Hochschule

Kunststoff, neuer Stern am Autohimmel  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 4. 08, jul – Wer sich näher mit Polymeren, den Allzweck-Werkstoffen, befasst, findet bei Fahrzeugbauern und Zulieferern vielversprechende Berufschancen. Doch nur wenige Hochschulen bieten spezielle Vertiefungsangebote an. Das liegt an der universellen Verwendbarkeit von Kunststoffen. „Wer Kunststofftechniker werden will, sollte das Feld am besten branchenunabhängig studieren – und kann dann etwa auch im Autosektor erfolgreich arbeiten“, rät Thorsten Krumpholz vom Institut für Kunststoffverarbeitung.

Kunststoffe im Kraftfahrzeug“ – diese Vertiefungsrichtung im Range eines technischen Wahlpflichtfachs mit Vorlesung und Übungen gibt es an der TH Aachen, an anderen deutschen Hochschulen nur selten, wenn überhaupt noch ein zweites Mal. Dabei wächst der Anteil der Polymere im Pkw-Bau von fünf Gewichtsprozent vor dreißig Jahren auf heute zwölf und laufend mehr.

„Denn Bauteile aus oder im Verbund mit Plastik können leichter sein als Metall oder Glas und so den Spritverbrauch des Kraftfahrzeugs vermindern“, sagt Peter Urban vom Institut für Kraftfahrwesen (IKA). Ferner können die Teile als „schnittfestes“ Erdölprodukt je nachdem am Ende ihres Lebens verbrannt und in Energie recycelt werden. „Und überhaupt ist Plastik bekanntermaßen preisgünstig, wenn verschiedene Funktionen in ein Bauteil integriert werden können“, so Urban.

Das Aachener Vorlesungs- und Übungsprogramm, fächerübergreifend angeboten vom IKA und dem Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV), reicht von der Werkstoffkunde im Hinblick auf besondere Anforderungen im Kfz-Bereich über Plastik in der Innenraumausstattung und im Außenbereich bis zu speziellen Funktionsteilen wie etwa Scheinwerfern.

Der Grund für die Seltenheit eines solch speziellen Lehrangebots liegt in den fast universellen Verwendungsmöglichkeiten der Polymere, einem Allzweck-Werkstoff für tausend Formen und Funktionen. „Wer Kunststofftechniker werden will, sollte das Feld am besten branchenunabhängig von der Herstellung über die Verarbeitung bis zum Produkt studieren – und kann dann etwa auch im Autosektor erfolgreich arbeiten“, erklärt Thorsten Krumpholz vom Aachener IKV.

Kunststofftechnik ist das hauptsächliche Forschungs- und Lehrgebiet an rund zwei Dutzend Lehrstühlen deutscher Unis. Die Fachvertreter haben sich im „Arbeitskreis Kunststoffverarbeitung“ zusammengeschlossen. In den Struktur- und Entwicklungsplänen der Hochschulen wird die Ingenieurdisziplin trotz ihrer wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung unterschätzt.

Ein klares Indiz: An der TU München, der offiziellen deutschen Elite-Uni, gibt es keinen K-Lehrstuhl mehr er wurde eingezogen. Der amtliche Hochschulkompass weist bundesweit lediglich ein Dutzend Studiengänge nach, nicht zuletzt an Fachhochschulen. Im nächsten Wintersemester kommt ein weiterer hinzu, an der FH Südwestfalen in Verbindung mit dem mittelstandsorientierten Kunststoff-Institut in Lüdenscheid.

Unter den Unis sind neben Aachen noch Stuttgart und Paderborn Kunststoff-Leuchttürme mit besonderem Kfz-Bezug. In der baden-württembergischen Autometropole stehen Schläuche, Tanks, Innenverkleidungen und Stoßfänger im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Reversible Stoßstangen aus Kunststoff können Anstöße bis zu 6 km/h aufnehmen und die entsprechenden Eindellungen ohne Reparatur zurückbilden.

Nächstes Ziel sind energieabsorbierende Stoßfänger aus halbharten Schaumstoffen, die schon bei geringer Schichtdicke den Aufprall eines Menschen dämpfen und Verletzungen von Fußgängern oder Radfahrern vermindern. Benzinschläuche und -tanks sind innen möglichst so auszukleiden, dass der Kraftstoff nicht mit dem Kunststoff reagiert und zum Verschleiß des Behälters oder der Leitung führt. Umweltschonender Biodiesel stellt dabei besondere Anforderungen.

