Lichttechnik

Licht schafft Hightech und Arbeitsplätze

VDI nachrichten, Bonn, 1. 10. 04 -Die Optischen Technologien gelten nicht nur hier zu Lande als Schrittmachertechnologien. Um ihre Zukunft zu sichern, lassen Universitäten thematische Inhalte der jungen Disziplin in bestehende Fachbereiche einfließen, Fachhochschulen richten eigens neue Studiengänge ein.

Mehr Licht!“ Diese letzten Worte des Naturforschers Goethe sind der Zauberspruch für die Technologie des 21. Jahrhunderts. Seit der Erfindung des Lasers, der Lichtverstärkung durch Strahlenemission, im Jahre 1960 haben sich die Optischen Technologien (OT) zu einem Allzweckmittel für Bohren, Schweißen, Messen, Oberflächenbearbeitung und Nachrichtenvermittlung entwickelt. Ihr größter Vorzug: Licht ist die umweltfreundliche Energie schlechthin, ohne moderne Lichttechnologie gäbe es im heutigen Alltag weder Handys, CDs noch DVDs.
Deutschland nimmt bei den Optischen Technologien „im internationalen Vergleich die Spitzenstellung“ ein, die jedoch in Zukunft „zu sichern und auszubauen“ ist. Das betont der „Lenkungsausschuss OT“, ein Kind des VDI und des Bundeswissenschaftsministeriums. Seit 2000 gibt es ein entsprechendes „VDI-Kompetenzfeld“, in dem fortlaufend über die einzelnen Anwendungsgebiete und verbindende Methodenprobleme informiert und diskutiert wird. Den Überblick zu wahren, ist deshalb besonders nötig und schwierig, weil die OT wegen ihrer Vielseitigkeit zu keinem fest umrissenen Berufs- oder Branchenbild führen. „Kurs“, die Datenbank des Arbeitsamtes für Aus- und Weiterbildung, weist gegenwärtig 60 verschiedene Bildungsziele auf, von der Laserstrahlfachkraft bis zum Hochschulstudium der Photonics.
Neben Großfirmen wie Osram und Bosch haben hier zu Lande rund 1000 kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) ihren Schwerpunkt in OT, wie eine aktuelle Studie des VDI-Technologiezentrums zeigt. Dabei fällt auf: Je kleiner der Betrieb, desto höher ist der Anteil akademisch ausgebildeter Mitarbeiter. Denn OT sind von Grund auf Hightech. Bei Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern ist jeder zweite Ingenieur, bei mittleren Unternehmen bis zu 250 Angestellten hat immerhin jeder Dritte das Diplom. Gegenwärtig beschäftigen die KMU 12 400 Ingenieure, in den nächsten drei Jahren wahrscheinlich 2000 mehr. Nach großzügigen Berechnungen bieten die OT heute insgesamt 100 000 Arbeitsplätze, für eine weitere Million im verarbeitenden Gewerbe spielen sie eine bemerkenswerte Rolle.
„Um den Nachwuchs für die optischen Schrittmachertechnologien kann gar nicht früh genug geworben werden“, sagt Eckhard Heybrock vom VDI-Technologiezentrum. Er ist Mitorganisator der bundesweiten Kampagne „Faszination Licht – Licht für die Schulen“. Dazu gehören „Tage der OT“ im Klassenzimmer oder bei Ferienveranstaltungen, eine Wanderausstellung auf Messen und in technischen Museen sowie Schulpatenschaften von Industrieunternehmen. Die deutschen Universitäten und Fachhochschulen sind auf anspruchsvolle Interessenten bestens eingestellt. Eine VDI-Untersuchung der Studienmöglichkeiten stellt ein „umfangreiches und inhaltlich differenziertes Lehrangebot“ fest.
Angesichts ihrer Multifunktionalität sind OT an den Unis durchweg als Vertiefungsrichtungen in die klassischen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächer und Anwendungsgebiete integriert. Demgegenüber bieten einige Fachhochschulen spezialisierte Studiengänge.
Beim lebenslangen Weiterlernen in den dynamischen Technologien arbeiten kleine und mittlere Firmen gern und ausführlich mit den Fachhochschulen der Region zusammen. Bei Großunternehmen ist das anders, wie Wiebecke Novello-von Bescherer vom Institut für Wissenstransfer der Uni Bremen betont. Da sich die Großen selber als Technologieführer sehen, halten sie von der Beratung durch Hochschulen weniger.
Externe Seminaranbieter von offenem Allgemeinwissen haben im Hightech-Bereich anders als in anderen Weiterbildungsszenen wenig Chancen, bemerkt Novello-Bescherer. Es sei denn, sie stellen sich um von standardisierten Inhalten auf die Beratung und Gestaltung von bewussten Selbstlernprozessen im jeweiligen Unternehmen. Denn moderne OT-Betriebe sind wissensgetriebene Organisationen schlechthin.
HERMANN HORSTKOTTE

Von Hermann Horstkotte

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