Hochschule

Jobgarantie – ein Trumpf des Ostens  

VDI nachrichten, Berlin, 8. 12. 06, ws – Deutschland braucht mehr Ingenieure. Was aber geschieht? Nur noch 35,5 % eines Jahrgangs nehmen ein Studium auf – 1,5 % weniger als im Vorjahr. Besonders Ostdeutschland leidet unter dem Akademikermangel und der Abwanderung vor allem junger Frauen. Dieter Dohmen, Leiter des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie, mahnt, über der Forschungsförderung die Lehre nicht zu vergessen.

Dohmen: Es kann dem Westen nicht recht sein, wenn der Osten wirtschaftlich abbaut. Die Hochschulen sind wesentlicher Pfeiler ökonomischen Wohlstands. Und im Osten sieht es nicht rosig aus: Die Studienberechtigtenzahlen gehen ab 2010 massiv in den Keller, innerhalb von zwei, drei Jahren um über 50 %. Im Westen gibt es eine entgegengesetzte Tendenz. Hier kommen die geburtenstarken Jahrgänge aus den Gymnasien. Da die Schuldauer in etlichen Bundesländern von 13 auf zwölf Jahre reduziert wird, gibt es zwei Abiturjahrgänge. Im Interesse der wirtschaftlichen Entwicklung müssen Potenziale und damit auch die vorhandenen Studienplätze im Osten genutzt werden.

VDI nachrichten: Forschungsministerin Schavan meint, um im internationalen Wettbewerb mitmischen zu können, bräuchte der Osten exzellente Forschungszentren. Einverstanden?

Dohmen: Nichts gegen exzellente Forschung. Aber mit dem Zwang für die Hochschulen, sich vor allem über Forschung im Wettbewerb zu messen, besteht die Gefahr, die Lehre zu vernachlässigen. Probleme wie hohe Abbrecherquoten verlieren unter der Forschungspräferenz an Bedeutung. Wir sollten daher auch über Exzellenz in der Lehre reden. Kleine Hochschulen, und speziell die im Osten, haben im Wettbewerb um Studierende nur dann eine Chance, wenn sie mit interessanten Studienangeboten und guter Betreuung punkten können.

VDI nachrichten: Warum wenden sich so viele junge Frauen vom Osten und dem dortigen Studium ab?

Dohmen: 75 % der abwandernden jungen Menschen sind Frauen, 90 % der Zuwanderer sind Männer. Das liegt zum einen daran, dass die zahlreichen Fachhochschulen traditionell eher männerorientiert sind und der Osten eher technisch-naturwissenschaftlich orientiert ist. Zum anderen finden Studieninteressierte vielfach keine Hochschule in der Nähe, die das gewünschte Fach anbietet. Sollte ein Angebot vorliegen, fehlt dann oft die entsprechende Arbeitsstelle. Viele junge Menschen wählen daher den Westen, und Frauen sind offenbar weit mobiler als Männer.

VDI nachrichten: Wie könnten junge Frauen im Osten gehalten und für ein Ingenieurstudium gewonnen werden?

Dohmen: Interdisziplinäre Studiengänge, wie Ingenieurwissenschaften in Kombination mit Ökonomie oder Sprachen, bieten sich an. Auch eine bessere Berücksichtigung weiblicher Interessen innerhalb eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums wäre möglich. Es herrscht immer noch die diskriminierende Vorstellung, nach der technische und naturwissenschaftliche Disziplinen nur etwas für Männer sind.

VDI nachrichten: Motivieren die neuen Studiengänge, insbesondere der Bachelor, dazu, den Wechselwillen der Studierenden zu fördern?

Dohmen: Theoretisch ja, faktisch ist der Bachelor meist aber ein verschultes Schmalspurstudium. Man sollte darauf achten, die Auswahl in bestimmten fachlichen Schwerpunkten zu fördern, um persönlichen Interessen gerecht zu werden, ohne gleichzeitig in die alte Beliebigkeit zu verfallen. Dies gilt im Übrigen auch für den Fächerwechsel zwischen Bachelor und Master – warum nicht Pädagogik nach BWL oder Jura nach Sozialarbeit. Das könnte sinnvolle Kompetenzprofile schaffen.

VDI nachrichten: Wie sollte der Bachelor geartet sein?

Dohmen: Es sollte generell keinen Bachelor geben, der ohne Basiswissen in Ökonomie, Recht, Sprachen und ohne Ingenieurwissenschaften auskommt. Das stärkt die Schlüsselqualifikationen. Im Osten gibt es viele kleine Unternehmen. Die brauchen keinen Spezialisten, der perfekt im Controlling oder in Logistik ist. Sie brauchen Ingenieure mit wirtschaftlichem Sachverstand und Ökonomen mit Technikwissen. Kurz gesagt: Die Hochschulen sollten möglichst breit ausbilden, ohne dabei beliebig zu werden.

VDI nachrichten: Sie schlagen dem Osten bei der Werbung um Studierende neben einer eingeschränkten Gebührenfreiheit eine Jobgarantie vor. Können die Hochschulen das einhalten?

Dohmen: Die Jobgarantie ist gar nicht so spektakulär. Es ist offensichtlich, dass ab 2013 jeder Hochschulabsolvent in den Neuen Bundesländern einen Arbeitsplatz finden wird, weil die Unternehmen dann einen extremen Fachkräftebedarf haben werden. Der demografische Wandel erfordert allein schon einen erhöhten Akademikerbedarf von 35 % bis 40 %. Wir liegen zurzeit bei 20 %. Im Westen wird sich die Lage zur selben Zeit nicht so dramatisch darstellen, so dass die ostdeutschen Hochschulen ihr Profil mit der Jobgarantie stärken könnten.

VDI nachrichten: Käme dieses Signal auch bei den kleinen Betrieben an?

Dohmen: Da liegt sicherlich ein Schwachpunkt. Im Dialog zwischen kleinen Unternehmen und Hochschulen hapert es meist noch an den fehlenden Ressourcen der Betriebe. Ideal wären Netzwerke oder Mediatoren, die zwischen beiden Ebenen vermitteln.

VDI nachrichten: Wer könnte das sein?

Dohmen: Den Königsweg gibt es nicht. Der Wille zur Kooperation ist meist von Einzelnen abhängig. Es gibt solche Leute, aber leider nur wenige. WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz
Von Wolfgang Schmitz

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