Hochschule

Mit den „Alten“ in die Bildungszukunft

Die deutschen Hochschulen entdecken die Vorteile von Ehemaligen-Netzwerken – und beziehen die Alumni verstärkt in ihre Aktivitäten ein. Damit wollen die Bildungseinrichtungen ihr Profil und ihre Kontakte zur Wirtschaft stärken.

Einen Stapel Bergfest-Zeitungen aus dem Frühjahr 1977 hatte Ralf Tüllner mit zum Absolvententreffen nach Jena gebracht. Die Kopien lassen die Erinnerung an die Studienzeit von 1975 bis 1978 aufleben. Am Abend sitzen die Ehemaligen in der Plinzmühle zusammen, plaudern über vergangene Zeiten. Tüllner, heute in Karlsruhe tätig, stimmte wie einst Lieder aus der Studentenzeit an und las Gedichte. 24 Jahre seit Ende ihres Studiums hatten sich die Absolventen der Seminargruppe SG 75052 der damaligen Ingenieurschule nicht mehr gesehen.
Für Helmut Zipfel, Hochschulplaner an der FH Jena, waren die Kommilitonen um Ralf Tüllner nicht die erste Gruppe Ehemaliger, die er während einer Führung durch den neuen Campus begleiten durfte. Doch bislang waren alle Treffen dank der Aktivitäten einzelner Absolventen zustande gekommen. Nicht so im Oktober, wenn die FH Jena erstmals zu einem Absolvententreffen einladen wird. Mit 3900 Studenten gehört die im Oktober 1991 gegründete FH Jena, Nachfolgeeinrichtung der Ingenieurschule für wissenschaftlichen Gerätebau „Carl Zeiss“, zu den kleineren Hochschulen. Doch an fast allen Hochschulen und Universitäten in Deutschland steckt die Alumni-Arbeit in den Kinderschuhen.
Seit einem Jahr verfügt die RWTH Aachen innerhalb ihrer Pressestelle über ein Alumni-Team. Bei 29 000 Studenten hat die RWTH inzwischen Absolventen in 129 Ländern weltweit. „Neben der Kommunikation über Presse- und Hochschulmedien sucht das Alumni-Team das Gespräch mit Studierenden, Absolventen und Ehemaligen“, beschreibt Dietrich Hunold, verantwortlich für das Alumni-Projekt, einen Schwerpunkt. Wichtigste Grundlage sind Aufbau und Pflege einer Adress- und Informationsdatenbank. Neben dem Verein der Freunde und Förderer der RWTH, den es bereits seit 1918 gibt, hatten sich an vielen Instituten Fördervereine gebildet, die ihre Kontakte aber nicht gezielt gepflegt haben.
„Es geht darum, dass Studenten nach dem Diplom ein Interesse für die gesamte Hochschule entwickeln, denn die meisten verbinden ihre Erinnerung mit einer bestimmten Fakultät“, weiß Oliver Figur. Der Absolvent der Universität Karlsruhe ist Initiator von alumni-clubs.net e.V., dem Verband der Alumni-Organisationen im deutschsprachigen Raum. „Wir sind das Netzwerk der Netzwerke“, beschreibt Figur das Angebot, das auf ehrenamtlicher Arbeit basiert. Der 33-jährige Wirtschaftsingenieur darf für sich als Erfolg verbuchen, mit seinen Mitstreitern „eine Anlaufstelle geschaffen zu haben, die für das Thema sensibilisieren soll.“
Für das in den USA übliche Fundraising, wonach Absolventen ihre ehemalige Bildungseinrichtung finanziell unterstützen, hat Oliver Figur eine plausible Erklärung: „Wenn das Studium nicht vom Staat getragen wird, muss das Geld eben aus einer anderen Quelle kommen.“ In Deutschland, wo die Anfänge der Alumni-Vereinigungen Ende der 80er Jahre zu suchen sind, müsse das so genannte Friendraising zunächst Priorität haben. Das sieht Dietrich Hunold nicht anders: „Aus Sicht der RWTH ist die Erschließung von zusätzlichen Finanzquellen nicht der Hauptzweck der Alumniarbeit. Die RWTH möchte ihre Ehemaligen vielmehr als Botschafter und Multiplikatoren gewinnen und das Erfahrungspotenzial der Absolventinnen und Absolventen in aller Welt für die Belebung und Verbesserung von Forschung, Lehre und Hochschulkultur nutzen.“ Soll auch heißen: Die Hochschule sucht die Nähe zur Praxis. Als Gegenleistung bietet die RWTH beispielsweise Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Weiterbildung und Forschung und Kontakte zu früheren Kommilitonen und heutigen Studierenden.
Aus Struktur und Finanzierung eines Studiums in Deutschland bzw. den USA, in denen es schon vor rund 200 Jahren so genannte Old-Boys-Netzwerke gab, ergeben sich demnach Unterschiede für die Arbeit mit den Absolventen. Für Dietrich Hunold ist „die emotionale Bindung an die gesamte Hochschule Grundlage, ein Wir-Gefühl zu erreichen“. Seit dem vergangenen Jahr gibt die RWTH die Zeitung „Keep in Touch“ für ihre Ehemaligen heraus.
Über Beispiele der Arbeit mit Absolventen gibt der Wettbewerb „Alumni-Netzwerke“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft Auskunft. Fünf Positivbeispiele für Alumni-Arbeit zeichnete eine international besetzte Jury aus. Einen zweiten Preis erhielt das Netzwerk „AlumniKaTH“ an der Universität Karlsruhe. Ein Informationsservice mit Veranstaltungskalender und Broschüren, darunter der Versand der Zeitschrift UniKaTH, das AlumniKaTH -Handbuch und weitere Aktivitäten bereichern das Angebot.
Zu den Preisträgern gehört auch die TU Dresden. Dort erhalten die ausländischen Absolventen regelmäßig Informationen zur TU, außerdem gibt es jährlich Nachkontakttreffen und Weiterbildungsveranstaltungen in Dresden. Ein Höhepunkt steht für 2003 bevor. Im Rahmen der Festlichkeiten zum 175-jährigen Jubiläum der TU findet erstmalig ein Alumni-Treffen statt.
Kürzer ist die Zeit bis zum nächsten Absolvententreffen für Ralf Tüllner. „Ich werde auf jeden Fall versuchen, dabei zu sein“, freut er sich auf die Premierenveranstaltung an der FH Jena am 26. Oktober und ruft alle Ehemaligen auf, „die Organisatoren nicht hängen zu lassen“. MARIO KEIM

Hintergrund
Alumni-Kontakte
Alumni – der Plural von Alumnus – kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „Zögling“. In seiner heutigen Bedeutung steht dieser Begriff für Absolventen einer Hochschule bzw. einer anderen universalen Bildungseinrichtung.
Kontakte zu Vereinigungen bzw. Netzwerken stellt alumni-clubs.net e.V. her. Der 1997 gegründete Verband der Alumni-Organisationen im deutschsprachigen Raum (seit 2001 auch für die Schweiz und Österreich) ist Plattform und Drehscheibe für die Kommunikation und Kooperation von Alumni-Organisationen. Er betreut ein Internet-Verzeichnis, dessen Eintrag bei Mitgliedschaft kostenlos ist.
Ansprechpartner vermitteln außerdem der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. in Essen und das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh. Beide Einrichtungen hatten im Dezember 2000 gemeinsam zum Symposium „Die Entdeckung der Alumni“ nach Bonn eingeladen. MK

 

  • Mario Keim

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