Technikunterricht

Kleine Experimente, große Wirkung  

VDI nachrichten, Berlin, 30. 11. 07, sta – Im „Haus der kleinen Forscher“ erfahren Kinder, wie Luftkissenboote fahren, wohin der Zucker im Tee verschwindet oder was Oberflächenspannung ist. Ins Leben gerufen wurde die Initiative von der Helmholtz-Gemeinschaft, McKinsey, Siemens und der Dietmar-Hopp-Stiftung. Jüngst entdeckten die kleinen „Havelmäuse“ von der gleichnamigen Kita in Berlin das Geheimnis des blauen Rotkohls und lernten dabei etwas über Säure-Base-Indikatoren.

Blumenkohl!“, ruft Emma. Erzieherin Martina Wanzek hat einen violetten Kohlkopf auf den Tisch gelegt und in die Runde gefragt, was das wohl ist. „Nee“, hält Anna-Noemi lautstark entgegen, „Blumenkohl ist doch so weiß.“ „Und welche Farbe hat der hier?“, fragt Wanzek. Emma reagiert wieder als Erste. „Rotkohl!“ Sie zögert, schaut nochmal hin und fragt dann leise: „Eigentlich müßte es aber doch wohl Lilakohl heißen?“

Damit hat die Fünfjährige das Thema erfasst, noch ehe die Experimente begonnen haben. Mit sechs kleinen Kollegen – alle um fünf Jahre alt – gehen Emma und Anna-Noemi der Frage nach, wieso der lila Kohl Rotkohl heißt. Die Acht verstehen sich schon seit Herbst 2006 als kleine Forscher. Damals fingen Wanzek und ihre Kollegin Silke Lange mit den Experimenten an. Die Kitaleitung war auf die Initiative „Haus der kleinen Forscher“ aufmerksam geworden, die Erzieher kostenlos in Workshops auf Experimente mit Kindern vorbereitet und sie mit Anleitungen und Erklärungen versorgt.

„Gerade die ersten Workshops waren als Ermutigung wichtig“, erinnert sich Lange. Denn obwohl ihr Naturwissenschaften grundsätzlich liegen, war sie unsicher, ob sie allen Fragen einer Horde von Vorschulkindern gewachsen sein würde. Heute, viele Workshops und Experimente später, weiß sie, dass ihre Sorge unbegründet war. „Es geht eher darum, Faszination zu wecken, als alles bis ins letzte Detail zu erklären.“

Für die Kinder ist heute ein besonderer Tag. Sie dürfen zum ersten Mal weiße Kittel anziehen – wie echte Forscher. Sorgfältig knöpfen Emma & Co. ihre neue Montur zu, ehe sie sich mit flinken Fingern an den Rotkohl machen. Jedes Kind pellt ein Blatt ab und schneidet es mit einem Messer in Streifen. Dabei assistiert ihnen eine promovierte Chemikerin: Astrid Brand vom Berliner Hahn-Meitner Institut. Bis vor Kurzem ging ihr Sohn zu den „Havelmäusen“. Als sie von der Initiative erfuhr, schloss sie sich sofort an. Seitdem nimmt sie sich einen Vormittag im Monat für die Experimentierstunden frei. Auch sonst ist sie bei kniffligen Fragen ansprechbar. Doch heute staunen die Kinder mehr, als dass sie fragen.

Denn als sie ihre Rotkohlstreifen in einem Glas mit heißem Wasser übergießen, wird das Wasser blau. „Also muss es Blaukohl heißen“, murmelt Martin am Kopfende des ovalen Tisches leise. Er hat ruhig auf das Messer seines Nachbarn Justus gewartet, als es ums Schneiden ging. Behutsam hat er nur wenige Kohlschnipsel ins Glas gelegt. Ganz anderes Emma und Anna-Noemie. Ihre Gläser sind randvoll und ihr Wasser färbt sich zusehends tiefblau. Das Duo nimmt dieses Schauspiel aber nur am Rande wahr. Ihre neugierigen Blicke kleben an Betreuerin Lange.

Diese regt bereits ein neues Experiment an. Die Kinder sollen kaltes Wasser in ein zweites Glas gießen. Chemikerin Brand streut einen Esslöffel des Küchengewürzes Curcuma (Gelbwurz) ein. „Jetzt könnt ihr umrühren“, sagt sie. Sofort steht das Geklingel von acht eifrig rührenden Löffeln im Raum. „Das wird ja Orange!“, staunt Emma.

