Nachwuchsförderung

Junge Leute begeistern sich wieder mehr für Technik

VDI nachrichten, Berlin, 19. 11. 04 -Über 1100 Veranstaltungen mit weit mehr als 1 Mio. Teilnehmern und Besuchern – eine beeindruckende Bilanz zum Jahr der Technik. Das große Finale findet nun vom 18. bis 21. November in Duisburg statt. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn ist sich sicher, dass die Dynamik dieser Veranstaltungen für die kommenden Jahre genutzt werden kann.

VDI nachrichten: Welche Erfahrungen haben Sie auf Ihrer Rundreise durch die Republik gemacht? Haben Sie Kinder und Jugendliche für die Technik gewinnen können?
Bulmahn: Es ist uns gemeinsam mit den Technikverbänden gelungen, dieses Wissenschaftsjahr zu einem großen Erfolg zu machen. Ich habe mich an vielen Orten selbst davon überzeugen können, wie attraktiv der Nanotruck oder das Tor zur Technik für die Besucherinnen und Besucher sind. Kinder und Jugendliche können in der „Technik-Rallye“ spielerisch und ohne Berührungsängste mit Technik in Kontakt kommen. Auf dem „Nanotruck“ haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, den Lotus-Effekt zu testen. Ein Evaluationsteam hat festgestellt, dass wir mit dem Jahr der Technik besonders intensiv die große Gruppe der Menschen in Deutschland erreichen, die an Informationen über Technik besonders interessiert ist.
VDI nachrichten: Und wie schätzen Sie die Auswirkungen ein?
Bulmahn: Dass die Wissenschaftsjahre insgesamt gut ankommen, daran besteht kein Zweifel. Und was für mich zählt, sind die harten Fakten: die Studienanfängerzahlen in den Ingenieurwissenschaften sind seit 1998 um über 40 % gestiegen – darunter immer mehr Frauen, mittlerweile mehr als 20 %. Damit wird deutlich: Das Jahr der Technik hat ähnlich wie die vorausgegangenen Wissenschaftsjahre, zuletzt das Jahr der Chemie, junge Menschen nachhaltig für die entsprechenden Berufe mobilisiert.
VDI nachrichten: Bergen die zahlreichen anschaulichen Veranstaltungen unter dem Motto „Technik zum Anfassen“ nicht die Gefahr, dass anspruchsvolle Prozesse so simplifiziert werden, dass sie über die wahre Komplexität von Technik hinwegtäuschen, und Schüler bei genauerem Hinsehen doch zurückschrecken?
Bulmahn: Diese Gefahr besteht immer ein wenig, aber deshalb kann man sich nicht der Aufgabe entziehen, Technik zu vermitteln. „Technik zum Anfassen“ soll eine grundlegende Erfahrung vermitteln, die jeder tiefer gehenden Analyse vorausgehen muss: Neugier lohnt sich, mit eigenem Wissen zu experimentieren, das macht Spaß. Wer sich darauf einlässt, dem werden ernsthafte Botschaften auf keinen Fall vorenthalten. In Duisburg zum Beispiel gehen Schülerinnen und Schüler unter dem Titel „Brennstoffzellentechnik statt Abhängigkeit vom Erdöl“ auf eine „mission possible“. Sie diskutieren die Technik mit Wissenschaftlern der Uni Duisburg-Essen. Danach präsentieren sie ihre Erkenntnisse bei RWE und diskutieren darüber, wie sie wirtschaftlich umgesetzt werden können.
VDI nachrichten: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den Schulen?
Bulmahn: Die Broschüren zum Jahr der Technik wurden von vielen Schulen in ganz Deutschland als Unterrichtsmaterialien angefordert. Sie zeigen neue oder gerade entstehende Technik – und das immer mit Menschen, die diese Technik gestalten oder gerade anwenden. Dabei bekommen die Jugendlichen wertvolle Tipps über technische Berufe oder auch Forschungsprojekte. Zu jedem der fünf Leitthemen im Jahr der Technik ist eine Broschüre erschienen. Dabei geht es zum Beispiel um virtuelle Realität, Gesundheitsforschung, Klimaschutz oder Verkehr.
VDI nachrichten: Haben sich Wirtschaft und Wissenschaft so eingebracht, wie Sie es sich erhofft haben?
Bulmahn: Die Wirtschaft macht aus Forschung und Technik Innovation. Deshalb bin ich sehr froh, dass es uns zum ersten Mal in einem Wissenschaftsjahr gelungen ist, neben den Verbänden und der Forschung die Wirtschaft zu mobilisieren. Viele Unternehmen haben sich ganz bemerkenswert eingebracht. Infineon in Dresden, Sennheiser in Hannover, Merck in Darmstadt, Lufthansa in Hamburg, Siemens in München. ThyssenKrupp hat allein mit einer Großveranstaltung 60 000 Besucherinnen und Besucher in einen Technik-Ideenpark auf Schalke geholt und damit Maßstäbe gesetzt.
