Hochschule

Lust auf die Kultur der Kommilitonen

In kleinen Diskussionsrunden, die von amerikanischen Austauschstudenten geleitet werden, überlegen angehende Ingenieure an der TU Dortmund, wie Technik und Kultur sich gegenseitig beeinflussen. Für Studierende der Maschinenbaufakultät ist „Culture and Technology“ eine Pflichtveranstaltung. Sie läuft auf Englisch, ist jedoch kein Sprachkurs.

„Vor Kurzem hielt ein Gastprofessor aus den USA einen Vortrag über Medien und präsentierte dabei das iPad. Viele der hiesigen Zuhörer fanden das Ding überflüssig. Wir Amerikaner waren dagegen voll begeistert und wollten es gleich haben“, erzählt Nicole Butler. „Ganz klar, wo es sich besser verkaufen wird.“

Nicole Butler leitet seit 2007 an der TU Dortmund das Programm „Culture and Technology“ für Studierende der Ingenieurwissenschaften. Hurrikan „Katrina“ hatte sie einst ins Revier geweht: Als die Naturgewalt die Stadt New Orleans und mit ihr die Uni verwüstete, spendeten die Dortmunder Studienaufenthalte für die Opfer. Eins dieser Stipendien bekam die Germanistin Butler.

Im Sommersemester haben rund 150 angehende Wirtschaftsingenieure die wöchentliche Vorlesung gehört und an den zwölf Diskussionsgruppen teilgenommen, im letzten Wintersemester waren es die Logistiker. Ein Highlight sind die Präsentationen, die die Studierenden auf Englisch halten und das gewählte Thema, etwa das iPad, aus Sicht unterschiedlicher Kulturen beleuchten sollen.

Ein anderes Beispiel: die Atomenergie. Das dreiköpfige Team wirft ziemlich professionell die „Pros and Cons of the nuclear power“ auf den Beamer. Während in Deutschland über den „Ausstieg aus dem Ausstieg“ gestritten wird, „produziert Frankreich 80 % seiner Energie mithilfe der Kernspaltung und ungefähr 1 kg radioaktiven Abfall pro Einwohner jährlich“. Dafür hat der Nachbar, so die Vortragenden, die niedrigsten Strompreise in Europa und erfüllt die Vorgaben des Kyoto-Protokolls. „Wir haben Frankreich einfach als Paradebeispiel ausgewählt“, sagen Patrick Bürger und Simon Brenner. Die gleiche Technologie und deren Anwendung werde in dem einen Land anders verstanden als in dem anderen, vieles sei eben kulturbedingt.

Übungsleiter Justin Wallace geht es um Provokation, damit die Gruppe ins Reden kommt. Der Austauschstudent lernt Wirtschaftswissenschaften und Germanistik an der University of Virginia. „Wir haben sehr unterschiedliche Auffassungen über viele Themen, etwa über die Video-Überwachung. Oder wir Amerikaner nutzen die sozialen Netzwerke viel häufiger als die meisten Studierenden hier und denken nicht so viel über den Datenschutz nach.“

Natürlich besteht die Studentenschaft nicht nur aus Deutschen und Amerikanern. „Letzte Woche“, erzählt Wallace, „haben wir über Sammeltaxis geredet, da haben sich unsere Teilnehmer aus der Türkei, Bulgarien und Kamerun rege beteiligt, weil dieser Transport dort sehr beliebt ist.“

Walter Grünzweig erläutert, welche Ziele das Projekt „Culture and Technology“ verfolgt: „Studierende bringen ihre eigene Kultur mit ins Land. Wir wollen diese berücksichtigen“, sagt der Amerikanist und Prorektor für Studium und Internationalisierung an der TU Dortmund. Gemeinsam mit dem früheren Dekan der Maschinenbau-Fakultät und heutigem Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, hat Grünzweig vor zehn Jahren die Zusammenarbeit von Kulturwissenschaftlern und Ingenieuren initiiert. Bei der Amerikanistik sind die unterschiedlichen Perspektiven offensichtlich, die Ingenieure gingen dagegen traditionell davon aus, dass sie eine „objektive“ Wissenschaft betreiben, die auf der ganzen Welt gleich funktioniere. „Aber schon die Frage, was erforscht und gelehrt wird, wird anderswo anders beantwortet.“

Fachtermini und ein bisschen Grammatik zu lernen sei vergleichsweise leicht, eine kulturwissenschaftliche Komponente in den Dialog hineinzubringen hingegen, das sei laut Grünzweig der „Mercedes der Sprachprogramme“ und um das 12-Fache teurer als konventioneller Englisch-Unterricht. Kleine Gruppen, zusätzliche Tutoren und Dozenten – das kostet.

Es erklärt auch, warum sich nur die größte und innovativste der technischen Fakultäten, der Maschinenbau, den „Mercedes“ leistet. Ein Teil ließe sich aus Studiengebühren finanzieren. Es sei jedoch vor allem eine politische Entscheidung der Maschinenbauer: „Ihnen ist das die Sache wert.“

„Culture and Technology“ soll auch Lust auf die große weite Welt machen. Die Techniker seien erwiesenermaßen die Scheuesten, was den Auslandsaufenthalt angehe, so der Amerikanist: „Sie meinen, es gebe genug gute Jobs in der Heimat und falls ein internationaler Einsatz dann doch nötig wäre, würden sie sich das erforderliche Wissen schon aneignen“. Aber in den acht Jahren, in denen es das Programm gibt, sei der Anteil der Mobilen extrem angestiegen. Pro Jahr gingen etwa 60 Leute von der TU allein in die USA. Das sei die höchste Zahl unter den Hochschulen in der Region, und immerhin ein Viertel von ihnen seien nun einmal Ingenieure.

Zu diesen werden wahrscheinlich auch Patrick Bürger, Simon Brenner und ihr Kommilitone Michael Große-Ophoff gehören. Die letzten beiden denken an Praktika in Georgia und in Kalifornien, wo sie persönliche Kontakte haben. Oder aber in Indien, weil Englisch dort eine verbreitete Arbeitssprache ist. „Ein Auslandspraktikum ist kein Muss, passt sogar schlecht in den Bachelor-Studiengang hinein, aber danach ist man als Spezialist gefragter“, sind sie sich einig. Bürger will ein Auslandssemester in den Master-Studiengang einschieben.

Auch diejenigen, die zu Hause bleiben, sollen internationale Erfahrungen sammeln. „Ich lade meine Studierenden immer ein, wenn wir Gastdozenten haben“, sagt Nicole Butler. Zudem wirbt sie für das Programm „Dortmund Double“: Jedem amerikanischen Austauschstudent stehen zwei einheimische Kommilitonen zur Seite. Die „Doubles“ üben die jeweilige Sprache im Tandem, schauen sich Stadt und Region an, helfen einander bei Problemen im Studium – und lernen eine Menge über die Herkunftskultur. Manche Double-Beziehungen haben mehrere Jahre überstanden.

MATILDA JORDANOVA-DUDA

Von Matilda Jordanova-Duda

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