Bildungsmonitor 2013

IW erwartet bis 2013 1,8 Mio. weniger Ingenieure und Naturwissenschaftler

Die Zahl der Mitarbeiter im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich sinkt dramatisch. Das liegt zum einen daran, dass mehr Ingenieure in Ruhestand gehen, als nachkommen. Aber auch die sehr unterschiedliche Qualität der Bildungssysteme der Bundesländer hat Folgen auf die Zahl der jungen Ingenieure, so eine neue Studie.

Ingenieur-Studenten an der RWTH Aachen: Trotz der aktuell wachsenden Studentenzahlen rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft bis 2030 mit einem Einbruch. Bis dahin soll es 1,8 Millionen weniger Ingenieure und Naturwissenschaftler geben.

Ingenieur-Studenten an der RWTH Aachen: Trotz der aktuell wachsenden Studentenzahlen rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft bis 2030 mit einem Einbruch. Bis dahin soll es 1,8 Millionen weniger Ingenieure und Naturwissenschaftler geben.

Foto: Peter Winandy/RWTH Aachen

Im Jahr 2030 gibt es in Deutschland rund 1,8 Millionen Ingenieure, Techniker und Naturwissenschaftler weniger als heute. Das ist eins der Besorgnis erregendsten Ergebnisse des Bildungsmonitors, den die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, eine Interessenvertretung der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie,  am Dienstag veröffentlicht hat. Damit gerät das Land in Gefahr, das zu verlieren, was seinen Wohlstand ausmacht: die Innovationskraft im technischen Bereich.

Immer weniger Jugendliche wollen „schwere“ Fächer studieren

Ursache der dramatischen Entwicklung in der deutschen Industrie ist die immer geringer werdende Lust der Jugendlichen, ein als schwer geltendes Studium zu absolvieren. Der Trend geht hin zu den weichen und vermeintlich leichten Fächern wie Sprachen und Gesellschaftswissenschaften.

Schon heute ist der Trend zu beobachten. Der Anteil der 40- bis 44-Jährigen in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen liegt bei 24 Prozent. Bei den 30- bis 34-Jährigen sind es nur noch 19 Prozent. Mit der Abnahme der gelernten Ingenieure und Naturwissenschaftler in den nächsten Jahren kehrt sich ein seit dem Jahr 2000 beobachteter Trend um.

Seitdem hat die Zahl der Absolventen der entsprechenden Fächer so stark zugenommen, dass es heute 168 000 mehr Ingenieure und Naturwissenschaftler gibt. Allein dieser Zuwachs bedeute für das Jahr 2010 eine zusätzliche Wertschöpfung von mehr als 9,4 Milliarden Euro für die deutsche Volkswirtschaft, sagt Axel Plünnecke, der Autor der Studie. Er ist Leiter des Kompetenzfelds Humankapital und Innovationen am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Plünnecke klagt, der Bildungserfolg in Deutschland hänge immer noch sehr stark von der sozialen Herkunft und vom Bildungshintergrund der Eltern abhängt. „Es ist dringend nötig, die Aufstiegsmobilität zu erhöhen“.

Sachsen auf dem ersten Platz

Die Studie bewertet anhand von 110 Indikatoren die Güte des Bildungssystems der Länder. Davon hängen die Chancen für die berufliche Entwicklung ab. Nach dem Bericht, der jetzt zum neunten Mal veröffentlicht wurde, haben Sachsen und Thüringen das leistungsfähigste Bildungssystem. Es folgen Bayern und Baden-Württemberg. Schlusslichter sind Brandenburg, das Saarland und Berlin. Auf dem viertletzten Platz landet mit Nordrhein-Westfalen das mit fast 18 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Bundesland.

Von Wolfgang Kempkens

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