Wie in den bisherigen Wissenschaftsjahren sind die Forschungsorganisationen aktiv beteiligt. Im Jahr der Technik insbesondere die Fraunhofergesellschaft. Erstmals haben sich die Fachhochschulen beteiligt. Nur als Beispiel: Die neue Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg hat mit ihrer Veranstaltung „Technik erleben“ 1200 Schülerinnen und Schüler angezogen.
VDI nachrichten: Wie groß war der finanzielle Aufwand?
Bulmahn: Rund 1100 Veranstaltungen sind im Jahr der Technik in ganz Deutschland organisiert worden. Dafür hat das Bundesforschungsministerium mit rund 3 Mio. € eine Anschubfinanzierung leisten können – nicht mehr aber auch nicht weniger. Die Partner des Jahres der Technik, Unternehmen, Sponsoren und Medienpartner – darunter auch die VDI-Nachrichten – haben erhebliche eigene Ressourcen eingesetzt – schätzungsweise rund 6 Mio. € zusätzlich.
VDI nachrichten: Was hätte man im Jahr der Technik besser machen können?
Bulmahn: Wir haben im Jahr der Technik zunächst einmal großen Wert auf sachliche Information gelegt. Dadurch und in Diskussionsrunden wurde Technik eindeutig als Zukunftsmotor Deutschlands ausgemacht. Dieser Dialog muss mit dem Ziel einer noch wirksameren Innovationspolitik vertieft werden – über das laufende Wissenschaftsjahr hinaus. Wir müssen in Deutschland um den richtigen Weg ringen, wie wir die Chancen von Forschung und Technik optimal für mehr Arbeit und Wachstum nutzen können. Darüber gibt es zwischen allen Beteiligten – Verbänden, Wirtschaft und Forschung – im Jahr der Technik eine klare Verständigung.
VDI nachrichten: Das Jahr der Technik ist vorüber. Wie lässt sich die Dynamik der Veranstaltungen für die kommenden Jahre nutzen?
Bulmahn: „Zukunft made in Germany“ ist das Motto im Jahr der Technik 2004. Dieses Motto bleibt natürlich nach diesem Wissenschaftsjahr äußerst aktuell. Genau so wie das Ziel öffentlich über Wissenschaft, Forschung und Technik zu debattieren. Natürlich gilt auch vom nächsten Jahr an, dass Wissenschaft, Technik und Forschung in unserer Gesellschaft eine breite öffentliche Unterstützung brauchen. Und da gibt es für mich berechtigte Hoffnung. Im Jahr der Technik haben nämlich erstmals die weit verzweigten technisch-wissenschaftlichen Vereine und Verbände gemeinsam gehandelt. Sie wollen das Konzept für den Tag der Technik fortführen. Der „Tag der Technik“, der im Juni erstmals stattgefunden hat, soll jedes Jahr veranstaltet werden. Ab 2005 wollen die Verbände so eine regelmäßige Plattform schaffen, um Techniker und Ingenieure und Ingenieurinnen in den Dialog mit Jugendlichen und Bürgerinnen und Bürgern zu bringen.
VDI nachrichten: Erwarten Sie von Ländern und Kommunen mehr Engagement, um Jugendliche für Technik zu begeistern?
Bulmahn: Ich setze auf einen Nachahmungseffekt, wenn gute Beispiele geliefert werden. Zum Beispiel Darmstadt. Dort hat man erkannt, dass die Natur- und Technikwissenschaften eine attraktive Marke sind, die kreative junge Leute anzieht und ein gutes Klima für Innovationen schafft. Darmstadt hat sich den Titel „Wissenschaftsstadt“ gegeben und sich im Jahr der Technik sehr engagiert. Ähnliches kann ich über den Elektronikstandort Dresden, das „Silicon Saxony“, das mit unserer Förderung entstanden ist, sagen. In Nordrhein-Westfalen werden mit der Initiative „Zukunft durch Technik“ junge Menschen angesprochen, die vor entscheidenden beruflichen Weichenstellungen stehen. Vieles ist durch das Jahr der Technik in Gang gekommen, was angesichts der demographischen Entwicklung und des weltweiten Wettbewerbs um Wirtschaftsstandorte und kluge Köpfe unabdingbar ist.
VDI nachrichten: Und wie sieht dies konkreter aus?
Bulmahn: Science-Festivals wie die High-Lights der Physik, Morning-Lectures, Schülerlabore, Girls- Days und Lange Nächte der Wissenschaften, die auch beweisen: Das gesellschaftliche Interesse an Forschung, Wissenschaft und Technik ist da und wächst beständig. Das ist nicht zuletzt auf den großen Erfolg dieses Technik-Jahres zurückzuführen! Und wir brauchen diesen Erfolg auch, um auf den für die Zukunft unseres Landes wichtigen Zusammenhang zwischen Technik und Arbeitsplätzen hinzuweisen.
WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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