Doch dabei soll es nicht bleiben. Wanzek geht mit einem Glas voll farbloser Flüssigkeit um. Darin ein Gerät, dass die Kleinen schon kennen sollten. „Eine Pinzette!“ ruft Emma vorschnell. Die anderen berichtigen im Chor „Pi-pe-tte“. Wanzek erklärt, dass sie Spülmaschinenpulver in das Wasser gerührt hat und die Kinder es nicht trinken sollen. Die nehmen es ruhig hin und machen sich ohne weitere Erklärung ans Pipettieren. Wieder schlagen Emma und ihre Freundin kräftig zu. Sie spritzen zwei volle Pipetten ins orange Wasser. „Das wird rot!“ rufen sie begeistert. Die anderen Kinder wollen auch mal, und jedes Einzelne staunt mit großen Augen in sein Glas, als die orange Flüssigkeit plötzlich in ein tiefes Rot umschlägt.

„Gerade vorsichtige Kinder wie Martin bringen die Experimente weiter“, sagt Wanzek später. Und es spricht wirklich Stolz aus seinen Augen, als sich das Wasser auch bei ihm verfärbt. Nicht so doll wie bei den forschen Mädels, aber es wird rot – und er allein hat das geschafft. Viel Zeit zum Schwelgen bleibt ihm aber nicht. Denn Brand reicht ihm ein zweites Gefäß mit Pipette. „Darin ist Zitronensäure“, erklärt sie. „Von Zitronen?“, fragt Martin. „Genau“, bestätigt Brand. Als der Junge die Pipette in sein Glas leert und rührt, ist das Wasser plötzlich wieder Orange. Er staunt und schweigt. Es dauert lange, bis er den Blick vom Glas abwendet.

In der Zwischenzeit sind auch die anderen wieder zurück auf Orange. Aber das tiefblaue Rotkohlglas, das steht noch immer da – inzwischen etwas abgekühlt. „Und jetzt zum Blaukraut“, gibt Wanzek das Aufbruchsignal. Kollegin Lange sagt den Zungenbrecher vom Blaukraut und Brautkleid auf. Doch Blaukraut bleibt nicht Blaukraut. Denn als die Kinder eine Pipette voll Zitronensäure ins Glas drücken, wird aus Blaukraut Rotkohl. Wie vorhin machen sie den Farbumschlag rückgängig – diesmal mit dem Spülmittel-Wasser. Die Erzieherinnen sprechen nun beiläufig von Säure und Lauge. Die Begriffe sollen sich festsetzen, damit die Kinder auf die konkrete Erfahrung zurückgreifen können, wenn in der Schule davon die Rede ist.

Den Initiatoren des Projekts geht es um die naturwissenschaftlichen Kompetenzen deutscher Schüler, die im internationalen Vergleich nur mittelmäßig sind. Sie wollen Physik und Chemie – bei Schülern extrem unbeliebt – aufwerten. Und sie wollen etwas gegen den Missstand tun, dass noch immer zu wenige junge Frauen naturwissenschaftliche und technische Fächer studieren. „Wir wissen aus vielen Studien, dass Kinder geradezu wissbegierig sind“, so Jürgen Kluge. „Wir müssen diese Chance nutzen und alle Talente fördern.“ Kluge ist ehemaliger Deutschlandchef von McKinsey und Spiritus Rector des „Hauses der kleinen Forscher“.

McKinsey hat den Stein 2006 zusammen mit Siemens, der Dietmar-Hopp-Stiftung und der Helmholtz-Gemeinschaft ins Rollen gebracht. Das Quartett hat 2 Mio. € Finanz- und Sachmittel gestiftet, um das Projekt bis 2008 zu finanzieren. Damals ahnten sie nicht, dass ihr Angebot in ein Vakuum stößt. Inzwischen haben sich fast 2000 Kindergärten im ganzen Bundesgebiet angeschlossen. Und laut Mirko Poltier, dem Sprecher der Initiative, melden sich fast täglich neue Interessenten. „Es entstehen überall lokale Netzwerke. Wir bilden heute vor allem Trainer aus, um die Workshops mit den Erziehern vor Ort auf die Beine zu stellen.“ Wegen der enormen Nachfrage, hat Schirmherrin Dr. Annette Schavan jüngst eine Weiterfinanzierung in Höhe von 3,5 Mio. € bis 2010 zugesagt.

Die Kleinen Forscher können also noch eine ganze Weile die Ärmel hochkrempeln. Unsere Acht sind jetzt eine Dreiviertelstunde konzentriert am Werk. Keiner hat rumgealbert, geträumt oder auch nur im Ansatz versucht, aufzustehen. „Sie sind immer voll bei der Sache“, freut sich Wanzek.

Trotzdem bleibt natürlich nicht alles haften. Als die Erzieherinnen das Erlebte mit den Kindern rekapitulieren, geht vieles durcheinander. Doch das stört niemanden. Denn das „Haus der kleinen Forscher“ will ja keine kleinen Professoren hervorbringen, sondern Begeisterung für naturwissenschaftliche Phänomene wecken. Und das ganz sicher gelungen – die hoch konzentrierten, staunenden und strahlenden Blicke von Emma, Martin und den anderen lassen daran keinen Zweifel.

PETER TRECHOW

Von Peter Trechow

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