Hochschule

Markt fürs Teilzeitstudium liegt im Nebel

Viele Studierende sind Mehrfachbelastungen ausgesetzt. Sie tricksen auf allen Ebenen, um es bis zum Abschluss zu schaffen. Der Markt für Teilzeitstudiengänge ist also vorhanden, die Hochschulen angeln aber bei der Suche nach Bedarfszahlen im Trüben. Solange strenge Vorgaben die Einführung von Teilzeitstudiengängen erschwerten, würden Studieninteressierte auch nicht danach Schlange stehen, moniert Gabriele Pfeiffer von der TU Darmstadt.

Beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft macht man sich Sorgen um die akademische Ausbildung. Nur 355 der insgesamt 8517 grundständigen Studiengänge – das sind Angebote, die zu einem ersten Hochschulabschluss führen – seien für ein Teilzeitstudium geeignet. Zeitlich flexible Lehre aber sei nötig, um Berufstätigen, Eltern und durch zusätzliches Jobben gestressten Studenten effizientes Studieren zu ermöglichen.

Als Bildungswüste stellten sich in dieser Hinsicht Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt dar, wo kein einziger grundständiger Studiengang als Teilzeitstudiengang angeboten würde. „Aber auch an den starken Hochschulstandorten in Baden-Württemberg und Bayern sieht es nicht besser aus: In beiden Ländern ist nur einer von hundert Studiengängen für Teilzeitstudierende organisiert“, beklagt der Stifterverband.

Man sei längst nicht immer einer Meinung mit dem Stifterverband, heißt es beim Deutschen Studentenwerk (DSW), aber in Bezug auf entspanntere Studienangebote gehe man im Gleichschritt. DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde betont, dass „der sorgenfreie, voll finanzierte Student, der seine ganze Zeit ausschließlich dem Studium widmen kann“, inzwischen Fiktion sei: 66 % der Studierenden bundesweit jobbten neben dem Studium, die Erwerbstätigenquote sei in den vergangenen Jahren gestiegen.

Auch aus der Wirtschaft hört man Klagen. Die Personalvorstände großer deutscher Unternehmen mahnen, die stärkere Strukturierung des Studiums habe zu einer „Überregulierung“ geführt, die rückgängig zu machen sei.

Einen wachsenden Bedarf an Teilzeitangeboten hat eine Umfrage der TU Darmstadt an der eigenen Hochschule ergeben. 40,3 % der befragten Studierenden sind demnach an Teilzeitstudiengängen interessiert.

Gabriele Pfeiffer von der „Koordinationsstelle Teilzeitstudium“ an der TU vermutet jedoch, dass sich dahinter ein weit größerer Bedarf verbirgt. Solange aber an hessischen Hochschulen durch restriktive Regulierungen wie enge Zulassungsbeschränkungen solche Angebote Mangelware seien, würden Studieninteressierte auch nicht danach Schlange stehen. „Den Markt dafür sehe ich auf jeden Fall“, sagt Gabriele Pfeiffer. Schließlich wünschten sich 31,2 % der Befragten ein Teilzeitstudium, weil sie nebenher berufstätig seien. 8,6 % nannten die enge Familienbindung, sei es durch eigene Kinder oder die Pflege der Eltern, als wichtigsten Grund.

Zwei Gründe, die in Zukunft weiter an Bedeutung gewännen. „Schon heute betreiben viele Studierende ihre Vollzeitstudiengänge faktisch in Teilzeit.“ Es käme nun darauf an, diese Herausforderungen stärker als bislang zu berücksichtigen und mehr Flexibilität ins Studium zu bringen. „Aber die Heterogenität der Studierenden ist groß. Wie sollen da die passenden Angebote aussehen?“

An Wochenendseminaren und Abendveranstaltungen bestünde wenig Interesse, meint Gabriele Pfeiffer, gesonderte Teilzeitstudiengänge seien nicht zu stemmen. „Wir sehen einen Lösungsansatz in zusätzlichen Online-Angeboten.“ Bei Fachrichtungen mit einem hohen Anteil an Laborarbeit stoße die Online-Lehre aber an ihre Grenzen.

Gelöst sei auch das Problem der Anrechnung von Leistungen nicht, denn was über 70 % der erforderlichen Credit Points pro Semester liege, zähle nicht mehr als Teilzeitstudium. Der Verwaltungsaufwand sei immens hoch, besonders bei der Studienberatung.

Frank Stefan Becker vom VDI-Bereich „Ingenieuraus- und -weiterbildung“ hält das in Deutschland vorherrschende Verständnis von Bildung und Weiterbildung für überholt. Während andere Staaten, allen voran die Skandinavier und die angelsächsischen Länder, weiterbildende Teilzeitangebote längst zum integralen Bestandteil lebenslangen Lernens zählen, mangele es hierzulande an einem bunten Konzept-Mix, auch für jene, die sich ein Studium in Höchstgeschwindigkeit nicht leisten können.

„Die Zahl der Studienanfänger wird kurzfristig ebenso steigen wie langfristig die Zahl der Teilzeitstudenten. An den Hochschulen aber denkt man häufig immer noch im Montag-Freitag-Rhythmus mit Lehrzeiten von 9 Uhr bis 17 Uhr.“

Größere zeitliche Flexibilität sei nur ein Element, hinzu kämen didaktische Herausforderungen: „Studierende, die bereits über Berufserfahrung und Vorkenntnisse verfügen, haben andere Ansprüche als junge Menschen, die gerade von der Schule kommen.“ Allerdings mangele es auch in Wirtschaft und Gesellschaft an geeigneten Konzepten zum berufsbegleitenden Lernen. ws

Von Wolfgang Schmitz

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