Hochschule

Jena auf dem Weg zum Studentenparadies  

VDI nachrichten, Jena, 20. 3. 08, ws – Die exzellente Arbeit, die Forscher ostdeutschen Hochschulen bescheinigen, schützt sie nicht vor dem Image der „No-go-areas“ und den Folgen des demografischen Wandels. An der FH Jena weiß Rektorin Gabriele Beibst um die Gefahren, die ihrer blühenden Hochschule künftig drohen könnten.

Bescheidenheit ist eine Zier. Wenn die Tugend aber dazu führt, auf dem Markt nicht mehr wahrgenommen zu werden, haben Unternehmen ein Problem. Das Gleiche gilt für Hochschulen. Und da Klaus Dicke, Präsident der Friedrich-Schiller-Universität Jena, es gar nicht erst so weit kommen lassen will, vor lauter Elite-Hochschulen im Lande nicht mehr gesehen zu werden, geht er gemeinsam mit Gabriele Beibst, Rektorin der benachbarten Fachhochschule, in die Offensive: „Jena soll die studentenfreundlichste Stadt Europas werden“, erklären die beiden selbstbewusst.

Ein Marketing-Gag ohne inhaltliche Schwere? Wer offenen Auges durch die Straßen der thüringischen Stadt an der Saale schlendert, kann sich jedenfalls des Eindrucks nicht erwehren: Hier regiert die Jugend. In der Stadt der kurzen Wege verkehren Studierende auf Fahrrädern zwischen Hochschulen, Shops und Kneipen. Zahlen belegen den Ruf der jungen Metropole: Von den rund 100 000 Einwohnern ist jeder Vierte an Uni oder FH eingeschrieben.

Dabei sieht es für den Osten der Republik alles andere als rosig aus: Demografie-Experten prognostizieren ab 2010 ein Absinken der Studienberechtigtenzahlen von bis zu 50 %. Hochschulforscher Peer Pasternack rät den ostdeutschen Hochschulen, sich auf ihre regionale Bedeutung zu konzentrieren und dort ihre Stärken auszuspielen. Eine Strategie, die vor allem den Fachhochschulen mit ihren lokal orientierten Studierenden zugute kommen sollte.

Jena bietet nahezu ideale Rahmenbedingungen und bestätigt neben Leipzig und Dresden seinen Ruf als Leuchtturmregion. Hier sind die Berufsaussichten weit besser als in fast allen anderen Zentren Ostdeutschlands. Jenoptik, Schott und Carl Zeiss sind die namhaftesten Arbeitgeber. Sieben der derzeit 14 börsennotierten Thüringer Firmen sitzen in Jena. Die Verkettung von Wissenschaft und Wirtschaft hat hier eine beispiellose Tradition. Ein Grund für die Wahl zur „Stadt der Wissenschaft 2008“.

Von mangelnder Studienattraktivität ostdeutscher Hochschulen und einer überalterten Bevölkerung gibt es hier keine Spur. In Jena wird das gelebt, was ähnlich auch für andere Hochschulstandorte gelten könnte – wäre das Image des Ostens als „No-go-area“ nicht so schlecht. In Ostdeutschland sei die Zufriedenheit mit der akademischen Ausbildung deutlich höher als im Westen, hat eine Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) ergeben. Bemerkenswert die HIS-Quintessenz: „Die besten Studienbedingungen haben kleine Ost-FHs, die schlechtesten große West-Unis.“

Gabriele Beibst ist diese Botschaft nicht neu. Für die FH-Rektorin schließen sich allerdings Alleingänge und Kooperationen zwischen den Hochschultypen nicht aus: „Wir stehen, obwohl wir gerade einmal 17 Jahre alt sind, nicht im Schatten der Universität Jena. Unsere Profile unterscheiden und ergänzen sich.“

Und das bezieht sich vor allem auf ingenieurwissenschaftliche Angebote und die intensive Vernetzung mit der Wirtschaft. Von insgesamt knapp 5000 Studierenden waren im Wintersemester 2007/08 immerhin 3262 in den Studiengängen Elektrotechnik, Maschinenbau, Medizintechnik und Biotechnologie, im Wirtschaftsingenieurwesen und im Fachbereich „SciTec“, mit den Schwerpunkten unter anderem in optischen Technologien, zu finden.

Von einem „Eiland der Glückseligkeit“ möchte Beibst dennoch nicht reden. „Die Demografen haben Recht: In Thüringen werden die Studienanfängerzahlen bis 2013 um die Hälfte sinken. Wir müssen uns auf den großen Knick einstellen, denn mehr als 80 % der Studierenden kommen aus Thüringen.“

Die große Nachfrage bei den Ingenieuren – von vier Studienbewerbern konnte für das laufende Wintersemester nur einer angenommen werden – werde nicht durch bloßes Zuschauen aufrechterhalten. „Wir müssen Studierende aus den alten Bundesländern gewinnen, vor allem weibliche“, wünscht sich Gabriele Beibst. Verstärktes Marketing sei ein Mittel, die Schaffung national und international verlockender Studiengänge ein anderes.

Aber nicht allein mit Neuem sei zu punkten, auch mit Bewährtem:“Ich denke an Projekte, wie Schülern das Innenleben eines Unternehmens zu zeigen und Wissenschaftler in die Schulen zu schicken“, so die ostdeutsche Betriebswirtin. Das „andere Verständnis“ des Ostens zeige sich auch im „Frauenförderplan“ und in der hohen Dichte an Kitaplätzen, die es jungen Forscherinnen erlaube, konzentriert wissenschaftlich zu arbeiten. Ein Pfund, mit dem man heute wuchern könne.

Das Gesamtpaket aber überzeuge erst, wenn alle Angebote das Siegel „Qualität“ besäßen, betont die Rektorin. Und die läge im Falle ihrer Hochschule insbesondere in der hervorragenden Ausstattung und der für Fachhochschulen typischen Industrienähe: „Unser Modell ,StudiumPlus“ ist eine der Möglichkeiten für die Zukunft: Junge Leute studieren bei uns, sind aber gleichzeitig Angehörige eines Unternehmens. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Studiums haben sie gute Chancen auf einen Job.“

Ganz auf Leistung setzt auch die neue Rahmenvereinbarung mit dem Land Thüringen. Die Hochschulen bekommen mehr Geld, wenn sie erfolgreich in der Antragstellung von Forschungsprojekten sind. Die FH Jena wird ihre Wirtschaftskontakte nutzen können, andere Hochschulen werden sich schwerer tun. Beibst: „Wir müssen damit leben, dass sich manche Regionen stärker entwickeln als andere. Gleichmacherei ist das Schlechteste, was wir tun können.“

Natürlich seien Städte wie Stuttgart und München durch ihre Infrastruktur mit zahlreichen Großunternehmen bevorteilt, der Mittelstand in Thüringen zu solchen finanziellen Aufwendungen nicht in der Lage. „Wir haben im Osten viel, viel weniger Geld als im Westen. Es ist vieles nur möglich über die Motivation der Hochschulmitarbeiter.“ Erleichterung brächten Studiengebühren. Das aber sei ein „zweischneidiges Schwert“, da der Osten nun einmal mit seiner Gebührenfreiheit werbe. Der Weg zum „Studentenparadies Jena“ ist eben ein steiniger. W. SCHMITZ

Von W. Schmitz

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