Hochschule

Mit guten Namen Kapitalgeber suchen

Die Gründung der privaten International University in Bremen ist eine strukturpolitische Entscheidung. Daher sei es auch kein Problem, öffentliche Gelder zu investieren.

Die Soldaten nehmen ihren Hut, und die Studierenden aus aller Welt halten Einzug. Dieses Szenario soll im Herbst 2000 Wirklichkeit werden in der Bremer Roland Kaserne. Das Projekt heißt „International University Bremen“ (IUB) und ist der Versuch, in Deutschland die größte hiesige Privat-Uni in der alten Hansestadt an der Weser zu etablieren.
Und nicht nur das, die Gründer wollen sich zu „einer der ambitioniertesten privaten, unabhängigen Forschungsuniversitäten Europas entwickeln“, so die Initiatoren forsch. Dabei sind schon die Projektziele hierzulande ohne Beispiel. Schließlich sollen vor allem die amerikanischen Methoden der Universitätsausbildung weltweit das Interesse von Studierenden am Studium „Made in Germany“ wecken. Gründung und Betrieb der Universität sollen nach dem Vorbild der Rice University im amerikanischen Houston als Mitgründerin konsequent in privater Hand bleiben. Gleichwohl war die Anschubfinanzierung des Bremer Senats in Höhe von 230 Mio. DM eine willkommene Geburtshilfe.
Doch die Kritik an der staatlichen Unterstützung für eine private Uni ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), fordert mit Blick auf die leeren Kassen der öffentlichen Hand, daß Privat-Unis grundsätzlich auch privat finanziert werden sollen (VDI nachrichten Nr. 9 vom 5.3.99).
Dem hält Alexander Ziegler-Jöns, Wissenschaftsplaner im Bremer Senat, entgegen, daß es sich bei der IUB um eine strukturpolitische Entscheidung handele: „Nach dem Vulkan-Niedergang und der Aufgabe des Bundeswehrstandortes waren für den Bremer Norden Investitionen dringend geboten.“ Zusammen mit externen Studien seien die Bremer Hochschulplaner zu dem Entschluß gekommen, daß die Ansiedlung einer privaten Universität mit dem damit verbundenen Technologiepark im Vergleich zu allen Alternativen die wirtschaftlichste Lösung sei, zumal dadurch gleichzeitig Fremdkapital in staatlichem Umfang angezogen werde. „Sieht man die Uni-Ansiedlung als Infrastrukturmaßnahme, bekommt es gleich einen anderen Zungenschlag“, verteidigt Ziegler-Jöns.
Daß dieser Weg nicht auf Kosten der staatlichen Hochschule gehe, beweise die Tatsache, daß Bremen soeben ein neues Rahmenabkommen verabschiedet habe, das den Hochschulen bis zum Jahr 2004 Planungssicherheit mit steigenden Etats garantiere. „Dahinter steht ein Paket von insgesamt 3,4 Mrd. DM, und das ist in Deutschland sicherlich einzigartig.“ Damit sei auch erklärt, warum das Privat-Uni-Projekt in Bremen so einhellig unterstützt werde, „und zwar auch von den staatlichen Hochschulen“, so Ziegler-Jöns. Die Kritik Landfrieds habe in Bremen jedenfalls „keinen Rückhalt“.
Daß es bei dem kostspieligen Aufbau der geplanten ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten durchaus zu Kooperationen mit den Nachbarn kommen könne, will Ziegler-Jöns nicht ausschließen: „Wir wollen schließlich gute Forschungseinrichtungen in Bremen nicht doppeln, sondern als kleine Hochschule Ergänzungen aufbauen.“ Auch die von Landfried angezweifelte Finanzierung, bei der das angestrebte Stiftungskapital von 500 Mio. DM mit 5 % Verzinsung gerade 25 Mio. DM aufbringe, beunruhigt Ziegler-Jöns nicht: „Nach dem Vorbild der Rice University lassen sich mit 25 Mio. DM rund 40 % des Haushalts finanzieren, der sich dann immerhin auf gut 60 Mio. DM summiere. Außerdem haben wir einen kompetenten Aufsichtsrat, der sicher Wege kennt, eine günstigere Verzinsung als ein Sparkassenmodell zu gewährleisten.“
