Studium 01.07.2011, 12:09 Uhr

Mechatronik-Ingenieure bauen intelligente Geräte

Wenn rohe Maschinenkräfte und Software sich verbinden, dann ist das Mechatronik. Sie durchdringt alle Lehrpläne für Ingenieure von morgen. Der Spezialist wird so von allein zum Generalisten.

„Ich schreibe meine Master-Arbeit über sicheres und energieeffizientes Kurvenfahren mit dem Auto.“ Das sagt Christian Rompf, Student am Lehrstuhl für Mechatronik der Universität Duisburg-Essen. „Mir geht es darum, in der Kurve den Antrieb auf die schneller drehenden äußeren und langsamer drehenden inneren Räder optimal zu verteilen.“

Das nötige Wissen von Technischer Mechanik, Elektro- und Informationstechnologie gehört zum fachlichen Kern der Mechatronik. „Und allemal ist viel Spaß an Mathematik erwünscht“, ergänzt Rompf mit einem lachenden Auge. Er selbst hat zunächst den Bachelor in Verfahrenstechnik gemacht. Damit sieht er sich aber eher als Ausnahme: „Die meisten meiner Studienkollegen haben einen ersten Abschluss im Maschinenbau.“ Freilich kann man in Duisburg auch gleich vom ersten Semester an den eigenen Studiengang Mechatronik belegen. Der Lehrstuhl war 1991 der erste mit diesem Namen in Deutschland.

Mechatronik ist im Ingenieurstudium allgegenwärtig

Das Zusammenspiel mechanischer Bauteile mit elektrischen und „künstlicher Intelligenz“ ist heute Alltag, von der Küche bis zum Industrie-Roboter. Automatisierung von Betriebsabläufen ist der übergreifende Leitgedanke. Vor dem Hintergrund ist Mechatronik im Ingenieurstudium allgegenwärtig: hier und da wie etwa an den Unis in Duisburg oder Magdeburg oder den Fachhochschulen in Hannover oder Nürnberg als ein Studienfach, anderswo als unumgängliche oder Wahlpflichtvorlesung.

Wer etwa an der Technischen Hochschule Aachen Wirtschaftsingenieur der Fachrichtung Fahrzeugtechnik und Transport werden will, kann im Wahlbereich den Lernbaustein „Elektrische Antriebe und Speicher“ belegen, ein Angebot des Instituts für Elektrische Maschinen. Am selben Lehrstuhl läuft zugleich eine Vorlesung über „Elektrische Kfz-Bordnetzkomponenten“, die speziell auch Hauptfachstudenten am Nachbar-Institut für Kraftfahrwesen interessieren dürfte. Mit der jetzt staatlich geförderten Elektromobilität haben beide Innovationsschmieden zusätzlich neue Aufgaben und frisches Geld gewonnen.

Viele Ausbildungswege führen zur Mechatronik

Nur scheinbar ist Mechatronik erst ein Arbeitsfeld seit rund 40 Jahren. Der Begriff wurde 1969 von einer japanischen Firma in die Welt gesetzt. Die Entwicklung dahin ist aber viel älter. Sie ging und geht nicht nur vom Maschinenbau aus, sondern ebenso von der Feinmechanik, also sehr kleinen und sehr präzisen Geräten, wie sie heute zumal in der Mikroelektronik gebraucht werden. Internationale Schrittmacherdienste leistete beispielsweise das 1953 an der TU Dresden gegründete „Institut für elektrischen und mechanischen Feingerätebau“ mit seinem Leiter Siegfried Hildebrand. Dieser fachliche Hintergrund kommt heute etwa im Studiengang „Mechatronik/ Feinwerktechnik“ an der Ohm-(Fach-)Hochschule Nürnberg zur Geltung. Abiturienten können die üblichen Hochschulabschlüsse Bachelor und Master auch an Berufsakademien erwerben, an der DHBW Stuttgart etwa in Allgemeiner Mechatronik für alle Gebiete oder spezieller in Verbindung mit Fahrzeugelektronik. Der Unterschied zum Uni- und FH-Studium: Die Ausbildung ist dual, die Studenten sind zugleich in einem Betrieb angestellt. In der Regel lernen sie abwechselnd drei Monate in der Firma und drei Monate in der Akademie, über insgesamt sechs oder sieben Semester bis zum Bachelor.

Das Unternehmen bezahlt durchgehend ein Gehalt, das mindestens so hoch ist wie bei Azubis – und je nachdem viel höher als das vom Elterneinkommen abhängige Bafög. „Den Firmen dient diese Ausbildung zur eigenen Personalentwicklung“, sagt Hans-Jörg Lessig, Studienleiter an der Berufsakademie Eisenach. „Bei uns in Thüringen haben gerade kleine und mittlere Unternehmen große Nachwuchsprobleme, die sie mit dem Studienangebot lösen wollen.“

Seit rund zehn Jahren ist Mechatronik auch ein Ausbildungsberuf für die Montage und Wartung komplexer Maschinen. Die berufliche Fortbildung kann zum Studium weiterqualifizieren. Für Berufstätige kommt dann naturgemäß am ehesten ein Fernstudium in Frage. Vor allem Privathochschulen machen entsprechende Angebote. Im Übrigen können sich Berufspraktiker stets beim VDI-Wissensforum auf dem Laufenden halten.  

Ein Beitrag von:

  • Hermann Horstkotte

    Hermann Horstkotte ist freier Journalist und  lehrte als Privatdozent an der RWTH Aachen. In Bonn arbeitet er als Bildungs- und Wissenschaftsjournalist.

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