Nachwuchsförderung

Mit 94 PS zur Titelverteidigung  

Im August gehen sie auf dem Hockenheimring als Titelverteidiger ins Rennen. Die Hoffnung der Studenten ruht auf dem neuen Wagen F0711-3, der leichter und leistungsstärker als sein siegreicher Vorgänger ist.

Seit drei Jahren wird in der hintersten Ecke des Campus Stuttgart-Vaihingen ein Stückchen Rennsportgeschichte geschrieben: Im Untergeschoss eines weißen Bürocontainer-Kastens konstruieren und schrauben zukünftige Ingenieurinnen und Ingenieure an ihrem ganz eigenen Traumwagen.

Schnell muss er sein – und dabei möglichst stabil. Nur so kann er in den verschiedenen Disziplinen der Formel Student erfolgreich bestehen. Neben der Qualifikation, dem Langstreckenrennen über 22 km, steht auch die Fahrt über einen engen Rundkurs in Form einer Acht an, der den Fahrzeugen ein gewisses Maß an Steifigkeit abverlangt.

Die in den USA begründete Formula Student ist mehr als eine internationale Rennserie für rasende Akademiker: Sie ist inzwischen zu einem renommierten Konstruktionswettbewerb für Hochschulen aus aller Welt geworden, der aus neun eigenständigen Rennen besteht.

Im vergangenen Jahr holten die Stuttgarter eine Menge Edelmetall ins Schwabenland: Nach einem dritten Platz im englischen Silverstone fuhr man in Hockenheim und Fiorano/Italien sogar ganz nach oben aufs Siegertreppchen. Seither gilt die Truppe als das erfolgreichste deutsche Team aller Zeiten.

Auch sind sie das erste deutsche Team, das jemals die Formula Student gewonnen hat. Damit das so bleibt und weitere Titel folgen, wurde – wie vom Regelwerk gefordert – ein komplett neuer Rennwagen konstruiert. „Die große Herausforderung bei der Konstruktion unseres neuen Rennwagens bestand darin, den hoch gesteckten Zielen gerecht zu werden.“

„Die größten Veränderungen gab es im Motor“, erklärt Teamchef Simon Teufel die Neuerungen gegenüber dem erfolgreichen Vorjahreswagen F0711-2B. So sei es gelungen, ein sequenzielles Vierganggetriebe in das Motorgehäuse zu integrieren und dank des Verfahrens der Trockensumpfschmierung eine wesentlich kleinere Ölwanne zu verbauen. Insgesamt sind Motor und Antriebsstrang dadurch viel kompakter geworden. Gleich geblieben ist jedoch der wassergekühlte Reihenvierzylinder CBR 600 aus dem Hause Honda.

Der Motorradmotor, Baujahr 2005, ist quer eingebaut und schöpft seine 94 PS Leistung aus regelkonformen 599 cm³ Hubraum. Erlaubt sind in der Formel Student höchstens 610 cm³. Einzige weitere Vorgabe für den Renner ist der Luftmassenbegrenzer von nicht mehr als 2 cm Durchmesser.

„Neben den Verbesserungen beim Motor haben wir uns in den vergangenen Monaten vor allem um eine Gewichtsreduktion bemüht“, lässt sich Teufel ein wenig in die Karten schauen. Mit 201 kg ist der F0711-3 rund 20 % leichter als sein Vorgänger. Dafür verantwortlich seien der noch konsequentere Einsatz von Kohlefaserbauteilen sowie deren idealer Harzgewebeanteil. Selbst gefertigte Kohlefaserfelgen reduzieren die ungefederten Massen in diesem Jahr zudem auf ein Minimum.

Von den 35 Team-Mitgliedern arbeiten 20 als reine Techniker. Die restlichen 15 pflegen den Kontakt zu den Sponsoren, erstellen Geschäftspläne und kümmern sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Dass die studentische Unternehmung ernst gemeint ist, unterstreicht Teufel: „Vierzig Stunden pro Woche arbeitet hier jeder für ein volles Jahr. Wir haben einen hohen Anspruch an jeden Einzelnen.“ Es sei daher unmöglich, gleichzeitig zu studieren. Fast alle nähmen für die Zeit einer Rennsaison Urlaubssemester. „Das ist sicher das Erfolgsgeheimnis der kompletten Mannschaft.“ Die ausgezeichneten Ergebnisse auf der Rennstrecke geben den Stuttgartern recht.

Um auch in Zukunft vorne mit dabei sein zu können, wünschen sich die Stuttgarter vor allem eins: eine Teststrecke. „Es ist schon schade, dass es in der heimlichen Auto-Hauptstadt der Republik so schwierig ist, Testkilometer abzuspulen“, erhofft sich Teufel insgeheim eine größere Bereitschaft auf Seiten der ansässigen Automobilhersteller.

„Wir entwickeln unseren Rennwagen ja nicht nur am Computer, sondern wollen ihn so oft wie möglich fahren.“ Vor dem Rennwochenende vom 10. bis 13. Juli in Silverstone, bei dem der F0711-3 Premiere feierte, mussten drei Testtage auf einem stillgelegten Flugplatzgelände reichen, um der angestrebten Titelverteidigung im August in Hockenheim eine Wagenlänge näher zu kommen.

Dass das zumindest für die Formula Student in Silverstone gereicht hat, beweist eindrucksvoll das Ergebnis: Das Stuttgarter Rennteam hat den Gesamtsieg eingefahren. PAUL-JANOSCH ERSING

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