Soeben wurden mit Gründungspräsident Fritz Schaumann, ehemaliger Staatssekretär im Bonner Wissenschaftsministerium, und Reimar Lüst, Präsident der Humboldt-Stiftung und ehemaliger Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, als Vorsitzender des „Board of Governors“ zwei namhafte Wissenschaftspolitiker gewählt und die Hochschule offiziell gegründet. Auch der Aufsichtsrat soll geballte Kompetenz versprechen und Wirtschaftskraft anlocken. Hochrangige Persönlichkeiten wie Lothar Späth (Jenoptik), Ron Sommer (Telekom) und Ekkehard Schulz (Thyssen/Krupp) wurden dazu verpflichtet.
Neben den insgesamt 16 Mitgliedern sind weitere „Neuzugänge“ vor allem aus dem Ausland geplant. „Denn die vornehmlichste Aufgabe dieses Gremiums ist nun einmal die Mittelbeschaffung, und das wird mit jeder hochrangigen Persönlichkeit noch leichter“, so Raymond Wells, der als Finanzierungsfachmann eigens von der Rice-University abgestellt wurde und sich schon über „einige sehr interessante Kapitalgeber“ freut.
Zu den Besonderheiten zählt die „ausgewählte Studentenschaft“ sowie kleine Vorlesungsgruppen. Zudem ist das Projekt als Campus-Universität geplant, um den Nachwuchs vor den Toren Bremens nach US-Vorbild auch räumlich eng an die Hochschule zu binden. Die IUB will in mehreren Disziplinen der Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Sozial- und Geisterwissenschaften die Abschlüsse „Master“ und „Bachelor“ sowie den Doktorgrad verleihen. Die Studienleistungen werden nach einem Credit-Point-System bewertet und damit amerikanischen Hochschulen angeglichen, zudem soll ein intensiver internationaler Studentenaustausch stattfinden.
Fest steht, daß neben der englischsprachigen Lehre die Forschung ein zentraler Gesichtspunkt des Projekts ist. Doch vorrangiges Ziel ist zunächst der Erfolg beim „Kunden“: Angestrebt werden bis zum Jahr 2005 rund 1200 Studenten. „Kurzbewerbungen und Lebensläufe sind schon willkommen“, so Ziegler-Jöns.
Obwohl die genauen Fächer noch gar nicht feststehen, flatterten allein in der ersten Woche nach der offiziellen Gründung gleich über 50 Studienplatz-Bewerbungen ins Haus. Zudem meldeten sich spontan Interessenten für Verwaltung und Betrieb der Uni. „Es ist eben eine nette Innovation für Europa“, so Wells, „und die Leute wollen daran teilnehmen.“
Dabei lassen sich die Studierenden von morgen offensichtlich auch nicht von geplanten Studiengebühren schrecken, die die IUB neben dem Stiftungskapital maßgeblich mitfinanzieren sollen. Wie hoch die Erwartungen an die Industrie sind, zeigt allein Wells Blick nach Harvard: Dort werden pro Jahr 500 Mio. Dollar Spenden eingetrieben. Von leeren Staatskassen sei dort keine Rede. „Das Netzwerk, das man dazu braucht, ist erlernbar“, macht der Amerikaner Mut.
Als nächstes steht die Suche nach zwei international renommierten Dekanen auf dem Plan. „Sobald sie feststehen, werden beide umgehend über die genaue Fächerauswahl entscheiden, die Fakultäten rekrutieren und die Curricula aufbauen“, so Wells optimistisch. Denn schließlich kauft kein noch so interessierter Student die „Katze im Sack“.
ANDREAS LEIMBACH
Auf dem Gelände einer Kaserne will die International University Bremen im kommenden Jahr den Lehrbetrieb aufnehmen.
Sie werfen ihre Kontakte für die neue Bremer Privat-Uni in die Waagschale: Lothar Späth, Chef von Jenoptik und Mitglied des Aufsichtsrats der IUB, Gründungspräsident Fritz Schaumann, früher Staatssekretär im Bonner Wissenschaftsministerium, und Professor Reimar Lüst, Präsident der Humboldt-Stiftung und Vorsitzender des Board of Governors.

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