Technikunterricht

Macht das Fach Naturwissenschaften Sinn?  

Ab dem kommenden Schuljahr wird es in Nordrhein-Westfalens Schulen keine Aufgliederung in die Fächer Biologie, Physik und Chemie mehr geben – zumindest in den Klassen fünf und sechs. Während Schulministerin Ute Schäfer (SPD) den Reformvorstoß als wesentliches Mittel zur fächerübergreifenden Belebung des Unterrichts und zur Anpassung an hohe internationale Maßstäbe sieht, glaubt CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers an ein Verlegenheitsmodell aus Spargründen, das mittelfristig den Standort NRW gefährde. Vor dem Hintergrund der Landtagswahlen am 22. Mai gewinnt das Thema an zusätzlicher Brisanz.

Ute Schäfer: Pro

Unsere Welt verändert sich immer schneller. Naturwissenschaftliche und technische Forschung gewinnen an Bedeutung – auch als Standortfaktor für eine wettbewerbsfähige Gesellschaft in einer globalisierten Welt. Deshalb ist es wichtig, die naturwissenschaftliche Bildung an unseren Schulen zu stärken.

Die naturwissenschaftlichen Fächer gehören nicht zu den beliebtesten Fächern im Stundenplan der deutschen Schülerinnen und Schüler. Diese Entwicklung gilt es aufzubrechen. Wir haben damit in den vergangenen Jahren Erfolge gehabt: Projekte zur Förderung eines modernen naturwissenschaftlichen Unterrichts sind auf Bund und Landesebene (SINUS-Transfer, MINT-EC) angestoßen worden. Wir stärken bereits im Sachunterricht der Grundschulen den Lernbereich Naturwissenschaften. Hinzu kommen Schülerwettbewerbe wie „Chemie entdecken“ und „bio-logisch!“.

Begeisterung zu wecken, ist das Ziel des neuen Faches Naturwissenschaft, das vom Sommer an in allen Schulen in den Klassen fünf und sechs verbindlich eingeführt wird. Bestärkt werden wir bei dieser Entscheidung durch die Rückmeldung von rund 300 Schulen, die durchweg über positive Erfahrungen in der Erprobungsphase berichten.

Angelsächsische und skandinavische Länder haben bewiesen, wie erfolgreich ein integrierter Unterricht in den Naturwissenschaften ist. Gerade in den unteren Schulklassen ist es wichtig, Kinder für naturwissenschaftliche Phänomene zu begeistern dabei ist die traditionelle Trennung in Physik, Chemie oder Biologie oftmals nicht nur künstlich, sondern sogar hinderlich.

Es kommt darauf an, Kinder ausgehend von ihren Alltagserfahrungen für naturwissenschaftliche Themen zu interessieren und ihre natürliche Neugier auch für die Erkundung der unbelebten Natur zu nutzen. Themenfelder wie „Mein Körper – meine Gesundheit“, „Sonne – Wetter – Jahreszeiten“ oder „Geräte und Stoffe im Alltag“ eignen sich hervorragend zu fächerübergreifender Auseinandersetzung.

Im Rahmen einer Unterrichtsreihe über das Thema „Wege in die Welt des Kleinen“ könnten die Schülerinnen und Schüler folgenden Fragen nachgehen: Wie untersucht die Kriminalpolizei Spuren? Was ist eine Zelle und wie sieht sie aus? Welche Tiere leben im Boden? Wie sehen Salz und Zucker unter dem Mikroskop aus? Wie funktioniert ein Mikroskop? Das eigene Erleben und Handeln, Experimentieren, Auswerten und Präsentieren stehen im Mittelpunkt eines zeitgemäßen Unterrichts.

In der Behauptung der Opposition, mit dem neuen Fach solle ein Fachlehrermangel kaschiert werden, kann ich nur Wahlkampf entdecken. Es stimmt, dass wir an manchen Schulen Nachwuchsprobleme in den naturwissenschaftlichen Fächern haben. Deshalb werben wir seit Jahren mit großem Erfolg in diesen Bereichen für den Lehrerberuf und auch in begrenztem Umfang um Seiteneinsteiger. Es widerspricht den einfachsten Gesetzen der Logik, dass ein Fach, das in den Stundentafeln denselben Umfang einnimmt wie zuvor die drei Bereiche Biologie, Physik und Chemie zusammen, Lehrermangel kaschieren könnte. Wir brauchen dafür doch nicht weniger Lehrer.

Die Naturwissenschaften nehmen in den Stundentafeln der NRW-Schulen breiten Raum ein. In allen Schulformen wird die Vorgabe der Kultusministerkonferenz für den Umfang des naturwissenschaftlichen Unterrichts in der Sekundarstufe I deutlich überschritten. In der Regel ab Klasse sieben, spätestens jedoch ab Klasse neun, wird das neue Fach Naturwissenschaft auch künftig von Biologie, Physik und Chemie abgelöst, da in höheren Jahrgangsstufen zunehmend eine größere Spezialisierung mehr Sinn macht.

