Hochschule

Mehr Gebühren, weniger Studenten

Studiengebühren. Ein Dauerbrenner, der Parteien spaltet. Auch bei den Grünen steigt die Zahl der Befürworter. Für die Pädagogin Grietje Bettin, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, sind die Gebühren jedoch kein Garant für bessere Bildung.

VDI nachrichten: Für Kindergartenplätze muss bezahlt werden, ein Studium soll kostenfrei bleiben. Ist das gerecht?
Bettin: Die Ergebnisse der Pisa- und der Iglu-Studien haben klar gemacht, dass die Weichen in den ersten Lebensjahren gestellt werden. Ausgerechnet die Lebensphase, die über die Chancen im gesamten Leben entscheidet, ist in Deutschland noch abhängig vom Geldbeutel der Eltern. In der Tat, das ist ungerecht und politisch falsch. Deswegen wollen wir öffentliche Gelder zugunsten der elementaren Bildung konzentrieren. Nur so können wir die Bildungschancen gerade der bildungsfernen Schichten verbessern.
VDI nachrichten: Studiengebühren-Befürworter versprechen sich eine höhere Qualität der Ausbildung, wenn Studierende für die ihnen entstehenden Kosten mehr Leistung und eine bessere Ausstattung beanspruchen können.
Bettin: In der Theorie stimmt das womöglich. Die graue Praxis sieht leider anders aus. Die schwarzgelbe Regierung von Niedersachsen hat beispielsweise Langzeitstudiengebühren eingeführt und die Zuschüsse für die Hochschulen um den Betrag der Einnahmen durch die Gebühr gekürzt. Das ist nur ein trauriges Beispiel. Für Studiengebühren fehlen in Deutschland schlicht die Voraussetzungen, damit sie tatsächlich den Studierenden ein besseres Studium ermöglichen. Es gibt andere Modelle, in denen die Position des Nachfragenden gestärkt wird und für die Hochschulen Anreize entstehen, die Qualität zu sichern und zu steigern.
Ein flüchtiger Blick auf Länder mit Studiengebühren zeigt, dass das Bezahlstudium mitunter heftige Nebenwirkungen hat. Beispiel Österreich: Nach Einführung der Studiengebühren ging die Zahl der Studienbeginner rapide zurück – rund 15 % weniger schrieben sich an den Hochschulen ein.
VDI nachrichten: Ein Ingenieurstudium ist teuer. Ist es nicht plausibel, wenn Absolventen, die im Berufsleben stehen, die entstandenen Kosten, zumindest teilweise, zurückzahlen?
Bettin: Nachgelagerte Gebühren kommen, das ist die Schwierigkeit, weder dem Nachfragenden noch der Hochschule sofort zugute. Außerdem ist die Aussicht auf einen Schuldenberg nach dem Studium nicht gerade motivierend. Angesichts des Akademikermangels in Deutschland können wir uns kaum leisten, die Leute vom Studium abzuschrecken.
VDI nachrichten: Wenn nicht auch über Studiengebühren, wie können Hochschulen sonst ihre leeren Kassen füllen?
Bettin: Private Bildungsausgaben können nach Ansicht der OECD die öffentlichen Investitionen „eher ergänzen als ersetzen“. Wenn Sie das Bildungssystem wirkungsvoll reformieren wollen, müssen Sie also erst einmal selbst investieren, bevor Sie Gebühren verlangen können. Studiengebühren sind in unserer Situation der falsche Weg zur Hochschulfinanzierung. Hochschulen können und sollen eigene Wege finden, sich Geldquellen zu erschließen, z. B. mit Weiterbildungsangeboten oder mit Patentverwertungsagenturen.
VDI nachrichten: Bayerns neuer Wissenschaftsminister Thomas Goppel sagt, die angekündigten Sparmaßnahmen im Freistaat bedeuteten keinen Ab-, sondern einen Umbau der Hochschulen. Durch Kürzungen seien die Hochschulen dann gezwungen, ihr Profil zu schärfen. Was halten Sie davon?
Bettin: Das läuft doch darauf hinaus, dass die so genannten „Orchideenfächer“, also Fächer mit derzeit geringen Studierendenzahlen, endgültig eingespart werden. Das ist selbst unter dem Aspekt einer Verwertungslogik gefährlich. Beispiel Sinologie: Früher krähte kaum ein Hahn danach, seitdem China aber ein interessanter Markt geworden ist, studieren viele dieses Fach.
Die Profilbildung der Hochschulen fordern auch wir schon lange. Das bedeutet aber Strukturreformen, die erst einmal Geld kosten, wenn man sie vernünftig macht. Der Fächerkanon muss gesichert bleiben, auch wenn Synergien durch Zusammenlegungen durchaus denkbar sind. Die Hau-Ruck-Methode der bayerischen Staatsregierung scheint mir hier eher kontraproduktiv. WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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