Nachwuchsförderung

Kleine Ingenieure auf Entdeckungsreise  

Vor drei Jahren gründete die Bottroperin Nadine Müller die Premini Spielzeugberatung. Die 34-Jährige nimmt Baukästen, Roller oder Puppen unter die Lupe und berät Eltern, Unternehmen und öffentliche Institutionen bei der Einrichtung von Spielräumen. Zweimal wurde sie mit dem „Unternehmerinnenbrief NRW“ ausgezeichnet. Die VDI nachrichten sprachen mit ihr über die Bereitschaft von Unternehmen, Kinder für Technik zu begeistern. VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 3. 10, ws

Müller: In erster Linie müssen die Spielsachen eine starke Kombination aus hohem Aufforderungscharakter und nachhaltigem Spielwert haben, damit sie attraktiv für die Kinder sind. Dabei müssen qualitativ hochwertige Spielsachen nicht unbedingt aus robustem Holz sein. Eine gut verarbeitete Ritterburg oder detailreiche Tierfiguren aus Kunststoff können ebenso wertvoll sein. Sie müssen in erster Linie von den Kindern mit Freude bespielt werden können und sie dabei unbewusst anregen. Gutes Spielzeug bietet eine Menge Potenzial. So werden vor allem die motorischen und sprachlichen Fähigkeiten gefördert.

Und wie sieht es mit dem naturwissenschaftlichen und technischen Verständnis aus? Überspitzt gesagt: Kann man durch die Auswahl des richtigen Spielzeugs schon im Kindergarten den Ingenieurnachwuchs begeistern?

Auf jeden Fall. Es ist nachgewiesen, dass Kinder, die sich in frühen Jahren für Technik und Naturwissenschaften im Spiel begeistern, diese Leidenschaft und Freude auch später beibehalten. Manchmal mündet diese frühe Prägung vielleicht sogar in einen entsprechenden Beruf. Dabei kommt es nicht nur auf die Auswahl des Spielzeugs an – es gibt hervorragendes technisches Spielzeug oder auch Gesellschaftsspiele, die sich mit Themen wie Magnetismus oder Optik beschäftigen -, sondern auch darauf, dass Eltern die Kinder selbst die Ritterburg aufbauen lassen und das nicht vorweg „erledigen“. So wird das Verständnis für konstruktive und technische Zusammenhänge erst geweckt.

Haben Sie den Eindruck, dass viele Betriebe und Institutionen offener werden für familienfreundliche Maßnahmen wie Betriebskindergärten, Spielzimmer und ähnliches?

Ja, ich verzeichne bei den Betrieben erfreulicherweise ein steigendes Interesse an der Thematik. Waren es zu Anfang meiner Tätigkeit vor allem die Privatkunden, die sich von meinem Motto „Bildung beginnt spielend“ angesprochen fühlten, setzen jetzt auch verstärkt Firmen auf meine Unterstützung, um die Familienbande ihrer Arbeitnehmer zu stärken. Das freut mich nicht nur als Unternehmerin, sondern auch als Frau und Mutter.

Wie kam es dazu, dass Sie sich mit dieser ungewöhnlichen Idee selbstständig machten?

Die Idee zur Selbstständigkeit kam mit der Geburt meiner Tochter Pauline vor acht Jahren. Damals war ich Lehramtsstudentin für Sonderpädagogik. Ich hatte große Probleme, vernünftiges Spielzeug in den Geschäften zu finden. Leider gibt es immer weniger alteingesessene Spielwarenhändler, die noch Wert auf gute Beratung legen und das Kind nicht nur als Konsumenten sehen. Ich fühlte mich im Spielzeugdschungel regelrecht alleingelassen, daraus erwuchs meine Geschäftsidee. 2005 kam es dann zur Firmengründung mit einer vollkommen neuen Idee. Spielen braucht eine Lobby und starke Partner, wenn wir Bildungsnation bleiben wollen.

Die gute Resonanz auf Ihre Geschäftsidee zeigt, dass Sie eine Marktlücke aufgedeckt haben. Wie groß ist die Nachfrage nach Ihren Beratungsleistungen?

In meiner Tätigkeit als „Frau Spielzeug“ arbeite ich mittlerweile fast ausschließlich auf der Beratungsebene. Ich unterstütze übrigens auch den VDIni-Club im pädagogischen Beirat bei der Förderung des technischen Nachwuchses. Die Nachfrage nach Beratung ist sehr vielfältig und macht meine Arbeit richtig spannend. Egal, ob es Beratungen für Unternehmen, Themenseminare oder die Begleitungen von kommunalen Initiativen sind – das Thema „Spielen“ liegt mir einfach sehr am Herzen. Mir ist es wichtig, nicht aus dem pädagogischen Elfenbeinturm heraus zu dozieren, sondern praktikable und lebensnahe Angebote zu machen, die alle Beteiligten mit Spaß zum Erfolg führen.

Und das Unternehmen floriert, inzwischen sind Sie eine bundesweit gefragte Beraterin und machen sogar bei der „Denkmalkampagne“ des Startercenters NRW mit, die erfolgreichen Gründern ein „Denkmal“ setzt.

Ja, inzwischen habe ich aus meinem Einzelunternehmen eine GmbH gemacht und bin jetzt Arbeitgeberin von zwei Teilzeitkräften und neun freien Mitarbeitern, die mich bei meinem neuen Projekt „Bildung beginnt spielend – meine Stadt spielt mit!“ unterstützen.

SABINE HENSE-FERCH

Von Sabine Hense-Ferch

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