Mein Fazit: Das Fach Naturwissenschaft in den Klassen fünf und sechs wird mehr Kinder für technische und naturwissenschaftliche Themen begeistern. Ein integrativer Unterricht wird von fast allen Fachverbänden ausdrücklich begrüßt – und das jenseits parteipolitischer Linien. So hat Bayern anstelle von Biologie, Physik oder Chemie das Fach „Natur und Technik“ in den Jahrgangsstufen fünf bis sieben in der Stundentafel verankert. Exakt aus den Überlegungen, die uns auch in Nordrhein-Westfalen leiten. UTE SCHÄFER

Ute Schäfer ist seit 2002 Ministerin für Schule, Jugend und Kinder in Nordrhein-Westfalen und Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Lippe.

Jürgen Rüttgers, contra:

Wenn wir Nordrhein-Westfalen wieder nach vorne bringen wollen, brauchen wir eine Innovationsoffensive, die von einer breiten Allianz aus Wirtschaft, Wissenschaft, Schulen und Politik getragen wird, um technologisch Spitze zu sein.

Wir brauchen mehr Naturwissenschaftler und mehr Ingenieure. Dafür brauchen wir einen ordentlichen und differenzierten Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern an unseren Schulen.

Ein falsches Signal für den Industrie- und Innovationsstandort NRW wäre daher die Abschaffung der Fächer Biologie, Chemie und Physik in den Jahrgangsstufen fünf und sechs, wie sie von der rot-grünen Landesregierung zum 1. August 2005 vorgesehen ist. Die Fächer Biologie, Chemie und Physik sollen nach diesen Plänen in den Stufen fünf und sechs künftig integriert unterrichtet werden. Auch in den Klassen sieben und acht kann der Lernbereich Naturwissenschaften integriert unterrichtet werden.

Anstatt den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht in Nordrhein-Westfalen zu stärken, wird er geschwächt. Allein die Tatsache, dass hier drei Fächer auf ein Fach reduziert werden, zeigt, dass dem Bereich des naturwissenschaftlichen Unterrichts schon rein quantitativ eine geringere Bedeutung zukommt.

Das ist kein Modell für besseren Unterricht, sondern ein Sparmodell. Die Maßnahme soll die fehlenden Fachlehrer in den naturwissenschaftlichen Fächern kaschieren. Nachwuchsprobleme in der Industrie (Chemie, Energiesektor, Anlagenbau, Nachrichtentechnik, Medizintechnik, Nanotechnologie oder Ingenieurwesen) sind vorprogrammiert. Dabei sind genau das die Bereiche, in denen wir in Zukunft Geld verdienen und Wohlstand erwirtschaften müssen. Mit ihrem Sparkurs nimmt die rot-grüne Landesregierung unseren Kindern und Jugendlichen Perspektiven.

Vor allem die Hauptschüler werden weiter um Zukunftschancen gebracht. Im Schuljahr 2004/05 wurden an den Hauptschulen des Landes bereits 39,9 % des Chemieunterrichts, 35,4 % des Biologieunterrichts und 42,3 % des Physikunterrichts fachfremd erteilt. Es fehlen die für das Fach Naturwissenschaften ausgebildeten Lehrer. Nur wenige besitzen eine Fakultas für Chemie und Physik oder zwei andere naturwissenschaftliche Fächer. Das ist eine Folge fehlender Planung und Anreize durch Rot-Grün. Es gibt keine Lehrer, die alle drei Fächer gleichmäßig gut beherrschen. Solche Lehrer wird es auch nicht geben, es sei denn, sie machen eine nur sehr oberflächliche Ausbildung.

Die Pisa-Studie hat die Notwendigkeit gezeigt, Schüler so zu fördern, dass sie in die Lage versetzt werden, auch in den Naturwissenschaften Transferleistungen zu erbringen und eigene Problemlösungen zu suchen und zu finden. Das setzt aber voraus, dass die Grundlagen klar und sicher eingeübt werden. Dazu bedarf es eines intensiven Eingehens auf die spezifischen Inhalte des jeweiligen Faches unter der Leitung eines in diesem Fach ausgebildeten Lehrers. Auch mit noch so intensiver Lehrerfortbildung werden wir diese Profis nicht für alle Naturwissenschaften erhalten.

Die Einführung des Faches Naturwissenschaften geschieht in Nordrhein-Westfalen ausschließlich unter Mangelgesichtspunkten, nicht aus Gründen der Qualitätssteigerung im Rahmen langfristiger bildungspolitischer Planung. Die CDU-geführte Landesregierung wird den schweren bildungspolitischen Fehler korrigieren. Wir werden für Lehramtsstudiengänge vor allem in den Fächern Chemie und Physik werben, um den von der rot-grünen Regierung mitverantworteten Fachlehrer-Mangel zu beheben.

Wir müssen den Übergang von der Schule zur Hochschule so gestalten, dass Schüler frühzeitig etwas von der Faszination Naturwissenschaften erleben. Hochschullehrer wie Studierende müssen verstärkt die Möglichkeit erhalten, in den Schulen von ihren Forschungen zu berichten, um die jungen Menschen zu begeistern. Umgekehrt sollen Schüler durch vertiefte Einblicke in Natur- und Ingenieurwissenschaften motiviert werden, sich stärker damit auseinander zu setzen. JÜRGEN RÜTTGERS

Jürgen Rüttgers ist Vorsitzender der CDU Nordrhein-Westfalen, Vorsitzender der CDU-Fraktion im NRW-Landtag und Spitzenkandidat der Partei für den Wahlkampf am 22. Mai.

Von Ute Schäfer

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