Nachwuchsförderung

Kleine Forscher als Hoffnungsträger für morgen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 5. 07, ws – NRW ist besonders stark vom Ingenieurmangel betroffen. Der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt im Bildungssektor, wie die Podiumsteilnehmer auf der Tagung „Zukunft durch Innovation.NRW.“ unisono unterstrichen. Damit aus einer „löchrigen Pipeline“ eine Bildungskette werde, müssten die einzelnen Lernabschnitte reibungsloser miteinander verbunden werden.

Pinkwart betonte in diesem Zusammenhang den Schulterschluss seines Ministeriums mit dem Schulministerium. Gegen eine stärkere Vernetzung aller bildungsrelevanten Akteure hat auch VDI-Direktor Willi Fuchs nichts einzuwenden, fordert aber vehement das Ende aller „Sonntagsreden“: „Von 837 Schulen mit gymnasialer Oberstufe bieten nur 39 Technik als Grund- oder Leistungskurs an.“ Diese Zahl könne man mindestens verzehnfachen.

Fuchs beklagte den „geringen Widerhall“, den die Themen Technik und Wirtschaft im Schulunterricht fänden, und das ausgerechnet in einem Land, das wesentlich von diesen beiden Motoren angetrieben werde.

Vorrangiges Ziel müsse es sein, so einhelliger Tenor der Tagung, Kinder möglichst früh mit Technik in Kontakt zu bringen. Das mache aber nur Sinn, wenn die Bruchstellen in der Bildungskarriere möglichst sauber gekittet würden, mahnte Uwe Pfenning, Techniksoziologe an der Uni Stuttgart. „Wenn das Thema Technik beim Übergang vom Kindergarten in die Schule nicht aufgegriffen wird, nutzt auch die Frühförderung wenig.“

Eine Folge verfehlter oder ausbleibender Informationspolitik seien die Vorstellungen, die Jugendliche vom Ingenieurberuf haben: Er sei stereotyp, altbacken und überholt. Technik sei nichts, was unsere Gesellschaft wesentlich voranbringe, meinen viele Jugendliche. Wer sich dennoch für ein Ingenieurstudium entscheide, so Pfenning, wähle den Schritt meist nicht aus Begeisterung, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Der Wissenschaftler weiß aus Studien: „Für nur ein Drittel der Befragten ist der Spaßfaktor maßgebend.“

Ekkehard Winter von der Deutschen Telekom Stiftung hält ebenso wie Pfenning die Bildungsübergänge für problematisch: „Wir haben keine Bildungskette vor uns, sondern eine löchrige Pipeline.“ Das Dilemma werde durch eine „Osterhasenpädagogik“ intensiviert: „Wir brauchen in Kindergarten und Grundschule andere Formate der Vermittlung, Formate, die das Experimentieren und Forschen fördern.“ Außerdem fehle es an diagnostischen Instrumenten, Techniktalente früh zu erkennen.

Nur Schwarzmalen wollte aber auch Winter nicht. Außerschulische Angebote zur naturwissenschaftlichen und technischen Förderung, etwa Schülerlabore, gebe es in ähnlicher Masse und Klasse sonst nirgends weltweit.

Gemeinsame Klage auf den Tagungspodien: Der Pflichtanteil für naturwissenschaftliche Fächer an Schulen kommt zu kurz. Gleichzeitig sei der Spielraum beim Abwählen naturwissenschaftlicher Fächer zu groß. Mögliche Lösungen zur Förderung technischen Nachwuchses: Technikunterricht im Rahmen der Ganztagsschule und Learning by Doing in Schullabors.

Manfred Walhorn, Abteilungsleiter im NRW-Ministerium für Schule und Weiterbildung, beanstandete das zu große Entgegenkommen beim Wunsch, „schwierige Fächer“ abzuwählen. Ein Zwischenruf aus dem Plenum: „Fächer werden nur dann abgewählt, wenn der Unterricht schlecht ist.“ Auch Pädagogen müssten in die Pflicht genommen werden.

Ingrid Wünning, Programmbereichsleiterin „Wissenschaft und Forschung“ der Robert-Bosch-Stiftung, schlug vor, die Welt der Schule mit der Welt der Forschung zu vernetzen. Im Rahmen der Ganztagsschule ließen sich entsprechende Kurse realisieren. Wünning: „Ich persönlich habe bei Forschungsaktivitäten mehr gelernt, als in Schule und Universität zusammen.“

Die Aufmerksamkeit von Schülern auf Naturwissenschaft und Technik zu lenken, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, meint Elke Hartmann, Professorin an der Universität Wittenberg. Man müsse an die Wurzeln des Bildungsverständnisses gehen und Berufsbilder neu definieren. Wie notwendig das sei, könne man allein daran erkennen, dass heute ein Mediziner zu 50 % als Techniker fungiere. ws/E.W.

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