Hochschule 08.11.2002, 18:22 Uhr

. . . und nebenher die Forschung

Ohne seine Hauptaufgabe, die Lehre, zu vernachlässigen, hat Mohammed As-Souni die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft mächtig angekurbelt. Dafür erhielt der Professor der Fachhochschule Kiel jetzt den Technologietransferpreis.

Viel Wirbel um seine Person macht Dr. Mohammed Es-Souni (48) nicht. Der Professor der Fachhochschule Kiel ist ein bescheidener Mann, der nur seine Ideen realisieren und seine Neugier auf das technisch Machbare befriedigen möchte. Dass er dafür seine Freizeit opfert, ist für ihn selbstverständlich. Seine tarifliche Arbeitszeit reicht bei weitem nicht aus.
Etliche Patente, umfangreiche Kontakte zu Hochschulen im Ausland, Unterstützung von Start-ups und zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze realisiert der gebürtige Marokkaner quasi nebenbei. Allein in den vergangenen fünf Jahren führte er zehn Kooperationsprojekte mit Unternehmen in ganz Deutschland durch, für die er öffentliche Gelder einwarb. Allein in diesem Jahr meldete er zwei Patente an. Nebenbei betreut er Promotionsarbeiten in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Für dieses Engagement ist Es-Souni am vergangenen Donnerstag von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein mit dem 10 000 € dotierten „Technologietransferpreis“ ausgezeichnet worden.
„Technologietransfer und Kooperation mit der Wirtschaft gehören ebenso zu den Aufgaben von Hochschulen wie Forschung und Lehre“, betont der Direktor der Technologiestiftung, Prof. Dr. Hans-Jürgen Block. Eine Selbstverständlichkeit ist dies jedoch nicht. „Wir wollen daher Professoren auszeichnen, die sich für kooperative Forschungsprojekte und die Anwendung neuer Erkenntnisse in der Wirtschaft engagieren.“
Das Spezialgebiet von Es-Souni sind Funktionsmaterialien und ihr Einsatz in der Medizintechnik und in der Entwicklung von Sensoren. Davon profitieren vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die kaum Kapazitäten für Forschung und Entwicklung haben. Es-Souni: „Ich glaube, dass viele Firmen in erster Linie mit dem Überleben beschäftigt sind.“
Der Technologietransfer von den Hochschulen in die Wirtschaft ist für Es-Souni ein zwangsläufiger Prozess. Da er keine reine Grundlagenforschung betreibt, „führt die Forschung immer auf die Entwicklung eines Produktes hinaus“. Nicht immer ein reibungsloser Vorgang, da die Industrie detaillierte Vorstellungen habe, die wenig Abweichungen dulden. Zurzeit ist Mohammed Es-Souni mit der Materialentwicklung eines Infrarotsensors beschäftigt, der die Körperwärme erfasst und in Bewegungsmeldern oder Wärmekameras zum Einsatz kommen soll.
Bevor seine Forschungsansätze in einem Produkt verwirklicht werden, muss Es-Souni vor allem Überzeugungsarbeit leisten. „Ich würde mir wünschen, dass mehr Unternehmen auf uns zukommen.“ Viele Firmen wüssten nicht, welches Potenzial in den Hochschulen vorhanden sei. Von der engen Zusammenarbeit mit der Wirtschaft würden auch die Studenten profitieren, sagt der Professor. „So werden praktische Lösungsansätze in die Vorlesungen eingebracht.“
Auch in den Fachhochschulen läge viel Potenzial brach, von dem die Unternehmen wenig Gebrauch machten. Viele seiner Kollegen verfügen zwar über Industrieerfahrung, „ihr praktisches Wissen nutzen sie jedoch nicht für den Technologietransfer, da ihnen die Zeit fehlt“. Im Vergleich zu den Universitäts-Kollegen verbringen die Professoren an den Fachhochschulen nicht nur mehr als doppelt so viel Zeit mit der reinen Lehre, sie müssen auch alle administrativen Aufgaben selbst erledigen. Das fängt mit der Erledigung der Post an und reicht bis zur regelmäßigen Berichterstattung über den Ablauf von Projekten. Über eine Entlastung durch einen wissenschaftlichen Mitarbeiter würde sich Es-Souni freuen. Er weiß, dass die Kassen in Schleswig-Holstein leer sind. „Aber dies ist nur ein Wunsch, der wohl nicht realisierbar ist.“ Zur Zeit überprüft eine Expertenkommission die Hochschulen im Land, um Einsparpotenziale aufzuspüren. Das Ergebnis wird im kommenden Jahr präsentiert.
ANGELA SCHMID

Mohammed Es-Souni
. . . studierte und promovierte in Frankreich. Von 1987 bis 1993 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht. 1993 wurde er an die Fachhochschule Kiel berufen, wo er im Fachbereich Maschinenwesen das Institut für Werkstofftechnologie mit den Laboren der Oberflächentechnik, Werkstoffprüfung und Schweißtechnik leitet. Das Institut kooperiert eng mit der Wirtschaft. 1992 zeichnete die International Metallographic Society Prof. Es-Souni mit dem „Best Paper Award“ aus. AS

Ein Beitrag von:

  • Achim Scharf

    Ingenieur Achim Scharf ist Fachjournalist für Technikthemen und schreibt u.a. über Automation, Elektronik und IT-Themen.

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