussetzen. Wird das in NRW ermöglicht?

Hannelore Kraft: Die TU 9 haben im Dezember 2004 mit der Kultusministerkonferenz vereinbart, dass der Bachelor auch in den Ingenieurwissenschaften für die Mehrzahl der Studierenden zum ersten Berufseintritt führt. Die Verlängerung, die Sie ansprechen, sehen wir nicht, da wir hier in ein völlig neues System wechseln werden. Die Wirtschaft hat immer wieder von uns gefordert, die Absolventen schneller und berufsorientierter zu qualifizieren. Das tun wir nun und wir sind deshalb zuversichtlich, dass der Markt uns auch Bachelor-Ingenieure abnehmen wird.

 In Nordrhein-Westfalen soll das BA-Regelstudium sechs Semester dauern. Dieses Zurechtstutzen des einstmals, vor allem bei Ingenieuren, so erfolgreichen Diplomstudienganges kann ich nicht nachvollziehen. Es dürfte unserem Land nur wirtschaftlichen Schaden zufügen.

Hannelore Kraft: Bei uns in NRW lautet die Regel sechs Semester für den Bachelor. Diese werden allerdings „dichter gepackt“ als die bisherigen Studiengänge. Somit ergibt sich kein Zurechtstutzen. Das mancherorts übliche Praxissemester bleibt weiterhin möglich, allerdings gibt es dafür keine zusätzlichen Ressourcen. Die Reform dient der gegenseitigen Anerkennung in der EU und darüber hinaus. Dies ist für die erwünschte Mobilität unserer Studierenden mehr als sinnvoll, gerade in einer globalisierten Wirtschaft. Ich sehe keinen Schaden für unser Land. Entscheidend wird die Qualität der Inhalte sein. Hieran müssen alle mitarbeiten. Auch in dem neuen System sollten wir die Vorzüge unserer Art zu studieren aufrechterhalten.

Was ist eigentlich Sinn des Diploma Supplements? Was steht da drin?

Hannelore Kraft: Das Diploma-Supplement ist ein Zusatz zum Abschlusszeugnis. Darin bestätigt die Hochschule die vermittelten Inhalte des Studiums. Das Diploma-Supplement soll für mehr Transparenz an der Hochschule und in der Wirtschaft sorgen. Umfang und Inhalt werden von den Hochschulen festgelegt.

In Diskussionen – auch mit Hochschulprofessoren – taucht immer wieder die These auf: Nur 30 % bis 40 % der Bachelor-Absolventen würden zum Master-Studium gelangen.

Hannelore Kraft: Auch in Nordrhein-Westfalen wird nicht jeder Bachelor einen Master machen können. Hierfür reichen unsere Ressourcen nicht aus. Es wäre auch nicht sinnvoll, da die Wirtschaft jüngere Absolventen erwartet. Da das Kapazitätsrecht bzw. das Verfassungsgericht uns vorgibt, einen Großteil der Ressourcen für den Bachelor zu reservieren, ergibt sich hieraus eine „Restgröße“ für den Master und für das strukturierte Promotionsstudium. In NRW werden rund jeder zweite Studienanfänger an Universitäten und zirka 30 % aller Anfänger an Fachhochschulen die Möglichkeit haben, einen Master draufzusetzen. Damit sind wir bundesweit an der Spitze. Bei uns werden die Hochschulen selbst entscheiden, wie sie ihre Kapazitäten einsetzen, wo sie Master anbieten. Eingespart wird von Landesseite nichts. Wir halten unsere Zusagen des Qualitätspaktes.

 

Von Wolfgang Schmitz

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