Innovationen für eine kriselnde Branche

Die Fachhochschule Stuttgart nimmt die Wirtschaft mit ins Boot, um den angeschlagenen Fächern des Bauingenineurwesens auf die Beine zu helfen.

Die Bauwirtschaft steckt in der Krise. Nicht nur für die Branche ist das eine Herausforderung. Auch die Hochschulen, an denen Bauingenieurwesen gelehrt wird, müssen umdenken und ihre Lehrinhalte verstärkt den praktischen Gegebenheiten anpassen.
Und es regt sich tatsächlich etwas. So stellt Uwe Drewes, Vorstandsvorsitzender der Kirchhoff AG in Stuttgart, dem Fachbereich Bauingenieurwesen der Fachhochschule Stuttgart ein gutes Zeugnis aus. Seit geraumer Zeit schon versuchen die Verantwortlichen dort gezielt, auf die Veränderungen der letzten Jahre zu reagieren. In einem Unternehmensbeirat, der im Februar 2001 aus der Taufe gehoben wurde, sitzen neben Vertretern der Hochschule auch Repräsentanten der Wirtschaft und Verwaltungsfachleute. Ziel des Gremiums soll ein intensiverer Gedankenaustausch zwischen Industrie und Wissenschaft sein, von dem beide Seiten profitieren. Auch die neue Studienprüfungsordnung, die seit letztem Jahr gilt, wird vom Prodekan des Fachbereichs Bauingenieurwesen, Prof. Peter Steidle, als ein Schritt in die richtige Richtung gewertet. Statt konventionellem Frontalunterricht, in dem überwiegend reproduzierbares Wissen vermittelt wird, soll in Stuttgart künftig projektorientierte Arbeit den Vorrang genießen. Das heißt: Komplexe Aufgabenstellungen werden im Team gelöst, um die Resultate professionell zu präsentieren. Außerdem wird es ab dem Wintersemester 2002/03 einen Bachelor-Studiengang geben, der verstärkt betriebswirtschaftliche und juristische Belange berücksichtigen soll.
Für die Bauwirtschaft insgesamt zeichnet Uwe Drewes, der Vorsitzender des Unternehmensbeirates des Fachbereichs Bauingenieurwesen ist, ein düsteres Bild. Angst mache ihm die Entwicklung in den bauwirtschaftlichen Studiengängen, die einen Abstieg in kaum gekannte Niederungen vorweise. Die Anfängerzahlen seien an den Hochschulen um rund 7 % zurückgegangen. Ein Grund dafür sei im schlechten Image der Baubranche zu suchen. Weit mehr dürften allerdings politische Aspekte eine Rolle spielen, die auch für den dramatischen Rückgang des Wohnungsbaus in den letzten zwei Jahren mit verantwortlich seien. „Seit 1997 sank das gesamte Bauvolumen von 270 Mrd. € auf 220 Mrd. €.
Dieser Trend spiegle sich auch in der Beschäftigungsentwicklung wider. 30 % der Arbeitsplätze wurden in den letzten fünf Jahren abgebaut, davon im letzten Jahr allein 7 % in Westdeutschland, in Ostdeutschland sogar 18 %. „Angesichts solcher Zahlen fragt sich natürlich jeder Student: Sitze ich da nicht auf einem toten Gaul?“, schlussfolgert Uwe Drewes.
Ganz so pessimistisch sollte die Antwort dann doch nicht ausfallen. „Studenten, die in den nächsten zwei Jahren ihr Studium abschließen, haben gute Chancen“, prognostiziert Drewes. Überhaupt seien gute Leute rar auf dem Markt. Ab 2004 wird sich diese Situation noch verschärfen, denn der Bedarf an Bauingenieuren wird dann – so die Schätzung – nicht mehr von den Hochschulabsolventen abgedeckt werden. 1997/98 starteten immerhin noch 5300 junge Leute ins Berufsleben, in diesem Jahr sank ihre Zahl auf 4800 und in zwei Jahren wird voraussichtlich die 4000er-Grenze unterschritten sein.
Auch Prof. Hartwig Beiche, Beigeordneter der Landeshauptstadt Stuttgart und VDI-Vorsitzender, spricht von guten Berufsaussichten für Hochschulabsolventen. So suche die Straßenbauverwaltung schon heute händeringend Nachwuchs. Die leistungsfähige Infrastruktur des Ballungsgebietes Stuttgart wirke sich unmittelbar auf die Bauwirtschaft aus. Im Bereich Tiefbau sei das besonders stark zu spüren, nicht umsonst eile der Stadt der Ruf der heimlichen Tunnelhauptstadt voraus. Ein zusätzlicher Motor sei auch das Projekt „Stuttgart 21“, denn „im Zuge dessen entstehen große Wohn- und Gewerbegebiete, die den Baumarkt ankurbeln werden“. Wichtig für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben sei, dass das Anforderungsprofil stimme.
Dieser Anpassungsprozess scheint im Fachbereich Bauingenieurwesen in Stuttgart voll im Gange zu sein. So verzeichnet der über Jahre hinweg stark gefragte Studiengang „Konstruktiver Ingenieurbau“ rückläufige Teilnehmerzahlen. Im Kommen dagegen sind Studienrichtungen wie „Wasser- und Verkehrswesen“ oder „Allgemeiner Ingenieurbau“. Aus der Sicht von Uwe Drewes muss allerdings noch mehr geschehen, um die Studenten fit fürs Berufsleben zu machen. Zwar bemängelt der Vorstandsvorsitzende, die Hochschulabsolventen seien heute fast alle älter als 26 Jahre.
Drewes denkt an eine Art „Studium Generale“, das den Studenten die Möglichkeit gibt, fachübergreifende Vorlesungsangebote und Seminare zu nutzen, um so das Rüstzeug für spätere Führungsaufgaben zu erwerben. „In den 80er Jahren wurde der Ruf nach Spezialisierung immer lauter, heute ist es Trend, die klassische Ausbildung auf Kernfächer zu reduzieren und dem problemorientierten Arbeiten mehr Platz einzuräumen“, weiß Drewes. MONIKA ETSPÜLER

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