Hochschule

Kein Geld für die nötigsten Reparaturen

Präsident Jürgen Lüthje lobt die Leistungen der Uni Hamburg. Doch in vielen Instituten stehen veraltete Geräte, es fehlt am Geld für Reparaturen. Professoren sehen Gefahren für Forschung und Lehre.

Uraltes Gemäuer, drangvolle Enge: In solchen Räumen ist an der Uni Hamburg das Institut für Laserphysik untergebracht. Der Besucher muß höllisch aufpassen, damit er sich in den kaum einen halben Meter breiten Gängen nicht in Kabeln und Schläuchen verheddert und dabei wichtige Experimente zerstört. Wer unter solchen Bedingungen forscht, muß über viel Idealismus und Engagement verfügen. Denn durch solche Bedingungen „werden neue Drittmittelprojekte stark eingeschränkt“, ist im jüngsten Forschungsbericht der Hamburger Uni zu lesen.
Als der Hamburger Uni-Präsident Jürgen Lüthje diesen Forschungsbericht im Januar der Öffentlichkeit vorstellte, war von den katastrophalen Zuständen, wie sie in manchen Instituten anzutreffen sind, jedoch kaum etwas zu hören. Voller Stolz lobte er statt dessen die Forschungsleistungen „seiner“ Hochschule. Bei der Einwerbung von Geldern der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für Sonderforschungsbereiche und Graduiertenkollegs habe die Uni Hamburg besonders erfolgreich abgeschnitten. So habe die Uni 1996, neuere Zahlen liegen nicht vor, rund 150 Mio. DM an Drittmitteln erhalten, davon 36,5 Mio. von der DFG für die Qualität der Forschung.
Ein völlig anderes Bild ergibt jedoch der Vergleich mit anderen Universitäten. Die den Hochschulen bis Mitte der 90er Jahre von der DFG bewilligten Drittmittel pro Wissenschaftler mag ein guter Indikator für die Qualität der Forschung sein. Danach entfielen auf jeden Wissenschaftler (Hochschullehrer und wissenschaftliche Mitarbeiter) in Hamburg 58 000 DM. Damit ist die Uni im bundesweiten Vergleich im unteren Drittel angesiedelt. Zum Vergleich: Die vier Spitzenreiter erhielten mehr als 200 000 DM je Wissenschaftler.
Auch bei den Bewilligungen je Professur steht Hamburg nicht viel besser da. Über einen Mittelplatz zwischen Chemnitz und Tübingen kommt Hamburg auch in den Naturwissenschaften nicht hinaus. Auch wenn diese Zahlen nur bis in die Mitte der 90er Jahre reichen, sind sie aussagekräftig, denn die Bewilligung von Mitteln in der DFG sind über Jahre hinaus stabil.
Dennoch: An der Uni Hamburg werden gute Forschungsergebnisse erzielt. Walter Kaminsky, Professor am Institut für Technische und Markromolekulare Chemie, arbeitet an der Entwicklung sogenannter Metallogene, die als Katalysatoren in der Produktion von Polyolefinen, der am meisten produzierten Kunststoffgruppe, eingesetzt werden. Ihr Einsatz erlaubt es, Eigenschaften der Kunststoffe wie Härte und Bruchfestigkeit bereits in der Grundstoffproduktion nach Bedarf einzustellen, so daß die spätere Konditionierung mit Zuschlagstoffen teilweise entbehrlich wird. Die Produktion wird dadurch preiswerter.
Dennoch ist für manche Hochschullehrer die Situation inzwischen bedrohlich geworden, auch für das Institut für Technische und molekulare Chemie. Professor Kaminsky: „Es fehlt an Geräten der Grundausstattung wegen Überalterung der vor 15 bis bis 25 Jahren angeschafften Geräte. Es fehlt an Geld zur Reparatur der vorhandenen oft veralteten Geräte.“
Wie reagiert die verantwortliche Politikerin auf dieses Problem? Die grüne Hochschulsenatorin Krista Sager macht aus der Not eine Tugend: „Um so höher ist die Leistung des Instituts zu bewerten“, so der lakonische Kommentar zu den Problemen der Hochschullehrer.
Der weiterhin rigide Sparkurs, den die Universität einhalten muß, könnte durchaus dazu führen, daß an Fachbereichen einzelne Institute schließen müssen. Präsident Lüthje sieht darin kein Problem, weil es im Laufe der Restrukturierung der Fachbereiche ohnehin zu Zusammenlegungen und Schließungen einzelner Institute kommen werde, so der Hochschulentwicklungsbericht der Hamburger Universität. Bis dahin können zwar noch Jahre vergehen, doch in vielen Instituten wird diese Entwicklung mit Sorge beobachtet.
Im Forschungsbericht findet sich kaum eine universitäre Einrichtung, die ihre Arbeit nicht durch gravierende Ausstattungsmängel stark beeinträchtigt sieht: Bibliotheken können nicht ordentlich geführt werden, Öffnungszeiten müssen eingeschränkt, wichtige Fachzeitschriften abbestellt werden die Ausstattung mit Rechnern ist unzureichend und antiquiert. Darunter leiden die Studierenden ebenso wie Hochschullehrer, Doktoranden und Diplomanden.
Daß unter diesen Bedingungen an der Hamburger Universität noch Spitzenforschung betrieben wird, erscheint wie ein kleines Wunder. Ähnliche Labors sind in der Industrie deutlich besser ausgestattet, sowohl was die Geräte als auch die Räume angeht. Außerdem brauchen Forscher dort nicht zu lehren und müssen ihre Zeit nicht in stundenlangen Gremiensitzungen verbringen.
Die Campus-Romane des ehemaligen Hamburger Anglistik-Professors Dietrich Schwanitz scheinen daher nicht sehr weit von der Wirklichkeit entfernt zu sein. Der Physiker Gerhard Mack jedenfalls gibt an, je ein Drittel seiner Zeit für Gremien, Lehre und Forschung aufzuwenden.
LUTZ BLOOS/H. STEIGER
Universität Hamburg: An manchen naturwissenschaftlichen Instituten reicht das Geld kaum noch, um die veralteten Geräte reparieren zu lassen. Die Einrichtung in den Laboren ist teilweise mehr als 20 Jahre alt.
Jürgen Lüthje, Präsident der Uni Hamburg, sieht Erfolg bei der Einwerbung von Drittmitteln.

Von Steiger

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