Dem Interieur dient rund die Hälfte des gesamten Kunststoffs im Auto. Der schöne Schein spielt beim Kauf eine große Rolle. Eine besondere Herausforderung: die Airbagbox für den Beifahrer möglichst fugenlos und unsichtbar in die Kunststoffoberfläche des Armaturenbretts zu integrieren.

Heute ist der Hersteller als „Original Equipment Manufacturer“ (OEM) meist nur noch mit 30 % am fertigen Pkw beteiligt. Seine Kernaufgabe ist die Motorentwicklung. Viele andere Neuerungen im Bereich Komfort und Sicherheit stammen nicht eigentlich von Fahrzeugbauern, sondern von Zulieferern mit Spezialkompetenzen nicht nur fürs Auto. Das gilt vor allem für die Nachfrage nach Elektronik.

Damit kommt automatisch auch die Hardware Kunststoff zum Zuge, z. B. zur Isolierung und Ummantelung von Sensoren, die etwa beim Einparken ohne Schrammen helfen. Bester Beweis für die zunehmende Bedeutung solcher Bauteile ist der Übergang vom 12/14-V-Bordnetz zum dreifach stärkeren 42-V-Netz in der gehobenen Auto-Klasse.

Zum Kfz-Markenzeichen wird mehr und mehr auch die optimale Beleuchtung. In zwei Jahren ist geeignetes Tagesfahrlicht für alle Neufahrzeuge in der Europäischen Union Pflicht. Einen akademischer Leuchtturm für die automobile Lichttechnik stellt die Uni Paderborn mit ihrem L(icht)Lab(oratorium) dar. Das ist ein gemeinsames Forschungsinstitut der Hochschule und des Elektronikkonzerns Hella, einem der Top 50 Unternehmen unter den Autozulieferern weltweit.

Zum Lehrangebot aus dem LLab gehört etwa die Vorlesung „Werkstoffe für Licht am Automobil – Anforderungen und Eigenschaften“. Die optimale Werkstoffwahl für Scheinwerfer, Signalleuchten und Innenlicht hängt im Wesentlichen von Temperaturbeständigkeit, mechanischer Festigkeit, Transparenz und Kosten ab, lernen die angehenden Ingenieure.

Für die Studenten von heute ist Plastik im Alltagsleben ganz selbstverständlich – vom Legobaustein über die Bildanzeige auf dem Display bis zum Skateboard und dem Auto von morgen. Wie vom Winde verweht die Zivilisationskritik in den achtziger und neunziger Jahren. „Ich versteh“ meine Eltern nicht mehr“, sagt ein Aachener Kfz-Student, „denen war damals der Plastikkugelschreiber verpönt und der Bleistift musste in Tropenholz gefasst sein – welch ein Missverständnis im Umweltschutz!“ H. HORSTKOTTE

 

Stellenangebote im Bereich Projektmanagement

FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR WINDENERGIESYSTEME IWES-Firmenlogo
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR WINDENERGIESYSTEME IWES Projektmanagerin / Projektmanager / Operations Manager für Offshore-Messkampagnen Bremerhaven
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben-Firmenlogo
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Technischer Sachbearbeiter (m/w/d) Dresden
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Regionaler Applikationsingenieur (w/m/d) Berlin
ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH-Firmenlogo
ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH Projektmanager Entwicklung Luftfahrtgeräte (m/w/d) Fürstenfeldbruck
Knauf Gips KG-Firmenlogo
Knauf Gips KG HSE-Manager (m/w/d) Iphofen (Raum Würzburg)
ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH-Firmenlogo
ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH Projektmanager Sea Lion (m/w/d) Koblenz, Wurster Nordseeküste
FR. LÜRSSEN WERFT GMBH & CO. KG-Firmenlogo
FR. LÜRSSEN WERFT GMBH & CO. KG Fachkoordinator (m/w/d) Elektrotechnik Bremen
BERGER BAU SE-Firmenlogo
BERGER BAU SE Bauleiter (m/w/d) Passau
Group Schumacher über Dr. Windel & Partner Gesellschaft für Management und Personalberatung mbH-Firmenlogo
Group Schumacher über Dr. Windel & Partner Gesellschaft für Management und Personalberatung mbH Leiter Forschung und Entwicklung (m/w/d) Eichelhardt
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Campus Nord-Firmenlogo
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Campus Nord Projektbevollmächtigte (w/m/d) im Bereich Industrie 4.0 – Fachrichtung Maschinenbau, Mechatronik oder Informatik Eggenstein-Leopoldshafen

Alle Projektmanagement Jobs

Top 5 Studium