Hochschule

Neue Heimat für Visionen  

VDI nachrichten, Darmstadt, 30. 5. 08, ws – Die Exzellenzinitiative beglückt Universitäten mit Forschungsgeldern. Der Aufbau von Clustern konfrontiert sie aber auch mit neuen Herausforderungen. Drei Beispiele, wie Wissenschaftler in Darmstadt, München und Saarbrücken damit umgehen.

Bald strahlt ein Leuchtturm auf der Lichtwiese der Darmstädter TU. In neuen Gebäuden werden exzellente Wissenschaftler aus aller Welt interdisziplinär „Smart Interfaces“ erforschen. „Intelligente Grenzflächen: Verständnis und Gestaltung von Strömungsberandungen“ ist der Exzellenzcluster überschrieben, eines von 37 bundesweit.

In dem Darmstädter Exzellenzcluster werden rund 100 Wissenschaftler arbeiten, dazu werden sieben Professoren berufen. Symbolisch und praktisch umgeben von den Gebäuden der beteiligten Fachbereiche: Chemie, Physik, Mathematik, Materialwissenschaften und Maschinenbau, finanziert mit jährlich 6,5 Mio. € aus Mitteln der Exzellenzinitiative.

„Das setzt einen neuen Schwerpunkt an der Universität“, erklärt Cluster-Leiter Peter Stephan, Professor für Maschinenbau. „Es bündelt visionäre Gedanken über Fakultätsgrenzen hinweg und setzt neue Kräfte frei“, umschreibt er die Stimmung in Darmstadt.

Sofort nach Genehmigung des Exzellenzclusters im Oktober 2007 legte man los. In Rekordzeit wurden Gebäude genehmigt. Um keine Zeit zu verlieren, wird man innerhalb weniger Wochen Container-Provisorien in Stahl-Modulbauweise auf einem Uni-Gelände aufstellen. Ein neues „Zentrum“ entsteht.

Die Clustergruppe befasst sich mit Strömungsberandungen. Das Ziel: neue Materialien entwerfen und intelligente Oberflächen nutzen, um den Transport von Wärme, Gasen oder Flüssigkeiten effizient zu steuern. Wichtige Themen mit großem Interesse der Industrie, ob Orangensaft-Konzentrat oder Windräder, Turbinen, Kühlung von Laptops oder Inkjet-Patronen.

Die Forschungen werden in den Branchen Chemie, Aerodynamik, Energie- und Verkehrstechnik, Automobil, Luft- und Raumfahrt genau verfolgt. Theorie und Experiment sollen sich gegenseitig befruchten. „Wir wollen in ein paar Jahren als internationales Team an der Spitze stehen“, so die Sprecher Peter Stephan und Cameron Tropea.

TUD-Präsident Hans Jürgen Prömel ist überzeugt: „Diese Selektion von Forschungsgebieten verändert das Gesicht einer Universität nachhaltig, die Umsetzung bedeutet einen Kraftakt und Strukturveränderungen.“ Ein Schub, der neue Forschungskapazitäten freisetze, Fächer enger zusammenbringe.

Die Aufgabe der Universität heißt: Schnell reagieren, aber die Kontinuität nach Ablauf der Förderung nicht aus den Augen verlieren. Beispiel Berufungsverfahren. Hier kann die TUD durch ihre autonome Verfassung Verfahren abkürzen und konsequentes Headhunting betreiben.

Wichtig ist, den Bewerbern Perspektiven zu bieten und dauerhafte Stellen an der Universität finanziell zu sichern. Trotz der Euphorie sagt Prömel: „Wir werden nicht die ganze Forschungslandschaft clustern, wir brauchen auch die kleinen Projekte und die Förderung einzelner Wissenschaftler.“

Lebten Forscher mit ihren Projekten oft von der Hand in den Mund, lernen sie jetzt, üppige Mittel einzusetzen, ihr Cluster über Jahre dynamisch zu halten. Sie setzen sich mit Verstetigung auseinander, bauen Strukturen auf, stellen ein, schaffen neue Stellen. Cluster-Boards entstehen, Gebäude schießen aus dem Boden. Alle wollen teilhaben an den starken Impulsen, die von den Exzellenzinitiativen ausgehen.

Markus Zanner vom Planungsstab der TU München (TUM) sieht die Entwicklung gelassen. „Cluster haben wir schon immer gehabt, die hießen nur nicht so.“ Das Problem sei, dass sich die Fakultäten thematisch einengen, neue Forschungsvorhaben würden es schwerer haben. Was im Trend liegt, würde von der DFG gefördert, High-Risk-Themen brauchten andere Fördertöpfe. „Für Astro- oder Nano-Physik sind Cluster ein wirklich gutes Format, denn damit kann man richtig groß einsteigen, die brauchen diese Masse.“

Die TUM mietete freistehende Räume der Max-Planck-Gesellschaft für den Cluster „Kognitives Denken“. Ein Glücksfall. Hier forschen Ingenieure gemeinsam mit Neurowissenschaftlern an den Schnittstellen kognitiv-technischer Systeme, etwa mit Robotern, die sich selbst ihren Weg suchen.

„Die Faktoren Kosten und Zeit drängen“, sagt Zanner, doch vermittelt die gute finanzielle Cluster-Förderung eine gewisse Gelassenheit. Viele Wissenschaftler schätzen gute Sachmittelausstattung, angenehme Arbeitsbedingungen, hohes Prestige, starke Wahrnehmung, die wiederum den „Marktwert“ der Forscher erhöht und damit die Fluktuation. Berufungsverfahren kosten Energie, professionelles Professoren-Recruiting ist gefordert.

In Darmstadt entsteht ein neues Zentrum, anderswo stockt man die Forschung auf, wieder andere Unis fördern den Nachwuchs für die Lehre. Beispiel Saarbrücken. „Es muss klar sein: Hier ist das Zentrum für Informatik“, sagt Hans-Peter Seidel vom Saarbrücker Kompetenzzentrum, wo dieser Schwerpunkt schon längst vor dem Cluster etabliert war.

Hier arbeitet die Uni eng verzahnt mit dem Max-Planck-Institut für Softwaresysteme, dem für Informatik und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) zusammen. Ziel sei, möglichst viele Nachwuchsforscher aus dem In- und Ausland zu berufen. Bisher sei dies bei 80 Wissenschaftlern gelungen. Hans-Peter Seidel: „Junge Wissenschaftler gehen dorthin, wo sie für ihre wissenschaftliche Entwicklung die besten Perspektiven sehen und wo die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen.“

Vorlauf ist nötig, bevor ein Antrag den Zuschlag erhält, vielleicht ein Grund, warum nur wenige Anträge aus den östlichen Bundesländern zum Zug kamen. Seidel erklärt: „Dazu ist langer Atem nötig, das muss man aufbauen, manchmal 20 Jahre.“ MARIA M. HELD

Von Maria M. Held

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