Hochschule

Mit dem Solarauto „SolarWorld GT“ auf Weltreise

Bochumer Ingenieurstudenten wissen, dass Stillstand Rückschritt ist und schufen mit ihren Solarcars immer wieder neue mobile Hightechprodukte. Derzeit sind sie mit „SolarWorld GT“ auf Welttournee und sorgen auch bei Monarchen für große Augen.

Tim Ewering hat wenig Zeit. Er ist in Eile und plant gerade die Reise mit dem Solarcar „SolarWorld GT“ nach Osteuropa und Asien. Eine Aufgabe, die für ihn nichts Neues ist, denn der 24-jährige Wirtschaftsstudent im Masterstudiengang an der Hochschule Bochum gehört zum hochschuleigenen Solarcar-Team, das es dort seit über zehn Jahren gibt.

Gerade befindet sich „SolarWorld GT“ auf großer Weltreise: Im Oktober 2011 ging es mit dem Sonnenwagen in Australien los, im November 2012 möchte das Team samt Auto dort wieder ankommen. Bis dahin gibt es noch jede Menge organisatorische Probleme zu lösen: „Die Einreisebestimmungen für Russland und China sind sehr kompliziert hier müssen viele Regularien beachtet werden. Das Solarcar und die Begleitfahrzeuge werden neu angemeldet und die Zollbehörde wird unsere Anträge vor Ort prüfen. Das kostet uns Zeit und Geld.“

Aber das kann das Team, bestehend aus Studierenden der unterschiedlichen Hochschulfachbereiche, wie Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen, nicht mehr erschüttern.

Studenten nehmen mit Solarauto “SolarWorld GT” an internationalen Rennen teil

Die Technikliebhaber haben jahrelange Erfahrungen, bauen an „ihrer“ Hochschule mit „ihren“ Professoren zusammen Solarfahrzeuge, um mit diesen Sonnenflitzern an internationalen Rennen in Amerika und Australien teilzunehmen – oder um auf Weltreise zu gehen. Dabei wechseln die Gefährte. Solarfahrzeug Nummer fünf ist gerade in Arbeit.

„SolarWorld GT“ fährt, wie auch sein Vorgänger Bocruiser, auf vier Rädern. Das ist ungewöhnlich für diesen Fahrzeugtyp, denn die meisten Solarrennwagen bewegen sich nur auf drei Rädern vorwärts. „Dieses neue Auto ist – im Vergleich zu den vorherigen Fahrzeugen – viel besser konstruiert es ist leichter, aerodynamischer, alltagstauglicher“, erklärt Tim Ewering.

Im vergangenen Jahr wurde „SolarWorld GT“ beim internationalen Rennen der World Solar Challenge in Australien mit dem Design Award als schönstes Solarfahrzeug der Welt ausgezeichnet. Auf dem Dach und auf dem langgezogenen Heck befinden sich 3 m2 Solarzellen, die bei direkter Sonneneinstrahlung eine Leistung von über 700 W erbringen und etwa 110 000 € gekostet haben.

Die Fertigung von „SolarWorld GT“ erfolgte in der Mechanischen Werkstatt der Hochschule Bochum. Das Fahrzeug hat einen Gesamt-Materialwert von 350 000 € und wurde für eine Weltumrundung konstruiert, die bisher einmalig in der Geschichte der Solarfahrzeuge ist. „Wir wollen die Leistungsfähigkeit und die Alltagstauglichkeit von Fahrzeugen mit Leichtbau und hoher Energieeffizienz unter realen Bedingungen testen und demonstrieren“, erläutert Tim Ewering.

Solarauto “SolarWorld GT” soll Interesse für regenerative Energien wecken

Der vollständig autark betriebene Zweisitzer mit Pkw-üblichen Maßen soll Interesse für regenerative Energien und deren Potenzial wecken. „Wir verstehen uns als Botschafter für eine nachhaltige Mobilität, entwickelt und gebaut von angehenden jungen Ingenieuren aus NRW, die der Welt das Markenzeichen ,German Engineering‘ auf eine völlig neue Art und Weise präsentieren“, erklärt Ewering.

Die Reiseroute ihrer Weltumrundung ist lang: Von Australien ging es seit Oktober 2011 über Neuseeland und Nordamerika nach Europa. Dort wurden Italien, Frankreich, Monaco, Luxemburg, Deutschland (kurzer Zwischenstopp an der Hochschule Bochum) besucht. Es folgen noch Tschechien, Österreich, Ungarn, Rumänien und Ukraine. Über Asien (Russland, Mongolei und China) will man voraussichtlich im Dezember 2012 wieder in Australien ankommen.

Dort begann dann auch vor einem Jahr die Weltreise. Zuerst ging es auf Neuseeland von Auckland nach Hamilton, um der Universität Waikato einen Besuch abzustatten. Vor Ort wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der deutschen und der neuseeländischen Hochschule unterzeichnet, der einen Austausch von Studierenden, Lehrenden und Forschern vorsieht.

Fürstlicher Fahrer: Fürst Albert testet Bochumer Solarauto

Während ihrer Europa-Rundreise machte das Solarcar Team in Monaco Station. Im Palastgarten empfing Fürst Albert die Bochumer Delegation. Der Monarch ließ es sich nicht nehmen, hinter dem Steuer Platz zu nehmen. Gemeinsam diskutierte er mit den Bochumer Studenten über die technischen Möglichkeiten von Solarautos. Anschließend ging es – ohne den Fürsten – auf die Grand Prix-Rennstrecke.

Vorläufiges Fazit der Weltumrundung: Die Klimazonen spielten keine große Rolle, wichtig war die Sonneneinstrahlung, denn nur bei hohen Werten konnten gute Ladeergebnisse erzielt werden. In Australien herrschten über 40 °C Hitze. Dort musste ständig die Temperatur der Elektronikbauteile überwacht werden, um sie vor Überhitzung zu schützen. Kaltes Wetter spielte keine große Rolle, denn die niedrigen Temperaturen hatten auf die Leistung der Solarzellen keinen Einfluss – dafür aber auf die Batterien.

Die meisten Probleme machte das vordere Fahrwerk, Folge holpriger Wegstrecken. Zweimal wurde der Dreieckslenker gewechselt. Im Laufe der Zeit konnten Fahrwerk und Lenkung verbessert werden. Als Material kam statt Aluminium hochfestes Titan zum Einsatz.

So gibt es für „SolarWorld GT“ keinen Stillstand, weder was die Kilometer noch die technische Entwicklung betrifft. Und so ganz nebenbei machen auch die Bochumer Studenten Fortschritte und sammeln Erfahrungen, die im Berufsleben Gold wert sein können. 

Von Sabine Neumann

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