Hochschule 04.02.2000, 17:24 Uhr

Intime Atmosphäre spornt an

Kleine Hochschulen wie die Technische Universität Clausthal können besonders effektiv auf wissenschaftliche Entwicklungen reagieren. Der Aufbau eines neuen Studiengangs zeigt, wie Innovationen in eine traditionsreiche Hochschule implantiert werden.

Wer hier studiert, wird kaum abgelenkt. Wald, Wiesen, Wasser, Wald und nochmals Wald ziehen sich durch die Berglandschaft des Harzes. Und mitten drin Clausthal-Zellerfeld, einst als Bergbau-Stadt bekannt, heute für seine kleine, aber feine Technische Universität. Die rund 3500 Studierenden dieser höchstgelegenen TU Deutschlands begegnen ihren Hochschullehrern selbst in der Freizeit, manchen auch beim Mountain-Biken ein Professor hat sogar sein superleichtes, vollgefedertes Faserverbund-Rad mitentwickelt.
Für Hochschullehrer allerdings bedeutet der persönliche Touch eine besondere Herausforderung. „Man ist eigentlich ständig ansprechbar“, bestätigt Professor Gerhard Ziegmann. „Das macht den Charme einer kleinen Universität aus, kostet aber auch viel Zeit.“ Und Zeit ist rar für Ziegmann. Denn Ziegmann baut an der TU Clausthal ein neues Institut für Polymerwerkstoffe und Kunststofftechnik auf. Ein umfangreiches Unterfangen: Forschungsgelder einwerben und Projekte anschieben, ein Labor mit Landes-, Hochschul- und Drittmitteln einrichten und gleichzeitig für den neuen Studiengang trommeln. An der ETH Zürich, wo Ziegmann zuvor acht Jahre gearbeitet und auch das Fahrrad entwickelt hat, war sicher vieles einfacher.
„Hier läuft nichts nach einem vorgegebenen Schema ab. Doch genau das macht die Arbeit so spannend.“ Keine Aufgabe für einen Hochschullehrer, der vor allem eine geregelte 40-Stunden-Woche schätzt. In der Agricolastrasse 6, wo das Institut für Polymerwerkstoffe und Kunststofftechnik seit einem Jahr langsam wächst, wird ständig gearbeitet. Ziegmann hat seine zehn Mitarbeiter mit seinem Pioniergeist angesteckt. Nicht nur, weil das Wissenschaftsministerium einen zweiten Lehrstuhl versprochen hat, wenn der erste ein Erfolg wird. Wer hier arbeitet, ist fasziniert von der „Welt der Kunststofftechnik“, von der „Gestaltungsfreiheit, die mit Kunststoffen möglich ist“. Diese Welt will Ziegmann seinen Studierenden erschließen und weiter erforschen.
Der eigentliche Antrieb aber ist, Forschung und Lehre möglichst fruchtbar für beide Seiten und zugleich für industrielle Partner zu kombinieren. Die Vertiefungsfächer des Studiengangs weisen die Richtung. Im Fachgebiet Polymerwerkstoffe werden auch Kenntnisse in Leichtmetallen, Glas oder Keramik vermittelt, experimentelle Methoden der Werkstoffkunde, Simulation und Modellierung von Kunststoffeigenschaften. Diese Fähigkeiten müssen die Studierenden durch praktische Erfahrungen erwerben. Das erfordert einen ständig wachsenden, modernsten Maschinenpark, der wiederum Drittmittel erfordert.

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Kunststoffingenieure haben glänzende Aussichten

Also machen Ziegmann und seine Mitarbeiter fast alles miteinander. Sie lehren, beraten, projektieren Forschungen, die grundlagen- und anwendungsorientierte Realisierungen ermöglichen. Sie verhandeln mit Firmen und konzipieren Anträge für unterschiedliche Institutionen.
„Ich möchte versuchen, verschiedene Technologien zu Technologiekombinationen zusammenzubringen, um damit neue und komplexe Strukturen aufzubauen“, sagt Ziegmann. Zum Beispiel Spritzgießprozess und Faserverbundfertigungsprozess verknüpfen oder magnetische Eigenschaften in Kunststoffe implementieren. „Und wenn wir dann versuchen, spezielle funktionelle Partikel, vor allem Nanopartikel oder andere Füllstoffe einzuarbeiten, haben wir eine Fertigungstechnologie, die in sehr kurzen Zyklen komplexe Bauteile erzeugen kann.“
Das Know-how des Instituts nutzen bereits Industriepartner wie etwa ein Autozulieferer vor Ort oder die hannoversche Firma Berstorff. Die TU selbst unterstützt das Engagement des Instituts. Denn hier werden Schlüsseltechnologien entworfen. Und seitdem die Clausthaler Uni den einstigen Schwerpunkt Geowissenschaften, Bergbau- und Hüttenwesen durch innovative Angebote in Chemie, Physik, Mathematik, Informatik und Ingenieurwissenschaften und Informatik erheblich verbreiterte, genießt sie das Image einer flexiblen und fortschrittlichen Hochschule. Bei den Studierenden ist der Ruf angekommen: Rund zwei Drittel sind mittlerweile in den neuen Studiengängen wie etwa Informatik, Umweltschutztechnik, Energiesystemtechnik oder eben Kunststofftechnik eingeschrieben. Ihre Aussichten sind ausgezeichnet.
Kunststoffingenieure werden dringend gesucht. Nur wenige Hochschulen bilden sie aus. Und Kunststofftechnik im Lehrplan heißt nur wenig. Die meisten Hochschulen bieten diese Technologie meist nur als spezielle Ausrichtung nach einer Grundausbildung in Maschinenbau an. Ziegmanns Ansatz ist gezielter und breiter. Die Werkstoffe werden für bestimmte Anwendungen entwickelt, getestet, hergestellt, verarbeitet. Beispielsweise sollen Werkstoffe mit magnetischen Eigenschaften im Sensorikbereich eingesetzt werden, Keramikpartikel in Polymeren Tragfunktionen übernehmen oder die Verarbeitungstechnologie mit eingearbeiteten Naturfasern forciert werden.
„Ich möchte Dinge tun, die auch anwendbar sind und nicht irgendwo in der Bibliothek verstauben“, betont Ziegmann. Wie das Mountainbike, oder der an der ETH gemeinsam mit der Schweizer Firma Schindler entwickelte Eisenbahnwaggon. Für diesen Waggon in Faserverbundwickelbauweise erarbeitete Ziegmann das Fertigungsverfahren, mit dem Strukturen von 16 Metern Länge und fünf Metern Durchmesser in einem einzigen Schuss hergestellt werden können. Das ist die Hightech-Welt, die heutige Studierende beeindruckt. RUTH KUNTZ-BRUNNER
Prof. Dr.-Ing. Gerhard Ziegmann von der TU Clausthal erläutert eine Tiefziehmaschine.

Ein Beitrag von:

  • Ruth Kuntz-Brunner

    Ruth Kuntz-Brunner ist Karriereautorin und schreibt über die Schwerpunkte Arbeitsleben und Arbeitssicherheit.

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