Ingenieurstudium

Naturwissenschaft und Technik von Frau zu Frau

70 Schülerinnen erhielten beim Infotag am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Einblicke in die wissenschaftliche Welt der Technik. Die meisten fühlten sich nach diesem Tag in ihrer Absicht bestätigt, Ingenieurin zu werden.

Lara Bopp ist eine echte Exotin. Als Leistungsfächer für das diesjährige Abitur hat die Zwölftklässlerin des Mosbacher Nicolas-Kistner-Gymnasiums Mathematik und Physik gewählt und deshalb sitzt sie in einer von Jungs dominierten Klasse. Immer wieder muss sie sich Sprüche wie „Frauen verstehen doch nichts von Technik“ anhören.

An Bopp prallen solche Bemerkungen ab. Denn sie will Ingenieurin werden. Dass sie in den Vorlesungen erneut in der Minderheit sein wird, schreckt sie nicht. Im Gegenteil.

Beim Infotag für Schülerinnen am Karlsruher Institut für Technologie war Bopp nicht alleine. 70 Abiturientinnen informierten sich über Berufsaussichten von naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen. Initiiert wurde der Tag vom Netzwerk Wissenschaftlerinnen am KIT (WiKIT).

Das Ziel des Informationstags: die bei Mädchen oft vorhandene latente Hemmschwelle vor Naturwissenschaft und Technik abzubauen und sie für ein Studium zu begeistern. In kaum einem Fach mit naturwissenschaftlichem Hintergrund liegt der Frauenanteil unter den Mitarbeitern im zweistelligen Prozentbereich, lediglich bei den Biologen sind es knapp 30 %. Bei den Physikern beträgt der Frauenanteil 10 %, in den Ingenieurfächern Maschinenbau und Elektrotechnik ist er noch geringer.

Die Zahlen bei den Studierenden sehen ähnlich aus, meint die Gleichstellungsbeauftragte Britta Bergfeldt: „Biologie ist das einzige naturwissenschaftliche Fach, bei dem weibliche Studierende in der Überzahl sind. Bei Mathe, Physik, Chemie und den Ingenieurfächern stellen Frauen die absolute Minderheit dar.“

Mit Aktionen wie dem Abituriententag wollen Bergfeldt und ihre Mitstreiterinnen solche Strukturen aufbrechen. Optimistisch stimmt, dass sich die Teilnehmerinnen freiwillig für den Kurzausflug in die Technik melden und dass sich bei Arbeitsplatzbesichtigungen in Kleingruppen sowie bei der Expertinnenrunde die Möglichkeit ergibt, Fragen zu frauenspezifischen Themen zu stellen.

„Oft stehen die Wahl zwischen dualer Hochschule, Fachhochschule und Universität sowie die Unterschiede zwischen Bachelor und Master im Mittelpunkt“, so Bergfeldt. Aber bei Abiturientinnentagen in den letzten Jahren hätten die Teilnehmerinnen auch nach der Vereinbarkeit von Kind und Karriere gefragt.

Bei der Wahl der Hochschule sollte sich jede Studentin zunächst über die eigenen Ziele im Klaren sein, empfiehlt Karin Schmurr, Studienberaterin am KIT. „Die duale Hochschule ist vor allem dann zu empfehlen, wenn jemand anschließend in dem Betrieb, in dem er während des Studiums war, auch weiterhin arbeiten will.“ Zudem sei das bezahlte Studium aus finanziellen Aspekten eine Überlegung wert.

Wer sich aber eine Promotion oder einen Master-Abschluss zum Ziel setze, sollte sich besser an einer Universität einschreiben. Für Diplomingenieurin Liane Reinschmidt vom Institut für Angewandte Informatik ist die Hochschulwahl auch ein Stück weit Typsache. Der anonyme Universitätsbetrieb, der viel Selbstständigkeit erfordere, sei „nicht jedermanns Sache“. Verschulte Studiengänge an Fachhochschule und dualer Hochschule seien dagegen Garanten für einen „Abschluss in drei Jahren.“

Einige der Abiturientinnen sind unsicher, für welches Ingenieurfach sie sich einschreiben sollen. Hier kann Sonja Mülhopt vom Institut für Technische Chemie Entwarnung geben. „Ob Elektrotechniker, Maschinenbauer, Verfahrenstechniker oder Wirtschaftsingenieure: Für alle gibt es während des Grundstudiums fast dieselben Vorlesungen.“ Weil dort das theoretische Fundament für den wissenschaftlichen Werdegang gelegt werde, sei ein Wechsel innerhalb der Fakultäten meist ohne größere Probleme und durch ein bis zwei zusätzliche fachspezifische Klausuren möglich.

Wegen der erhofften Vereinbarkeit von Familie und Beruf könnten aber einige Erwartungen der angehenden Akademikerinnen enttäuscht werden, warnt Bibliothekarin Claudia Kramer. Eine wissenschaftliche Karriere an einer Universität erfordere große zeitliche und räumliche Flexibilität, der Traum vom „Häuschen am Stadtrand mit den Blumen im Garten“ sei damit schwer unter einen Hut zu bringen. Außerdem erschwerten die oft auf wenige Jahre abgeschlossenen Arbeitsverträge die Zukunftsplanung. „Dafür seid ihr hoch qualifiziert, immer gefragt und der Job ist spannend“, will Kramer keine zusätzlichen Ängste schüren.

Auch in puncto Sprachkompetenz sollten sich die Schülerinnen keine allzu großen Sorgen machen. Einigermaßen flüssiges Englisch genüge, so der Tenor der Wissenschaftlerinnen. Denn die Englischkenntnisse von Franzosen, Japanern oder Chinesen seien meist keinen Deut besser und Amerikaner seien selten einer Fremdsprache mächtig.

Anstatt Kurse für technisches Englisch zu besuchen, sollten die Akademikerinnen von morgen lieber nach dem Motto „Trau dich“ verfahren und einfach drauflossprechen. Und weil Übung schließlich den Meister mache, sei ein Auslandsaufenthalt während des Studiums alleine wegen der Sprachkompetenz immer zu empfehlen.

Für Jasmin Frietsch und Charlotte Armansperg hat sich der Tag am KIT gelohnt. Die Elftklässlerinnen der Klosterschule in Baden-Baden liebäugelten schon vorher mit einem Studium in Richtung Chemie oder Chemieingenieurwesen. Die neuen Eindrücke haben sie bestärkt.

Und genau das sei auch das Ziel dieses Tages, weiß Organisatorin Julia Ehlermann: „Wir wollen Einblicke in den Berufsalltag von Wissenschaftlerinnen geben. Wie viel Zeit verbringen sie am Schreibtisch, wie viel im Labor. Und dass es Frauen sehr wohl schaffen, dabei ihren Mann zu stehen.“ EKART KINKEL

Von Ekart Kinkel

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